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13.08.1999 - 

Plattformen für SAP im Vergleich (Teil 1)

Niedrige Kosten sprechen für R/3-Betrieb auf NT-Servern

MÜNCHEN (CW) - Wintel-Server bieten für die meisten R/3-Installationen ausreichend Leistung bei niedrigen Kosten. Zu diesem Schluß kommt eine vergleichende Studie der Analystenvereinigung Strategy Partners*. Die CW beleuchtet zunächst Kosten, Leistung und Zukunftsperspektiven. Skalierverhalten und Verfügbarkeit, die zu den gravierenden Schwächen Wintel-basierter Rechner zählen, werden im zweiten Teil ausführlich behandelt.

"NT ist der ,Rising Star'' unter den Plattformen für R/3", schreiben die Analysten Henrik Klagges und Helmuth Gümbel von Strategy Partners in der Studie "R/3-Plattformen: Windows NT und die Alternativen". Weltweit arbeiteten 40 Prozent aller R/3-Systeme und mehr als die Hälfte der Neuinstallationen unter dem Microsoft-Betriebssystem. Fast alle großen Hersteller von Rechnersystemen für die SAP-Software bieten mittlerweile auch NT-basierte Server an.

Die stärksten Argumente für Intel-Server unter Windows NT sind nach Einschätzung der Autoren der Standardisierungsdruck und die vergleichsweise niedrigen Kosten. Die Aufwendungen für Wintel-basierte Hard- und Software liegen nach den Untersuchungen um Faktoren von zwei bis vier unter denen vergleichbarer Unix-Systeme mit RISC-Prozessoren. Dies gelte sowohl für Datenbank- als auch für R/3-Applikations-Server.

Betrachte man die gesamten Betriebskosten (Total Cost of Ownership = TCO) solcher Installationen, dominierten zwar die (weitgehend plattformunabhängigen) Personalkosten (siehe Grafik Seite 26). Die Aufwendungen für Hard- und Software seien aber dennoch "substantiell" und damit für eine Plattformentscheidung relevant.

In puncto R/3-Verarbeitungsleistung können Multiprozessor-Server mit Intels Xeon-CPUs unter Windows NT bis in den Unix- und den mittleren Großrechnerbereich ("Mainframe-Midrange") mithalten, so die Analysten. Die zum Zeitpunkt der Erstellung der Studie (Stichtag: 31. Mai 1999) erreichten Werte - maximal 2700 Benutzer des SAP-Moduls SD (Sales and Distribution) und 24000 tpmC (Transactions per Minute type C) - reichten für 80 bis 90 Prozent aller R/3-Installationen aus.

Mit der Verfügbarkeit von Acht-Wege-Servern (voraussichtlich Ende August oder September) könnten die Werte auf 5000 SD-User und 35000 tpmC steigen. Fujitsu beispielsweise gibt für den kürzlich vorgestellten "Teamserver T8000i" mit acht Xeon-CPUs eine tpmC-Leistung von mehr als 37 000 an. Die angekündigten Wintel-Server anderer Hersteller dürften bei vergleichbarer Ausstattung ähnliche Werte erreichen.

Aus Sicht der Autoren gibt es nur wenige Gründe, eine R/3-Installation nicht auf Wintel-Servern aufzubauen: ein bereits eingeführtes R/3-System etwa könne zu Kompatibilitätszwängen führen, die einen Umstieg auf NT nicht sinnvoll erscheinen ließen. Neukunden hingegen sollten nur dann auf Wintel-Technik verzichten, wenn sie einen "Zentralrechner mit absoluter High-end-Leistung" brauchen.

Spezifische Schwächen von Windows NT

Das Microsoft-Betriebssystem sei auch dann die schlechtere Wahl, wenn Kunden an NT-spezifischen Schwächen Anstoß nähmen. Dazu zählten "die nur normale Ausfallsicherheit von NT" und "die Limitierungen durch NTs 32-Bit-Speicherverwaltung". An beiden Punkten arbeite die Industrie intensiv. Etwas überraschend führen die Autoren an, das Problem der Ausfallsicherheit könne "durch die 99,9-Prozent-Initiativen der meisten größeren NT-Hardware-Anbieter gelöst werden". Dem ist entgegenzuhalten, daß die Hardwarehersteller solche Garantien nur unter genau definierten Voraussetzungen gewähren. Beispielsweise schreiben die Anbieter bestimmte Produkte und Konfigurationen vor, die die Kosten einer Installation deutlich erhöhen können (siehe CW 18/99, Seite 57). Analysten wie Mark Raphael von der Meta Group kritisieren zudem, den Herstellern gehe es mit solchen Uptime-Offerten ausschließlich darum, Kunden auf bestimmte Produkte festzulegen.

Als "eine der wesentlichen Schwächen von Windows NT" bezeichnen die Autoren das Skalierungsverhalten mit der Prozessorzahl. Sie belegen diese Aussage mit zahlreichen Testergebnissen. Die CW geht auf diesen Punkt sowie auf das Thema Hochverfügbarkeit und Clustering im zweiten Teil des Plattformvergleichs genauer ein.

Trotz der zahlreichen Argumente für NT-Server dominieren in der Praxis nach wie vor Unix-basierte Rechner mit RISC-Prozessoren (siehe Grafik Seite 25). In puncto Leistung liegt Sun Microsystems mit der "Enterprise 10000" an der Spitze. Hewlett-Packard (HP) ist der Company mit seiner "V-Klasse" auf den Fersen. Nachdem IBM mit der RS/6000-Linie eine Zeitlang nur eingeschränkt konkurrenzfähig war, hat der Konzern nach Einschätzung der Analysten mit der "S70" wieder ein ernstzunehmendes Produkt für das High-end-Segment im Portfolio.

Kritischer sehen die Autoren die Bemühungen von Compaq/Digital mit Rechnern unter dem Unix-Derivat Tru64. Der Konzern kämpfe mit Problemen, die jüngste SMP-Generation ("Wildfire") rechtzeitig auszuliefern. Damit sei nach dem Stand der Erhebung nicht vor dem vierten Quartal 1999 zu rechnen.

Für alle genannten Plattformen haben die Hersteller nach Einschätzung von Strategy Partners "eine glaubwürdige Zukunftsplanung" vorgelegt. Im Gegensatz zur Gartner Group erwarte man deshalb, "daß alle vier großen Unix-Versionen zumindest mittelfristig weiterentwickelt werden".

Siemens zählen die Analysten nicht mehr zu den wichtigsten Anbietern von Unix-SMP-Maschinen für R/3. Zwar hätten die Münchner mit den "RM600"-Servern derzeit noch ein "starkes Unix-Produkt". Weil der Hersteller aber mittelfristig keine Mips-CPUs mehr einsetzen wolle und auch Reliant Unix nicht mehr weiterentwickeln werde, sei diese Rechnerfamilie ein Auslaufmodell.

Hier ist anzumerken, daß Siemens durchaus eine längerfristige Perspektive für seine Unix-Rechner aufgezeigt hat (siehe CW 5/99, Seite 37). Demzufolge werden die Mips-Prozessoren ab dem Jahr 2002 durch Intels IA-64-Chips ersetzt und das eigene Unix Derivat Reliant Unix mit Suns Solaris-System verschmolzen. Inwieweit diese Pläne auch in dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu Siemens verfolgt werden, ist allerdings offen.

Bezüglich der Bedeutung von Unix-Plattformen weisen die Autoren der Studie darauf hin, daß in der Praxis auf einer Unix-Installation wesentlich mehr Benutzer arbeiten als in einer NT-Umgebung für R/3. Insofern sei der 50prozentige NT-Anteil bei Neuinstallationen der SAP-Software zu relativieren.

Aktuelle S/390-Großrechner bezeichnen die Auguren als "Spezialalternative" für R/3-Installationen. Derzeit sei lediglich die Datenbank für den Betrieb auf S/390-Servern freigegeben. Diese Beschränkung ist inzwischen weggefallen. Von der IBM-Benutzerorganisation Guide Share ist zu hören, daß eine komplette R/3-Installation auf Mainframes von Großanwendern gewünscht wird.

Ein gewichtiges Argument gegen die Big Irons sehen die Analysten in den hohen Kosten. Trotz fehlender Listenpreise von seiten der IBM bleibe dieser Vorbehalt gültig. Für einen Vergleich der gesamten Kosten fehlten zudem Messungen nach dem TPC-Verfahren, die IBM ansonsten für alle anderen Server-Plattformen aus eigenem Hause durchführe.

Eine interessante Alternative für Anwender, die Rechner mit Mainframe-Eigenschaften suchen, ist laut der Studie die AS/400. In puncto Rechenleistung habe die Midrange-Plattform dank einer technischen Überarbeitung Boden gutgemacht und mit S/390-Systemen der fünften Generation (G5) und den meisten Unix-Servern gleichgezogen. Für die AS/400 spreche ferner, daß Kunden alle wesentlichen R/3-Funktionen, also Datenbank und Server, in einer homogenen IT-Landschaft installieren könnten. "Kunden, die eine Mainframe-Plattform wollen, sollten die AS/400 wählen", so die Auguren.

In ihren Strategieempfehlungen für R/3-Projekte bezeichnen die Autoren "NT als Normalfall". Server mit Intel-Prozessoren unter dem Microsoft-Betriebssystem sind demnach "nicht am schnellsten, aber schnell genug". Weitere Leistungszuwächse könnten Unternehmen über eine logische und physikalische Verteilung des R/3-Systems auf mehrere Datenbank-Server erzielen. Reiche die Kapazität dennoch nicht aus, empfehlen die Analysten im Rahmen einer "Fallback-Strategie", NT-Server fallweise durch High-end-Unix-Maschinen zu ersetzen.

Großrechner kommen nach Auffassung der Autoren nur dann in Betracht, wenn "sich die Anforderungen an die Verfügbarkeit drastisch gegenüber dem NT-Standard erhöhen und gleichzeitig die Entwicklung der Verfügbarkeit bei NT-Plattformen oder Unix-Systemen gegenüber den heutigen Erwartungen zurückfällt".

Linux macht NT das Leben schwer

Die "Wild Card" im Spiel um die beste R/3-Plattform ist das Open-Source-Betriebssystem Linux, so die Analysten. Nicht Windows NT selbst, sondern die durch Massenproduktion billigen Standard-Server auf Intel-Basis seien der wahre Grund für die Kostenvorteile der Wintel-Maschinen. Linux aber könne die Intel-Hardware mindestens ebenso gut nutzen.

Zudem arbeite das Freeware-Betriebssystem stabiler als NT. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu allen anderen NT-Konkurrenten lasse sich Linux nicht nur auf Servern, sondern auch als Betriebssystem für SAP-GUI-Clients einsetzen.

"Linux auf Intel-Servern ist technisch und ökonomisch ein potentielles ,Dream Team''", resümieren die Autoren. Nach den Datenbankanbietern lieferten nun auch immer mehr ERP-Hersteller (ERP = Enterprise Resource Planning) ihre Produkte für das Unix-Derivat aus. Linux werde NT deshalb das Leben schwermachen.

*Die Analysten Henrik Klagges und Helmuth Gümbel von Strategy Partners haben die Studie "R/3-Plattformen: Windows NT und die Alternativen" im Auftrag eines großen deutschen R/3-Anwenders erstellt. Die Vermarktung organisiert die IT Research GmbH mit Sitz in Höhenkirchen bei München.