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06.05.1994

Nie frei von Abhaengigkeiten

Betrifft CW Nr. 16 vom 22. April 1994, Seite 1: "US- Justizministerium wird in Sachen Microsoft-Monopol aktiv"; Kolumne, Seite 9: "Bill Gates vor den Kadi?" und andere Artikel

Alle Jahre wieder befasst sich die CW mit dem "Monopolisten" Microsoft. Nur scheint der Stil diesmal etwas gelitten zu haben. So muessen mangels offizieller Verlautbarungen nun schon "Insider- Informationen" bemueht werden. Im weiteren Text wird dann immerhin erwaehnt, dass die Federal Trade Commission (FTC) in ihren dreijaehrigen Untersuchungen zu keinem Ergebnis gekommen ist. Aber wenigstens ist die jetzt zustaendige Mitarbeiterin des US- Justizministeriums als "Falke" bekannt. Offensichtlich darauf basierend kommt Chefredakteur Dieter Eckbauer dann fuer seine Kolumne zum reisserischen Titel "Bill Gates vor den Kadi?". Inhaltlich ist die Kolumne dann nicht mehr so aufregend. Da die Kunden offensichtlich massenhaft MS-Produkte kaufen, wird der sicher nicht ganz unrichtige Schluss gezogen, dass sie sich in eine Abhaengigkeit von Microsoft begeben. Da der Kunde diese Abhaengigkeit offensichtlich nicht wahrnimmt, kommt der Schlusssatz zum Ergebnis: "Manchmal muessen die Marktteilnehmer zu ihrem eigenen Schutz bevormundet werden." Das erinnert mich fatal an die Argumente dogmatischer Politiker, die nur sich, aber nicht das gemeine Wahlvolk (hier: MS-Kunden), fuer befaehigt sehen, die eigenen Probleme zu erkennen.

Unter dem Titel "Microsoft setzt Standards wie einst die IBM" erwidert Hartmut Streppel von der GUUG die Kritik Microsofts an den Open-Systems-Gremien, veroeffentlicht in der CW Nr. 8/94. Nun haben die Argumente Streppels inhaltlich schon einiges fuer sich. Wer sich jedoch in der (alten) IBM-Welt auch nur etwas auskennt, der weiss, dass dort die IBM mit wesentlich haerteren Bandagen gekaempft hat und Kunden und Mitbewerber sicherlich froh gewesen waeren, wenn sie nur einer Marktmacht vom Schlage Microsofts gegenueber gestanden haetten. Die Bemuehungen von Microsoft, OLE, ODBC, MAPI und andere Standards zu setzen, ist sicher unverkennbar. Aber dies fuehrt durch eine fruehe Veroeffentlichung und Lizenzierung zu Standards, die durch einen breiten Markt von Drittanbietern unterstuetzt werden. So sehr ich durch unabhaengige Organisationen gesetzte Standards vorziehen wuerde, ein Standard, der entweder von den Anbietern oder den Kunden ignoriert wird, nutzt niemandem.

Was bleibt, sind zwei Alternativen fuer den Anwender: Entweder ein offenes System, dessen Realitaet (immer noch) alles andere als offen ist, oder ein System mit Microsoft-Produkten, wobei sich sicherlich auch Abhaengigkeiten entwickeln koennen. Frei von Abhaengigkeiten ist aber eine Entscheidung fuer einen Hersteller nie. Der "unmuendige" Entscheider laesst im Zweifel die (DM-)Zahlen sprechen. Nach herrschender Betriebswirtschaftslehre ist dies kein Widerspruch zu den Interessen der Beschaeftigten und der Anteilseigner eines Unternehmens. Und das ist auch gut so.

Wolfgang Sprick

Geschaeftsfuehrer der Datagon GmbH, Wiesbaden