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06.10.1995

Nintendo-Generation muss noch warten

Von Heiner Poessnecker*

Die juengsten EMC-Analysen aus Hamburg verzeichnen fuer Banken und Versicherungen einen ermutigenden Anstieg der Offerten fuer DV- Spezialisten. Ein auffaellig grosser Anteil, fast ein Fuenftel der ausgeschriebenen Stellen, versammelt sich in der statistischen Rubrik "Andere und Sonstige".

Nicht, dass die Finanzdienstleister nicht wuessten, was sie wollten! Nein, es ist das Problem des Statistikers, der die Breite der Anforderungspalette und ihre in kurzer Zeit erfolgte Strukturaenderung nicht mehr augenfaellig darzustellen vermag. Die Banken und Versicherungen wissen sehr wohl, was sie wollen. Sie verstaerken ihre Zentralen, um von dort das dezentrale Geschaeft einheitlich zu steuern.

Die Hard- und Software, die seit den 70er und manchmal sogar seit den 60er Jahren treu, sprich stabil, wenngleich auch haeufig vigide, ihren Dienst verrichtet, hat es verdient, abgeloest zu werden.

Es geht nicht mehr darum, die bisher verwendeten Systeme zu optimieren und ihre Lebenszeit immer weiter zu verlaengern. Die Notwendigkeit, die ueberalterte und ueberholte Technik durch neue zu ersetzen, wird inzwischen nicht mehr diskutiert. Aber die abzuloesende Generation von Geraeten kann nur in den Ruhestand gehen, wenn sie durch neue ersetzt wird.

Die grossen zentralen und haeufig outgesourceten Dinos koennen keinen Support mehr leisten, wenn es sich beispielsweise darum dreht, Groupware zu implementieren. Hier ueberholt die Technologie die Praxis. Die Finanzdienstleister kommen nicht umhin, in Entwicklungs- und Supportaktivitaeten im eigenen Haus neu zu investieren. Groupware wird Kundennaehe und Durchlaufzeiten verbessern. Dabei hat der Kunde jedoch keinen direkten Kontakt zur Technik. Ganz anders verhaelt es sich mit Multimedia.

Fuer Finanzinstitute ist der direkte Kontakt ihrer Kunden mit der Technik schon lange Realitaet: Alle haben Automaten zur Geldauszahlung, viele verfuegen ueber Terminals zur Kontofuehrung einschliesslich Anlagemoeglichkeiten. Die ec-Karte ist Ausruestungsstandard des Kunden, die Kreditkarte beinahe. Den elektronischen Zahlungsverkehr via Btx/ Datex-J nutzen zwischenzeitlich viele - und moechten nie wieder zu den alten Systemen zurueck.

Die Banken wissen: Hat sich der Kunde erst einmal mit neuen Techniken angefreundet, will er nicht mehr darauf verzichten. Hat er aber neue Medien noch nicht kennengelernt, verharrt er lieber bei dem, womit er vertraut ist. Folgerichtig halten sich die Banker mit adaequaten informationstechnischen Produkten noch zurueck. Der allgemeine Tenor ist "Wir koennten, wenn wir wollten." Sie beeilen sich nachzuschieben: "Wenn unsere Kunden es wollten." Die Nintendo-Generation waere hocherfreut, ist aber noch nicht die attraktive Klientel. Vermutlich werden wir deshalb in unserer Bank auf Multimedia solange verzichten muessen, bis die Kids soweit sind.

* Heiner Poessnecker ist selbstaendiger Berater und Dozent in Hamburg.