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19.08.1994

Nicht mehr unter die Rockschoesse der Siemens-Mutter

CW: SNI-PCs schreiben noch nicht so lang Erfolgsstories in der Branche. Wie kommt der ploetzliche Wandel?

Roessler: Die Gruende sind vielfaeltig. Einer ist, dass in der Vergangenheit unser PC-Geschaeft lediglich Teil des Systemgeschaefts war. Wir haben Mainframes und Midrange-Systeme gebaut und uns auf das Loesungsgeschaeft mit Kunden konzentriert. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre mussten wir feststellen, dass einerseits die Investitionen in Grossrechner- und Midrange-Systeme flacher werden, kippen und nach unten zeigen, andererseits aber die Investitionen in PCs und Workstations kraeftig zunahmen. Als wir den Trend zu Client-Server-Systemen, zum intelligenten System beim Anwender erkannten, riefen wir im Sommer 1992 ein Projekt zur Schaffung einer PC-Division ins Leben. Im Oktober 1992 gruendeten wir dann die in jeder Hinsicht voellig selbstaendig agierende PC-Division hier in Augsburg. Unsere Vorgabe vom SNI-Vorstand lautet dabei lediglich, profitabel zu sein. Ausserdem sollen wir das Geld wieder zurueckgeben, das uns die Siemens AG vorgestreckt hat.

CW: Wann werden Sie schwarze Zahlen schreiben?

Roessler: Nach unseren Plaenen schaffen wir bei 500 000 ausgelieferten PCs den Break-even. Das werden wir im kommenden Geschaeftsjahr 1994/95 (30. September 1995, d.Red.) wohl erreichen. Im ersten Geschaeftsjahr der SNI-PC-Geschaeftseinheit, also 1992/93, haben wir 260 000 PCs an den Mann gebracht, 1993/94 werden es rund 400 000 sein. Fuer das naechste Jahr planen wir, deutlich ueber 500 000 PCs abzusetzen.

CW: Wo ausser in Augsburg produzieren Sie noch SNI-PCs?

Roessler: Einen kleinen Produktionsstandort haben wir noch im franzoesischen Haubourdin in der Gegend von Lille. Ausserdem unterhalten wir seit Juli ein Joint-venture mit der Top Victory Electronics Ltd. in Fuqing in der suedchinesischen Provinz Fujian. Ab Anfang Oktober sollen dort im ersten Geschaeftsjahr rund 50 000 PCs vom Band rollen, mit denen wir den asiatischen Markt bedienen wollen.

CW: Hatte sich die SNI-PC-Division nicht anfaenglich an Compaq als Vorbild fuer die eigene Firmenstrategie orientiert?

Roessler: Das stimmt. Wir haben uns ein Beispiel an Compaq genommen und dachten uns, dass wir innerhalb der SNI eine kleine Firma brauchen, die schlag- und wettbewerbstraechtig am PC-Markt mitmischen kann.

CW: Ist es bei Ihrer PC-Division aber nicht so, dass Sie im Gegensatz beispielsweise zu Compaq doch wissen, dass hinter Ihnen eine Siemens AG steht, die haeufiger als Bank denn als Elektronikunternehmen bezeichnet wird?

Roessler: Die Zeiten, wo wir uns unter die Rockschoesse der grossen Mutter Siemens fluechten konnten, sind lange vorbei. Wir haben ganz klare Auflagen und Geschaeftsziele. Die muessen wir einhalten, danach werden wir beurteilt. Sicherlich hilft der Name Siemens. Aber der Anwender ist nicht mehr bereit, beliebig viel fuer den Markennamen zu zahlen.

CW: In der Presse konnte man lesen, dass SNI seinen Erfolg beim PC- Absatz vor allem einer sehr aggressiven Preispolitik verdanken wuerde...

Roessler: ...also, es ist uns noch nie gelungen, einen echten Billig-PC zu produzieren. Das wird es auch aus Qualitaetsgruenden nicht geben. Nein, wir haben einfach gegenueber der Konkurrenz aufgeholt. Fuer uns ist Compaq die Messlatte. Zudem hatten wir die McKinsey-Leute im Haus. Die haben unsere Arbeitsweise mit der des besten Unternehmens am Markt verglichen und uns dann vorgerechnet, was etwa die Produktion kosten darf, wieviel Vertriebsgemeinkosten wir haben duerfen etc. Das bedeutete in der Folge, dass wir Leute entlassen haben, um Kosten zu reduzieren. Aber mit Nachlaessen werfen wir nicht um uns.

CW: Wie viele Mitarbeiter mussten denn gehen?

Roessler: Wir haben vergangenes Jahr rund 200 Mitarbeiter aus der PC-Division entlassen. Jetzt haben wir noch 2000 Mitarbeiter.

CW: Bleibt es dabei?

Roessler: Wir gehen davon aus, dass es bei dieser Zahl bleibt. Wenn wir kommendes Jahr die anvisierten Stueckzahlen verwirklichen wollen, brauchen wir die Leute auch in der Produktion. Im Verwaltungsbereich werden wir moeglicherweise noch die eine oder andere Anpassung vornehmen.

Walter Roessler ist Vorsitzender der Geschaeftsfuehrung der Business Unit Personal Computer von SNI. Mit ihm sprach CW-Redakteur Jan-Bernd Meyer.