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26.03.1999 - 

Kolumne

"Nicht vorbereitet auf die neue Welt"

Gefragt, wo sein Unternehmen denn zu Hause sei, im Hard- oder im Software-Business, antwortete Scott McNealy: weder noch, Sun verkaufe Systeme. Die Frage lasse jedoch tief blicken, weil sie ein längst überkommenes Bild von der IT offenbare. Informationsverarbeitung hänge heute nicht von Rechnern, Speichern oder Applikationen ab, sondern von Systemen, die zum Beispiel und vor allem seine Firma liefere. Diese seien in Rechenzentren bei Internet-Providern, Telekommunikationsanbietern und großen Outsourcing-Anbietern installiert. Kunden aller Couleur greifen darauf zu, lassen dort Daten verarbeiten und kommen selbst mit schlanken Clients aus.

McNealy nennt das "Information as an utility". Denke man dieses Szenario zu Ende, würde die IT- der Telco-Branche immer ähnlicher. "Wissen Sie, welches Betriebssystem in einem Switch von Alcatel läuft oder welche Chips in Ihrem Handy arbeiten?" fragt er rhetorisch. In einer solchermaßen veränderten Industrie gäbe es weder einen gesonderten Markt für Hardware, Software, Speicher noch für Applikationen. Das alles seien nicht mehr als Features eines Systems.

Allerdings wich McNealy geflissentlich der Frage aus, was denn in einem solchen Szenario aus Sun werde, das trotz Java und Jini in erster Linie an Hardware - seinen Starfire-Servern und Sparc-Workstations - Geld verdient. Nur eines hofft er wohl inständig: daß Microsoft, mächtiger Vorreiter der dezentralen Datenverarbeitung und des Desktop-Computing-Modells, diesen Paradigmenwechsel nicht unbeschadet übersteht.

Dabei übersieht der Sun-Boß, daß nicht nur Microsoft auf eine so veränderte IT-Landschaft nicht vorbereitet ist, sondern auch diejenigen, die sie herbeireden und ihre Kunden. Die Hersteller verkaufen nach wie vor entweder Technologie-Bausteine oder Lösungen an eine breite Masse von Anwendern - gleichgültig ob das vorherrschende Modell nun Desktop- oder Web-Computing heißt. Selbst wenn irgendwann einmal Internet-Provider, Portalbetreiber oder Telcos zu Applikations-Service-Providern mutieren, die Computer-Power bereithalten, sind sie für IT einsetzende Unternehmen nicht mehr als eine weitere Alternative - ungefähr so, wie sich ein Reisender entscheiden kann, ob er mit dem Auto oder per Bahn von Punkt A nach B gelangen will.