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02.04.1993 - 

IBMs Mainframe-Boss setzt weiter auf ES-9000-Systeme

Nick Donofrio: In puncto RISC beugt sich die IBM dem Markt

Donofrio konzedierte, dass die IBM 1992 einen neunprozentigen Umsatzrueckgang hinnehmen musste, der 1993 weiter anhalten werde. Er warnte allerdings davor, zu glauben, dass Grossrechner in Zukunft weniger gefragt seien. Vielmehr werde allgemein der Bedarf an Produkten im Mainframe-Umfeld steigen. Diesen scheinbaren Widerspruch erklaerte der IBM-Manager vor allem mit den gesteigerten Beduerfnissen im Bereich Software und Service fuer die ES/9000-Systeme.

Nach den Erwartungen des Finanzberatungs-Instituts Moody´s wird das Interesse an Mainframe-Power aber weiter zurueckgehen. Deshalb stuften die Finanzexperten das Rating fuer IBMs langfristige Verbindlichkeiten in Hoehe von 18 Milliarden Dollar gerade erst von Doppel-A auf A zurueck.

Keine Logik sondern Politik

Irritationen ueber Big Blues zukuenftige Architektur-Ausrichtungen waren in juengster Vergangenheit wegen Ankuendigungen entstanden, IBM-Entwickler wuerden sich zunehmend auf die RISC-Technologie konzentrieren. In der aus Teilen der neugeschaffenen Advanced- Workstations-and-Systems- (AWSD) und der Enterprise-Systems-Division hervorgehenden unabhaengigen Geschaeftseinheit Power Parallel Systems (PPS) sollen auf RISC-Prozessoren basierende moderat- parallele Systeme entwickelt werden. Das unter AIX laufende Mehrprozessor-System "SP1" zeigte Big Blue auf der CeBIT.

Angesprochen auf die zukuenftige Produktstrategie meinte Donofrio, dass man auch weiterhin an der /390-Architektur und MVS festhalten werde. Momentan habe die IBM mit dem Image des Fortschritt- Verhinderers zu kaempfen. Die Oeffentlichkeit stelle das Unternehmen so dar, als koenne es nur noch verlieren.

IBM reagiere mit dem Schritt in Richtung RISC auf die Politik vieler Unternehmen, deren Entscheidung fuer Unix und RISC auf ideologischen Argumenten fusse: "Da ist keine Logik dahinter, das ist schlicht und einfach Politik."

Da man aber diese Anwender nun einmal nicht mit dem angestammten Grossrechner-Geschaeft erreiche, muesse man eben mit einem veraenderten Angebot aufwarten: "Denn HP, Sun und die anderen werden garantiert eine Offerte haben."

Es sei aber nicht richtig, dass man versuche, die /390-Architektur auf RISC-Technologie umzumodeln: "Hier handelt es sich doch um gaenzlich gegensaetzliche Dinge", erklaerte Donofrio weiter. Allerdings wolle man Strukturen entwerfen, die in Zukunft moderat- parallele Systeme auf MVS-Basis mit "mehreren hundert Prozessoren" ermoeglichten.

Im zweiten Halbjahr 1993 werde die IBM eine "Query"-Maschine vorstellen, die einen ersten Schritt in die parallele Zukunft darstelle. Allerdings wurde im Gespraech mit dem Grossrechner-Chef auch deutlich, dass Big Blue vor allem mit dem Altlasten-Problem kaempft: Die Parallelsysteme muessen in die MVS-Boxen integriert werden, wobei ein dedizierter BiCMOS-Prozessor quasi als Master Anfragen an eine CMOS-CPU weiterleitet und verwaltet. Marktanalysten hegen erhebliche Zweifel daran, ob MVS ueberhaupt parallelisiert werden kann.