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11.10.1996 - 

Computerindustrie in Fernost (Teil 3 und Schluß)

Nippons Comeback im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Kommen sie, oder kommen sie nicht, und wenn ja, mit welchem Erfolg? Gemeint sind die japanischen PC-Hersteller, die sich allem Anschein nach für eine zweite 'Invasion- des US-Marktes rfsten. Im zweiten Teil des vorliegenden Beitrags war von dieser in den Vereinigten Staaten durchaus als real empfundenen Gefahr für die dortige PC-Branche die Rede - gleichzeitig aber auch davon, daß solche Befürchtungen bei genauerem Hinsehen doch etwas übertrieben erscheinen. Erst recht der gelegentlich anzutreffende Vergleich mit dem Schicksal der US-Fernsehindustrie, die in den 60er und 70er Jahren den japanischen Unterhaltungselektronik-Giganten nach erbitterten Preiskämpfen das Terrain überlassen mußte und heute längst vom Erdboden verschwunden ist. Doch die Marktrealitäten lassen keine Analogie der Schicksale zu. Damals waren die Japaner - was allzu schnell vergessen wird - in wesentlichen Bereichen Technologieführer, etwa bei Bildschirmen, Videorekordern, Kameras etc. Darüber hinaus verffgten sie über ein hervorragendes Fertigungs-Know-how. Im weltweiten PC-Markt hingegen ist momentan (technologisch) alles im Fluß, die Entwicklungszyklen werden bekanntlich immer kürzer. Und wer wollte bestreiten, daß im Prinzip mit Microsoft und Intel zwei US-Firmen dem Markt (noch) sagen, wo es lang geht? Die Japaner indes müssen viel Zeit und Geld investieren, um in den USA überhaupt erst wieder ein geeignetes Vertriebsnetz aufzubauen. Dies allein dfrfte schwierig genug sein, weil ihr Rückzug vor zehn Jahren noch nicht vergessen ist.

überdies haben Nippons Konzerne längst erkannt, daß man etwaige US-Töchter mit mehr Unabhängigkeit als gemäß der japanischen 'Philosophie- üblich ausstatten sollte. Ist es doch gerade bei den US-Dependancen wenig ratsam, selbige als 'passive Verkaufskanäle- zu betrachten - jedenfalls dann, wenn entsprechende Wettbewerbsfähigkeit, Reaktion auf Erfordernisse des Marktes und damit eigenverantwortliches Handeln angesagt sind.

Hitachi und Fujitsu haben beispielsweise ihre 'PC-Zentralen- in den USA im kalifornischen Silicon Valley angesiedelt. Diese stellen zwar im Prinzip nichts anderes als reine Vertriebs- und Marketing-Niederlassungen dar, tragen jedoch die volle Verantwortung für das Geschèft vor Ort. Vielfach sind dort amerikanische Manager beschäftigt, die man vorher mit Hilfe von Headhuntern bei Konkurrenten wie Dell oder Apple abgeworben hat. Will man die gegenwärtige Situation durchleuchten, muß man aber auch berücksichtigen, daß der erneute Drang der Japaner auf den US-PC-Markt nicht zuletzt das Ergebnis des sogenannten 'Compaq- Schocks- aus dem Jahre 1992 ist. Der PC-Weltmarktführer trat seinerzeit quasi über Nacht im damals sehr gemütlichen und im internationalen Vergleich überteuerten japanischen PC-Markt mit Preisen auf, die nur der Hälfte dessen entsprachen, was für Rechner japanischer Hersteller verlangt wurde. Weitere US- Companies wie Dell und Apple folgten alsbald mit der gleichen Strategie. Die, wenn man so will, Stärke der US-PC-Industrie führte somit zu einem verspäteten Aufwachen der Japaner, als diese schmerzhaft erfahren mußten, daß man die digitale Revolution in den Vereinigten Staaten regelrecht verschlafen hatte. Heute kontrollieren die Amerikaner immerhin knapp 30 Prozent des japanischen PC-Marktes ein weitaus höherer Anteil als jene sieben Prozent, die man sich im Reich Nippons als mittelfristiges Ziel für die USA gesetzt hatte.

Dabei wollen die japanischen PC-Anbieter zwar ihr Equipment in den USA an den Mann bringen, die Geräte oder deren einzelne Bauelemente aber nicht in Japan herstellen - wenn überhaupt. Ein Fujitsu- oder NEC-Notebook wird vielleicht aus koreanischen oder taiwanischen Speicherkomponenten bestehen und über eine in den USA gefertigte Festplatte sowie eine Stromversorgungseinheit aus Thailand verfügen - ein sorgfältig komponierter Mix aus Komponenten also, die allesamt entweder preisgünstiger oder von besserer Qualität sind als diejenigen mit dem Label Made in Japan.

Einige der japanischen Konzerne entwickeln, wie es scheint, ihre (nicht nur auf die USA gemünzte) PC-Strategie unter zum Teil noch völlig anderen Gesichtspunkten. Die ehrgeizigsten Planspiele betreibt man derzeit wohl bei Sony: Dort soll der PC die Funktionen eines Computers mit denen eines Fernsehers kombinieren, zugleich aber auch noch andere Geräte im Haushalt kontrollieren können. Dies allerdings ist noch Zukunftsmusik. Momentan werden die ersten Sony-PCs noch von Intel entwickelt und sollen zunächst nur Standardfunktionen beinhalten.

Sonys Interesse am breiten US-Consumer-Markt wird indes von 'Erzgegner Matsushita nicht geteilt. Der japanische Elektronikgigant hat aus den bitteren Erfahrungen des ersten USA- Abenteuers vor zehn Jahren die Konsequenzen gezogen und ist heute auf teurere und leistungsfähigere Notebooks für Business- Anwendungen fokussiert. Dabei achtet man auch auf ein entsprechendes Markenbewußtsein. Generell gilt: Im Gegensatz zu ihrem ersten Versuch, im US-PC-Markt Fuß zu fassen, strengen sich die Japaner dieses Mal weitaus mehr an. Denn gelingt es abermals nicht, die USA zu 'erobern- und damit eine gewisse Position im Weltmarkt zu behaupten, droht - darin sind sich die meisten Experten einig - bestenfalls die Rolle eines Bauteile-Lieferanten, und selbst hier wäre, wie schon erwähnt, der Wettbewerb mehr als hart.

Ein Unternehmen scherte allerdings aus der japanischen Phalanx aus und wèhlte die teurere, dafür aber (zunächst) schnellere Lösung: NEC kaufte sich bei der US-Company Packard Bell ein. Seit Anfang Juli heißt der weltweit größte PC-Hersteller Packard Bell-NEC. Mit einem Umsatz von etwa acht Milliarden Dollar wird der neue PC- Gigant auf dem weltweit größten Einzelmarkt, nämlich den USA, mit 15,1 Prozent auch den größten Marktanteil besitzen. Compaq, bislang mit 12,2 Prozent Anteil die Nummer eins in den USA, muß sich bis auf weiteres mit Rang zwei begnügen. Im globalen Maßstab betrachtet, bilden die für das Auslandsgeschäft zuständigen NEC- Divisons und Packard Bell ein Unternehmen, das etwa 11,4 Prozent des Weltmarkts kontrolliert.

Soviel zu den Zahlen. Doch wie sind nun die genauen Machtverhältnisse in dieser neuen Ehe? NEC hat, darauf scheint vieles hinzudeuten, mit Sicherheit weit mehr als jene 20 Prozent der Packard-Bell-Aktien erworben, die man nach offizieller Lesart besitzt. Packard Bell wird nicht an der Börse gehandelt und muß seine (Aktien-)Besitzverhältnisse daher nicht veröffentlichen. Insider schètzen allerdings, daß NEC bis heute 453 Millionen Dollar direkt an die Amerikaner gezahlt hat und weitere 300 Millionen Dollar an Barmitteln von seinem US-Firmensitz in Boxborough, Massachusetts, in die Packard-Bell-Zentrale nach Sacramento, Kalifornien, 'bilanzieren- wird. Damit verbunden ist ein, wie es die Spatzen längst von den Dächern pfeifen, groß angelegtes Revironment. Angeblich sollen derzeit bis zu 1000 Ingenieure sowie technische Mitarbeiter von der Ost- an die Westküste umziehen. Zudem wurden und werden eine Vielzahl japanischer Manager in der Packard-Bell-Zentrale installiert - eindeutige Anzeichen dafür, daß NEC schon jetzt oder aber in Kürze die Mehrheit der Packard-Bell-Aktien kontrolliert.

Allerdings bedeutet die bloße Addition der Anteile im PC-Markt von NEC und Packard Bell noch keine erfolgreiche Fusion zweier Management- und Produktkulturen. Packard Bell hat nach eigenem Bekunden noch im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben, zudem wurde den Amerikanern vielerorts die schlechte Qualitèt ihrer Rechner vorgeworfen. Die Japaner mit ihren geradezu fanatischen hohen Qualitätsansprüchen müssen daher zuerst die Kontrolle über den Einkauf sowie die Produktion bei Packard Bell gewinnen und versuchen, diese Bereiche auf ihren Standard zu heben, was sicherlich einiges an Zeit in Anspruch nehmen dürfte. überdies konnte die Fusion NECs mühsam erarbeitetem Anteil von 2,2 Prozent am US-PC-Markt schaden - einem Markt, wo die Rechner des Unternehmens vor allem bei der Business-Klientel einen guten Ruf genießen. Auch auf Management-Ebene ist nicht von vornherein eine Harmonie zwischen den japanisch-konservativen NEC-Strukturen und dem dynamischen Entrepreneur-Geist, der in aller Regel in den US- Unternehmen vorherrscht, zu erwarten. Ein besonderes Fragezeichen steht in diesem Zusammenhang ferner hinter der Zukunft von Beny Alagem, dem Gründer von Packard Bell. Dieser ist zwar bis auf weiteres Chef aller gemeinsamen Unternehmensbereiche, doch eine ihn betreffende Aussage von NEC-Präsident Hisashi Kaneko läßt zumindest Spielraum für Interpretationen. Kaneko wörtlich: 'Wir respektieren die Führungsqualitäten von Beny Alagem er hat das Wachstum von Packard Bell eingeleitet beziehungsweise überhaupt erst möglich gemacht. Aber das PC-Geschäft verändert sich sehr schnell, und aus diesem Grund benötigt er organisatorische Unterstützung. NEC wird ihm diese Unterstützung geben.- Ihre mehr als stolzen Ziele haben die Japaner der PC-Welt jedenfalls bereits kundgetan: Schon 1998 will das Unternehmen weltweit mehr als zehn Millionen PCs ausliefern.

Acer-Firmenchef Stan Shih greift Europäer an

Erinnern Sie sich noch an Teil 1 und 2 unserer Betrachtungen zur Computerindustrie in Fernost? Dort war unter anderem von Acer die Rede. Acer Computer hat, wie es nun bei dem taiwanischen Unternehmen offiziell heißt, in Europa das Klassenziel nicht erreicht und die Umsätze nicht wie geplant um 100, sondern "nur" um 50 Prozent steigern können.

Acer-Chef Stan Shih erwartet, daß der Marktanteil seiner Firma in diesem Jahr in Europa bei zwei Prozent liegen wird. 1995 konnte sich der taiwanische Hersteller 1,6 Prozent des PC-Kuchens einverleiben. Im Gegensatz zum Vorjahr, das man erfolgsneutral abschloß, rechnet Shih für 1996 mit leichten Verlusten.

Dennoch gibt der Firmenchef sein Ziel, unter die Top ten auch in Europa zu kommen, nicht auf. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, soll das in den kommenden zwei Jahren gelingen - zumindest in europäischen Schlüsselmärkten. Weltweit belegt Acer derzeit Rang sieben der PC-Hitliste.

Das 50prozentige Wachstum in diesem Jahr sei vor dem Hintergrund des schwachen PC-Marktes zu sehen, dem Escom zum Opfer fiel und in dem Hersteller wie Peacock oder Olivetti rote Zahlen schreiben, erklärte Shih. Acer hege aber keine Absichten, einen der Rivalen zu übernehmen, das sei gegen die Firmenphilosophie.

Shih bevorzuge vielmehr Joint-ventures mit einheimischen PC- Fabrikanten, was sich allerdings nicht leicht verwirklichen lasse. Seiner Meinung nach bestehen bei den Europäern noch immer Vorbehalte gegenüber Unternehmen aus Taiwan. Hinzu komme, daß die nationalen Regierungen gar nicht an einem für den freien Wettbewerb günstigen Klima interressiert seien und lieber ihre schwachen Unternehmen vor Konkurrenz schützten.

In Deutschland, wo die Insel-Chinesen seit 1986 vertreten sind, erreichte Acer im ersten Halbjahr 1996 einen Marktanteil von 2,8 Prozent.

Going USA?

Nach der Beschreibung Taiwans als einem der künftig wohl dominanten Player im weltweiten PC-Business im ersten Teil beschäftigte sich Fernost-Experte Ivan Botskor im zweiten Teil seiner Betrachtungen mit dem Bestreben japanischer Elektronikkonzerne, erneut im US-PC-Markt Fuß zu fassen. Der dritte und letzte Teil der CW-Serie "Computerindustrie in Fernost" handelt von der Frage, warum das Abenteuer USA für die Japaner im Prinzip die letzte Chance ist, im PC-Geschäft überhaupt noch am Ball zu bleiben. Und es geht um den etwas anderen Weg von NEC, einem Unternehmen also, das sich beim US-Wettbewerber Packard Bell "einfach" eingekauft hat.

*Ivan Botskor ist freier Journalist in Ulm und Herausgeber des Newsletters "Japaninfo".