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04.10.1996 - 

Computerindustrie in Fernost (Teil 2)

Nippons Comeback im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Im ersten Teil ging es um die Rolle Taiwans als neuem Mekka der weltweiten PC-Industrie. Das kleine Reich der Inselchinesen ist, wenn man so will, ein wachsender Technologiegigant, der im weltweiten Vergleich schon in Teilbereichen die Marktführerschaft besitzt - etwa bei tragbaren PCs, Mäusen, Tastaturen, Monitoren und Scannern. Das Produktionsvolumen im IT-Bereich beträgt rund 15 Milliarden Dollar, ein erstaunlich hoher Prozentsatz - immerhin reden wir hier von 15 Prozent der gesamten industriellen Fertigung Taiwans.

Und wir reden in diesem Zusammenhang zwangsläufig auch noch einmal über die Erfolgsgeschichte von Acer, dem mittlerweile weltweit viertgrößten Hersteller von Computern und Computer-Bauteilen (1995: 5,5 Millionen Einheiten in der PC-Produktion, die Hälfte davon allerdings OEM-Aufträge). Die Acer-Gruppe kam 1995 auf einen Umsatz von 5,8 Milliarden Dollar und ist heute in schnell wachsenden PC-Märkten wie Rußland oder Mexiko bereits ein dominanter Player. Nicht ganz so schnell voran geht die Erfolgsstory allerdings in den klassischen Industrieländern, wo sich die Inselchinesen mit den Großen der PC-Branche einen harten Kampf um Marktanteile liefern.

Was ist nun aber mit dem großen alten "Gegner" der US- amerikanischen und europäischen PC-Industrie, den Japanern? Angebot und Nachfrage auf dem japanischen Chipmarkt regeln sich, wie man seit der jüngsten Halbleiter-Übereinkunft zwischen den USA und Japan weiß, neuerdings ohne Quoten. Trotzdem sind die Ausländer im Reich Nippons auffallend präsent. Was nicht von ungefähr kommt, denn daß der ausländische Anteil am japanischen Halbleitermarkt heute mehr als 30 Prozent ausmacht (siehe Abbildung), basiert nicht zuletzt auf eben diesem nicht mehr verlängerten Abkommen, das damit seinen Zweck längst verloren hatte. Die US-amerikanische und die japanische Halbleiterindustrie sind heute in vielen Bereichen derart miteinander verquickt, daß eine Aufrechterhaltung von Quotenregelungen absurd gewesen wäre.

Der Waffenstillstand oder, wenn man so will, die Harmonie auf dem Chipsektor ermutigt die japanischen PC-Hersteller nun aber erneut zum Versuch, auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Dieses Unterfangen ist indes weniger als Offensive, sondern mehr als Flucht nach vorne zu verstehen. Der gegenwärtig zu registrierende Boom der US- Softwarebranche und die Stärke von Amerikas PC-Industrie bereitet den Japanern existentielle Sorgen. Nippons Giganten befürchten, ihre "Triebwagenfunktion" im PC-Zug endgültig an die USA zu verlieren.

Eine Dekade nach dem (größtenteils mißlungenen) ersten japanischen Versuch, in den USA einen "PC-Brückenkopf" zu erobern, laufen also, um noch einmal den militärischen Jargon zu strapazieren, die Vorbereitungen für eine zweite Invasion auf vollen Touren. Nicht nur Computerunternehmen wie Fujitsu, sondern auch Giganten der Unterhaltungselektronik wie Sony streben in den US-PC-Markt. Offensichtlich sind mehr als ein halbes Dutzend japanische Großkonzerne zu der Erkenntnis gelangt, daß der PC-Markt in den Vereinigten Staaten der alleinige Schlüssel für ihr langfristiges Überleben im kommenden Multimedia-Zeitalter ist.

Trotz oder gerade aufgrund seiner führenden Position im Notebook- Segment wird beispielsweise Toshiba künftig in den USA mit einer vollständigen Modellpalette von Desktop-Rechnern auf den Markt kommen. Compaq, IBM, Dell, Apple, AST etc. werden es zusätzlich zu Toshibas neuen Modellen mit einer ganzen Springflut neuer japanischer PC-Anbieter zu tun bekommen. NEC hingegen wählte eine teure, dafür aber schnellere Lösung - das Unternehmen kaufte sich bei Packard Bell ein. Dazu aber im dritten Teil unserer Betrachtungen mehr.

US-Anbietern, die bereits in Schwierigkeiten stecken (siehe Apple oder AST), weht durch die verstärkte japanische Präsenz in jedem Fall ein rauherer Wind um die Nase. Die besondere Angst der Amerikaner ist, daß die spendierfreudigen japanischen Unternehmen mit tiefen Taschen geneigt sein werden, einen längeren Preiskrieg anzuzetteln, um auf diese Weise Marktanteile zu gewinnen - selbst wenn sie dabei zunächst hohe Verluste in Kauf nehmen müßten. Andererseits wäre in einem solchen Falle aber zweifellos eine Reaktion der US-Regierung zu erwarten.

Unabhängig davon muß beim zweiten wesentlichen japanischen Engagement in den USA jedoch die Frage erlaubt sein, warum denn vor zehn Jahren die japanische PC-Vermarktung in den USA so erfolglos war. "NEC und Matsushita haben ihre PCs in Japan hergestellt, reagierten aber nicht schnell genug auf die Signale des Marktes. Die Technologie wurde nicht rasch genug erneuert. Auch die Preise waren zu hoch", lautet die stichwortartige Analyse der damaligen Situation von John Meany, für den Computerbereich zuständiget Manager von Panasonic (Matsushita).

Heute fürchten die Japaner vor allem eines: Daß der PC mittelfristig immer mehr Unterhaltungselektronik-Funktionen an sich ziehen wird - die japanischen Firmen wären dann gezwungen, nur noch elektronische Komponenten herzustellen. Was in der Tat mehr als fatal wäre, denn die verbreitete horizontale Integration der Japaner ist auch ihre Stärke. Im Gegensatz zu den meisten US- Firmen können sie RAMs und teilweise Mikroprozessoren selbst herstellen. Genau aus diesem Grund fürchten manche US-Beobachter Schlimmes für die eigene PC-Industrie. Zu ihnen gehört der Marktanalytiker David Goldstein: "Die Japaner könnten eventuell abermals die Konkurrenz vernichten - ein Faktum, das in den 60er und 70er Jahren schon die US-Fernsehindustrie erleben mußte. Die japanische Strategie besteht darin, zunächst einen Preiskrieg in Gang zu setzen, um dann letztlich das leergeräumte Feld selbst zu besetzen."

Japaner werden sich selbst Konkurrenz machen

Nicht alle Kenner der Szene sehen indes die Japaner im PC-Bereich so stark. "Wir nehmen die japanische Herausforderung ernsthaft an. Aber ich glaube nicht, daß wir zittern und uns fürchten sollten", meint etwa Compaqs Vice-President Robert Stearns. Tatsächlich wird es allem Anschein nach ja auch nicht um ein klare Frontlinie, also Japaner gegen Amerikaner, gehen. Auch die Japaner werden sich untereinander bekämpfen, teilweise werden sie auch nicht in denselben Bereichen tätig sein. Während Toshiba bei Desktop-PCs einsteigt, werden Fujitsu und Hitachi die Toshiba-Bastion Notebook-PCs angreifen. Matsushita will nur das High-end-Segment der Business-PCs bedienen. Und Sony plant, einen Zwitter zu entwickeln, der halb PC und halb Multimedia- beziehungsweise TV- Konsole sein wird.

Aber auch andere Marktrealitäten lassen den Vergleich mit dem Schicksal der US-Fernsehindustrie etwas hinken. Waren doch seinerzeit die japanischen Unternehmen gleichzeitig auch die Technologieführer - bei Bildschirmen, Videorekordern, Kameras etc. (wird fortgesetzt)

*Ivan Botskor ist freier Journalist in Ulm und Herausgeber des Newsletters "Japaninfo".