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19.09.1997 - 

Alternative Carrier müssen nun Preise nennen

Niedrige Interconnection-Tarife

Mit der Entscheidung Bötschs endet, zumindest auf dem Papier, das seit Monaten andauernde Gezeter zwischen der Telekom und alternativen Netzbetreibern über die Höhe der Interconnection-Gebühren. Diese fallen an, wenn der Sprach- oder Datenverkehr eines Carriers durch das Netz eines anderen Betreibers geschleust wird. Auf den ersten Blick handelt es sich hierbei zwar nur um Pfennigbeträge, doch diese summieren sich, wie das Beispiel USA zeigt, schnell zum größten Kostenpunkt eines Carriers. Dort betragen die Interconnection-Gebühren bei AT&T oder MCI 65,9 beziehungsweise 55,2 Prozent der Gesamtkosten. Eine Größenordnung, die das Ringen um Zehntelpfennige erklärt.

Bötsch sah sich zu seiner Entscheidung gezwungen, da die Mannesmann-Tochter Acror nach dem Scheitern der Verhandlungen mit der Telekom den Regulierer angerufen hatte. Weil die Telekom die real entstehenden Kosten belegen konnte, ordnete Bötsch nun die neuen Tarife auf Basis internationaler Vergleiche an. Während der Noch-Monopolist von seinen künftigen Konkurrenten für die Durchleitung ihres Verkehrs beispielsweise für das Ortsnetz im Schnitt 4,64 Pfennige pro Minute forderte, wollten die Privaten, gestützt auf internationale Studien, lediglich einen Betrag zwischen 1,2 und 1,8 Pfennige zahlen.

Tarife unter BT-Niveau

Rechnet man die nun von Bötsch festgeschriebenen City-Minutenpreise von 1,97 Pfennige (zwischen 9 und 21 Uhr) und 1,24 Pfennige (für die restliche Zeit) auf eine zeitliche Gesprächsverteilung von 66 Prozent Hauptzeit und 34 Prozent Nebenzeit um, so liegt der Durchschnittspreis bei 1,72 Pfennige. Ein Tarifniveau, das unter dem international billigsten Tarif von British Telecom (1,75 Pfennige) liegen würde. Etwas teurer sind im internationalen Vergleich beispielsweise die Kosten für eine Fernverbindung bis zu 200 Kilometer. Hier müssen die privaten Anbieter 3,6 Pfennige an die Telekom abführen. Allerdings dürfte dies alternative Carrier kaum schmerzen, da sie oft über eigene Fernnetze verfügen und nur im Ortsbereich auf die Vermittlungsleistung der Telekom angewiesen sind.

Der deutsche Carrier schloß denn auch aufgrund der angeordneten Tarife, wie ein Telekom-Sprecher auf Anfrage bestätigte, einen Gang vor Gericht nicht aus. Das Unternehmen könne mit den von Bötsch angeordneten Tarifen nicht kostendeckend arbeiten.

Daß die neuen Wettbewerber angesichts der von Bötsch bekanntgegebenen Interconnection-Tarife immer noch auf die Tränendrüse drücken und ebenfalls ihren wirtschaftlichen Ruin prophezeien, verwundert indes nicht weiter. Bislang konnten sie sich glänzend hinter den fehlenden Vereinbarungen verstecken und mußten in Sachen Preis und Serviceleistung nicht Farbe bekennen, wie das Auftreten einiger alternativer Carrier auf dem Euroforum-Kongreß "Telecom-Markt Deutschland" in Köln erneut bewies. Zudem war hinter vorgehaltener Hand zu erfahren, daß die großen Eneregiekonzerne ihren Telecom-Töchtern lediglich zwei Jahre einräumen, um schwarze Zahlen zu schreiben. Dann befinden sich nämlich die derzeit vor Finanzkraft strotzenden Mütter in der gleichen mißlichen Lage wie die Deutsche Telekom AG: Ihr monopolistischer, fette Gewinne abwerfender Strommarkt wird dem Wettberweb geöffnet.