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02.07.1982

Nicht Maschinen, sondern Menschen helfen Kosten sparen

Die "Rotstiftwelle" macht auch vor den Türen der Rechenzentren nicht mehr halt. Immer häufiger verlangen die Geschäftsleitungen von ihren DV-Abteilungen, daß mit den vorhandenen Ressourcen sparsamer umgegangen wird. Viele DV-Manager sehen sich zum ersten Mal mit dieser Situation konfrontiert und treffe. Fehlentscheidungen. Da die Möglichkeiten der Kostenreduzierung im maschinellen Bereich häufig nur kurzfristige Erfolge bringen, liegen die Rationalisierungsreserven nach Ansicht der von der COMPUTERWOCHE befragten DV-Profis auf lange Sicht gesehen hauptsächlich im organisatorischen Bereich. ih

Werner Bongartz

Cap Gemini Deutschland, EDV- und Unternehmensberatung, Düsseldorf

Für Einsparungen im Hardware-Budget sollten unter Einhaltung der Zielsetzungen der Anwender (Servicegrad etc.) zwei Ansätze gewählt werden - die richtige Dimensionierung der Rechnerkonfiguration und die kostengünstige Realisierung der definierten Kapazität.

Der erste Ansatzpunkt erfordert ein Installations-Management mit den entsprechenden Planungs- und Kontrolltechniken, um eine flexible Anpassung der Konfiguration an die ständig wachsenden Anforderungen zu ermöglichen. In der Praxis wird erst eine Analyse über die Ausschöpfung der aktuellen Systemkapazität die Grundlage für eine kontinuierliche Planung schaffen. Diese Untersuchung liefert zusätzliche gezielte Hinweise für Reorganisationsmaßnahmen im Rechnerbetrieb (Testbetrieb - Praxisbetrieb, Prioritätensteuerung, Dateiverwaltung etc.).

Die zweite Möglichkeit der Verringerung der Hardware-Ausgaben erfordert eine Abkehr von der konservativen Einstellung zum Full-Service-Angebot des Herstellers. Es müssen kostengünstigere, kompatible Alternativen nicht nur zu allen Hardwareteilen, sondern auch zu den Wartungsleistungen geprüft und realisiert werden. In diesem Zusammenhang sind Vertragsmodifikationen und Finanzierungformen zu diskutieren.

Friedrich Edinger

Mitglied der Geschäftsleitung, EDV-Studio Ploenzke, Wiesbaden

Ich bin der Auffassung, daß sich die Frage nach Einsparungsmöglichkeiten ohne Neuinvestition im Hardwarebereich für die meisten Anwender nicht stellt. Jeder DV-Chef ist derzeit bemüht, den steigenden Anforderungen der Fachbereiche durch größere und leistungsfähigere Rechner oder Peripherie zu begegnen. Deshalb sehe ich nur begrenzt Möglichkeiten, zu einer kurzfristigen Entlastung des Hardwarebudgets zu kommen. Dieses könnte allein in der Substitution von vorhandener durch kostengünstigere Hardware liegen.

Langfristig gesehen ist eine nachhaltige Dämpfung der Hardwarekosten durch die Beseitigung von Schwachstellen in der internen DV-Organisation zu erreichen. Aus der Vielzahl der Schwachstellen möchte ich zwei herausstellen, die für eine optimale Nutzung der Hardwareressourcen von wesentlicher Bedeutung sind. Zunächst muß ein zukunftsorientiertes Datenhaltungskonzept entwickelt werden, damit auf einem leistungsfähigen Datenbanksystem das System stufenweise realisiert werden kann. Darüber hinaus muß durch den verstärkten Einsatz von Methoden und Werkzeugen die Programmstellung und der Ablauf optimiert werden.

Wenn es dem Anwender nicht genügt, diese beiden "mit hohen Investitionen verbundenen" wesentlichen Voraussetzungen für eine optimale Nutzung der Hardwareressourcen zu schaffen, dann werden wie bisher Schwächen der DV-Organisation durch die Anschaffung von größerer und teurerer Hardware kompensiert,

Reinhard Besken

Geschäftsführer Apollo GmbH, EDV- und Unternehmensberatung, Neuss

Wegen der funktionalen Abhängigkeit von Personal (Know-how/ Struktur), Systemsoftware, Methodik (Tools), Anwendungen und Hardware läßt sich die Frage nach Einsparungsmöglichkeiten ohne Neu-Investition allein auf den Maschinenpark bezogen nicht beantworten. Der Ansatz zur besseren Nutzung der Reserven beziehungsweise zur Rationalisierung liegt überwiegend im organisatorischen, aber nicht im technischen Bereich.

Einsparungsmöglichkeiten durch effektive Nutzung der Ressourcen lassen sich erreichen durch:

1. Verbesserung der Abläufe im RZ: Arbeitsvorbereitung, Arbeitsnachbereitung, Operating, Projektabnahme

2. Trennung von Test- und Produktionsbetrieb: Ablauf, Dateien, Programme, Jobs

3. Gesteuerter Einsatz von Optimierungstools, zum Beispiel VSAM-Optimierung, TuningTools, Sorts, Band-/Plattenverwaltung

4. Automatische Steuerung und Kontrolle der Abläufe Job-Ablaufsteuerung, Control-Tools.

Ein Ergebnis dieser Verbesserung schlägt sich durch bessere Nutzung der Hardware auch im Hardware-Budget nieder. Der große Nutzen wird jedoch in den Faktoren Zeit und Richtigkeit erzielt durch Verringerung von Wiederholungsläufen, Abbau von Warteschlangen und Stillstandszeiten, Vermeidung des Produktionslaufes von unausgetesteten Programmen und Jobs und so weiter.

Diese Verbesserungen nutzen sowohl dem gesamten Org./DV-Bereich als auch den Fachabteilungen und führen zur Freisetzung unnütz ausgelasteter Kapazität.

Wolfgang Dernbach

Mitglied der Geschäftsleitung der Diebold Deutschland GmbH, Frankfurt

Ganz ohne Investitionen geht es wohl nicht, wenn aus vorhandenen Ressourcen mehr herausgeholt werden soll. Das gilt vor allem dann, wenn man Investitionen nicht eng begreift, sondern zum Beispiel auch die Entwicklung von DV-Programmen durch eigene Mitarbeiter einbezieht. Wenn man Investitionen allerdings im Zusammenhang mit zusätzlichen Ausgaben nach draußen versteht, läßt sich die Fage leichter mit "Ja" beantworten.

Zu den nicht liquiditätswirksamen Maßnahmen gehört die Verbesserung der Rechenzentrumsorganisation. Hier sind allein durch ein klares und verbindliches Konzept Erfolge zu erwarten. Welche Möglichkeiten sich hinter dem Schlagwort "RZ-Automation" verbergen, zeigen Unterschiede von mehr als 100 Prozent in der Personalbesetzung vergleichbarer Rechenzentren.

Das größte Rationalisierungspotential liegt allerdings in der Schwerpunktverlagerung bei der Anwendungsentwicklung. Noch immer sehen viele Unternehmen das Ideal im "Flicken" veralteter Anwendungsstrukturen. Die Anpassung der Organisation an veränderte Marktbedingungen und die Verbesserung der Arbeitsabläufe kommt zu kurz. Es gibt Untersuchungen, denen zufolge 50 bis 70 Prozent der DV-Programme Druckprogramme sind, viele davon könnten von den Anwendern selbst mit Hilfe von Generatoren zusammengestellt werden.

Ein Teil der Anwender mag solche Umstrukturierungen beklagen, und sei es nur, weil sie vorübergehend auf gewünschte Programmänderungen verzichten müssen. Doch die Weitblickenden unter ihnen akzeptieren eine solche Umstellungsphase, und auf sie kommt es an. Ob das jedoch ganz ohne Investitionen abgeht, muß bezweifelt werden. Langfristig machen sich solche Investitionen in der Regel bezahlt.

Henning Doebler

wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lehrstuhl für Informatik, Universität Köln

Die im aktuellen Betrieb erreichbare Leistung eines DV-Systems hängt einerseits von der Dimensionierung der jeweiligen Hardwarekomponenten ab, andererseits beeinflussen deren Konfigurierung, die spezifischen Eigenschaften der System- und Anwendungssoftware sowie die Arbeitsorganisation wesentlich den Durchsatz des Gesamtsystems. Werden Hardwareelemente und Betriebssystem als lediglich mittel- bis langfristig und mit großem Aufwand beeinflußbare Faktoren aus der Betrachtung ausgeschlossen, so liegt der Schwerpunkt kurzfristiger Tuning-Maßnahmen im Bereich von Anwendungssoftware und Arbeitsorganisation. ABC-Analysen zeigen, daß wenige Programme den Großteil der kapazitativen Beanspruchung der Hardwareressourcen bestimmen. Diese wenigen Programme können durch "Umprogrammierung" einzelner häufig auszuführender Routinen mit relativ geringem Aufwand (innerhalb weniger Manntage) hinsichtlich ihrer Hardwarenutzungsintensität enorm (über 50 Prozent) optimiert werden.

"Umprogrammierung" kann zum Beispiel bedeuten: Einsatz schneller (Tabellen-Such-)Prozeduren, funktionsgerechte Reduzierung der Ein-/Ausgabesätze, leistungsorientierte Anordnung von (zum Beispiel selektiven) Logikelementen sowie paginggerechte Zusammenbindung von Programmodulen.

Für den Bereich der Arbeitsorganisation sind zum Beispiel die flexible Einordnung der Batch-Job-Verarbeitung in Zeiten geringer Dialogverarbeitungsintensität sowie nachfrageorientierte Dateianordnung auf peripheren Speichereinheiten zu nennen. Die wesentliche Voraussetzung für die Durchführung von Tuningmaßnahmen ist die systematische Messung und Analyse der gegenwärtigen Leistungsdefizite mit Hilfe von zum Beispiel Hard-, Software- oder Hybrid-Monitoren. Als Hilfsmittel der eigentlichen Optimierung spielen automatisierte Werkzeuge eine immer größere Rolle.

Guido del Mestre

Leiter des Geschäftsbereichs Telematik der Pactel GmbH, Frankfurt

Einem qualifizierten DV-Manager ist zu unterstellen, daß er sich permanent bemüht, sein Hardware-Budget so gering wie möglich zu halten. Hardware-Audit, Ersatz durch plugkompatible Hardware, Leasing nach Kauf einer ursprünglich gemieteten Anlage sind für ihn ausgetretene Pfade. Es ist aber vielleicht lohnender, darüber nachzudenken, ob sich hinter der Fragestellung nicht Schwerwiegenderes verbirgt.

Der DV-Manager war es in der Vergangenheit nur wenig gewohnt, Projektbudgets auf der Basis konkreter Kosteneinsparungen zu argumentieren. Heute wird er seitens der Unternmehmensleitung dazu gezwungen. Wegen der ungezwungenen Situation der Vergangenheit fällt ihm nicht zuletzt auch die Argumentation seines heutigen DV-Budgets schwer. Deshalb legt ihm die Unternmehmensleitung nahe, im EDV-Bereich selbst Kosteneinsparungen nachzuweisen. Diesen derzeit recht typischen Situationen kann er mit zwei unterschiedlichen Strategien gerecht werden.

In einzelnen Fällen wäre eine defensive Verhaltensweise vielleicht richtig, das heißt die vorhandende EDV-Konfiguration in Frage stellen zu lassen und die gewünschten Kosteneinsparungen nachzuweisen. Im Normalfall werden hiermit aber für das Gesamtunternehmen keine nennenswerten Wirkungen erzielt.

Eine offensive und empfehlenswerte Vorgehensweise ist es, relevante Kostenblöcke im Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Fachseite zu lokalisieren und hieraus resultierende Rationalisierungspotentiale auszuweisen, die zu kurzfristig realisierbaren Einsparungen führen.

Dieser offensive Weg setzt voraus, daß sich der DV-Manager als Anbieter von Dienstleistungen versteht, der die Erzeugnisse der Fachseite kennt, deren Sprache beherrscht und deshalb zur monetär bewertbaren Problemlösung aktiv beitragen kann. Die offensive Verhaltensweise des DV-Managers heilt die Krankheit. Das Symptom, kurzfristig Einsparungen am EDV- beziehungsweise HW-Budget realisieren zu müssen, klingt damit von alleine ab.

Günter Ruge

Unternehmensberatung Dr. Fischer GmbH, Stuttgart

Aus unserer Sicht können die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen zu Einsparungen führen, ohne daß Neu-Investitionen größerer Art erforderlich sind.

1. Software-Tuning

Überprüfung und Reduzierung der Zugriffswege, gleichmäßige Verteilung der Zugriffshäufigkeit je externer Speichereinheit sowie Überprüfung des TP-Monitors auf Anzahl der Instruktionen je Transaktion.

2. Hardware-Tuning

Austausch kleiner Platteneinheiten gegen größere mit höherer Zugriffsgeschwindigkeit bei nahezu Preisgleichheit sowie Überprüfung der Kanalkonfiguration und gegebenfalls Neudesign der Kanalauslegung.

3. Soft/Hardware-Vertragsgestaltung

Umwandlung Herstellermiete in Leasing mit der Möglichkeit des technischen Austauschs nach 24 Monaten und Übernahme von EDV-Arbeiten von Dritten.

4. Anwendersoftware-Revision

Überprüfung der Wirtschaftlichkeit laufender EDV-Anwendungen, das heißt unwirtschaftliche Applikationen einstellen.

Laufzeitanalyse von Anwenderprogrammen. Ein "Walk through" kann spürbare Laufzeiteinsparungen bringen.

Verbesserung der Kontrollroutinen wird eine Verringerung der Wiederholläufe bewirken.

5. Organisation RZ-Betrieb

Durch "monetäre Steuerung", das heißt Rabattierung der Nachtnutzung des RZ, Arbeitsspitzen des Tages in die Nacht verlagern.

Ablaufsteuerung im RZ so verändern, daß der RZ-Betrieb "Operator-arm" wird. Diese Maßnahme ermöglicht auch günstigen Nachtbetrieb.