Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.12.2000 - 

Geplatztes IPO: Ilas Integrated Logistics Application Software AG

Nischenanbieter wollte vom E-Logistics-Boom profitieren

FRANKFURT/M. - Die Perspektive des vermeintlichen Zukunftsmarktes E-Logistics hat nichts geholfen: Das mehr als schlechte Börsenklima zwang nun auch die Ilas Integrated Logistics Application Software AG, ihren für Montag dieser Woche geplanten Börsengang abzusagen. Der Anbieter von integrierten Logistiklösungen wollte mit Hilfe des Going Publics nicht nur seinen Firmenwert "versilbern", sondern auch beim Wachstum einen Gang höher schalten. Jetzt übt sich das Stuttgarter Unternehmen im Einvernehmen mit seinen Konsortialbanken in Durchhalteparolen. Von Andrea Goder*

Wie schwierig es gegenwärtig ist, Firmen am Kapitalmarkt zu platzieren, wird am Beispiel der Ilas AG deutlich. Obwohl das Unternehmen mit 705 000 auszugebenden Aktien ein verhältnismäßig kleines IPO bedeutet hätte, gelang es dem Börsenaspiranten schon im ersten Anlauf nicht, genug Käufer für den neuen Titel zu finden, worauf die Schwaben kurzerhand die Zeichnungsfrist um eine Woche verlängerten. Turbulente Zeiten gab es allerdings auch in der Vergangenheit des Unternehmens, wie ein Blick auf die Firmenhistorie zeigt.

Lange Vorgeschichte im Daimler-Chrysler-KonzernIlas ist, wie Vorstandssprecher Werner Riedel auf der ursprünglichen Emissionspressekonferenz in Frankfurt am Main ausführte, kein Startup, sondern die Anfänge reichen in das Jahr 1991 zurück, als das Unternehmen innerhalb des Daimler-Konzerns zunächst als Debis Systemhaus Transport und Logistik Standardsoftware GmbH an den Start ging. Federführend unter dem heutigen Firmenchef Riedel wurde der Stuttgarter Automobilspross 1997 als Triple P Transport & Logistic Systems GmbH ausgegliedert. Die Selbständigkeit währte allerdings nicht lange, denn nur wenige Monate später verleibte sich die Baan Deutschland GmbH die vormalige Daimler-Tochter ein. Doch auch diese Unternehmensphase geriet nur zum kurzen Intermezzo. 1999 kam es schließlich zu einem Management-Buyout, aus dem die heutige Ilas AG hervorging.

In den Jahren seit der Gründung hat das heute rund 70 Mitarbeiter zählende Unternehmen mit dem Aufbau von Expertise für komplexe logistische Prozesse einen Nischenplatz bezogen. So bieten die Stuttgarter Softwarelösungen für Speditionen und Logistik-Dienstleister ("Road Liner"), für das Lager-Management ("Store Liner"), für Just-in-Time-Prozesse ("Jit Liner") oder für die Beschaffungslogistik in der Automobilbranche ("Automotive Liner") an. Dass logistische Prozesse schon in naher Zukunft immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden, steht für die Ilas-Verantwortlichen außer Frage. Als Härtetest dürfte dabei für die einzelnen Anbieter jedoch der Bereich Automotive gelten, wie Riedel in Frankfurt an einem einfachen Beispiel erläuterte. Müssen Autofahrer heute noch bis zu 40 Tage auf ihren Traumwagen warten, verkürzt sich diese Zeitspanne für den zukünftigen Online-Kunden durch verbesserte logistische Abläufe auf zehn Tage. Ob Fahrzeugtyp, Farbe, Stoffe oder Extras - per Mausklick kann sich der Autobesitzer von morgen individuell seinen fahrbaren Untersatz zusammenstellen. Die entsprechende Software hierfür, die beispielsweise bei der Mercedes-"S"-Klasse zwischen 1000 verschiedenen Dachhimmel-Varianten unterscheiden kann, wird von Ilas derzeit konzipiert.

Neben der Softwareentwicklung sehen sich die Schwaben bereits heute als Komplettanbieter logistischer Management-Prozesse, die von der Analyse, Planung und Konzeption über die Implementierung bis hin zur Schulung von Mitarbeitern das gesamte Leistungsspektrum abdecken. Entsprechend gliedern sich die Ilas-Geschäftsbereiche in die Sparten Systeme, Services und Consulting. Insgesamt kann der verhinderte Börsenneuling heute 350 Installationen vorweisen, 40 Prozent der Kunden stammen aus der Automobilindustrie, 40 Prozent sind Logistikdienstleister.

Vom Boom im E-Logistics-Markt konnte das Unternehmen allerdings noch nicht so recht profitieren, dem Wachstum fehlte es bislang an Pferdestärken. Mehr als ein Schönheitsfehler ist es außerdem, dass sich ausgerechnet im Jahr der geplanten Börseneinführung ein Knick im Umsatzwachstum abzeichnet. Ilas erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von 11,4 Millionen Mark und damit acht Prozent weniger als noch 1999. "Diese kleine Delle wird einmalig bleiben", versicherte Riedel vor Journalisten. Nicht unbedingt überzeugen mag allerdings die Erklärung des Ilas-Chefs, dass die Einnahmen im letzten Jahr aufgrund von Sondereffekten des Y2K-Problems überproportional zulegten (siehe Abbildung). Wenig Dynamik ließ bis heute zudem die Gewinnentwicklung erkennen. Ilas schrieb 1998 noch 2,4 Millionen Mark Verlust und wies im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss von lediglich 166000 Mark aus.

Jetzt muss man vermutlich ohnehin - nachdem es mit dem Börsengang bis auf weiteres nichts wird - kleinere Brötchen backen. Ohnehin hätte der Emissionserlös aufgrund besagter geringer Tranche und einer Bookbuilding-Spanne zwischen 15,5 und 18 Euro den Stuttgartern zum Beispiel auch keine teure Expansionstour ins Ausland erlaubt. Strategie der Ex-Daimler-Tochter, die bislang noch vorwiegend nationales Terrain beackert, ist es daher, ihre Kunden, darunter der Stuttgarter Automobilkonzern, Opel und Peugeot, ins europäische Ausland zu begleiten. Kleine Akquisitionen, wie die kurz vor dem geplanten IPO zugekaufte Consulting-Firma Ipro GmbH, schloss der 50-jährige Firmenchef indes in Frankfurt auch für die Zukunft nicht aus.

Mit den unzähligen Kontraktlogistikern wollen die Stuttgarter allerdings nicht verwechselt werden. "Wir sind keine Horse- und Pony-Show", betonte Riedel. Vielmehr beginne das Geschäft von Ilas da, wo die Leistungen der ERP-Anbieter aufhören. Und hier begegnen die Schwaben im alltäglichen Business Anbietern wie der französischen Atos, der Schweizer Swisslog oder den Neuen-Markt-Playern D.Logistics und PSI - Unternehmen, die sich bereits eine starke Position aufgebaut haben.

Im Vergleich zu diesen Anbietern wird Ilas bis auf weiteres - 24 Millionen Mark Umsatz sind für das Jahr 2002 angepeilt - in der Liga der kleinen Player spielen. Erste nennenswerte Gewinne stellt Riedel ab 2001 in Aussicht. Allerdings setzt der Business-Plan voraus, dass es dem E-Logistik-Spezialisten gelingt, auch für andere Branchen marktfähige Produkte zu entwickeln. Die Stuttgarter machen auch angesichts des sich bereits abzeichnenden Margendrucks und der bevorstehenden Konsolidierung im Logistik-Markt kein Geheimnis daraus, die kritische Größe noch nicht erreicht zu haben. Auch eine Fusion wollte der Vorstand auf der ursprünglichen IPO-Pressekonferenz deshalb nicht ausschließen.

Akquisitionswährung wird bis auf weiteres fehlenDoch die nötige Akquisitionswährung steht - damit schließt sich der Kreis - vorerst nicht zur Verfügung. Man habe den Börsengang im Einvernehmen mit den Konsortialbanken auf das kommende Jahr verschoben, teilte das Unternehmen Anfang dieser Woche mit. "Die in den letzten Tagen nochmals verschlechterte Marktverfassung führte sowohl bei den institutionellen Anlegern als auch zunehmend bei den Privatinvestoren zu äußerster Kaufzurückhaltung. Dagegen ist auch ein Unternehmen mit einer überzeugenden Equity-Story wie Ilas sie bietet, machtlos", kommentierte die konsortialführende Bank K/L/M Equity AG den Rückzug vom IPO. Auch Ilas-Chef Riedel machte auf Optimismus. Die Hälfte der für 2001 geplanten Einnahmen seien bereits gesichert. Mehr denn je sei man deshalb davon überzeugt, dass "uns in einem gesunden Marktumfeld kurzfristig ein erfolgreicher Börsenstart gelingen wird". Na denn, auf ein Neues!

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.

Abb: Geplatzte Träume? Ohne den Rückenwind eines Börsengangs könnte der Ilas-Business-Plan unter Umständen Makulatur sein. Quelle: Ilas