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26.07.1991 - 

Ein schwarzes Schaf unter den User-Groups

Nixdorf-Anwendergruppe INA verkommt zur Vertriebsfirma

CW-Bericht, Hermann Gfaller

MÜNCHEN - Gerade erst als e.V. registriert, ist der Interessenverein der Nixdorf Anwender (INA) bereits in Verruf gekommen. Der Vorwurf: Die Anwendervereinigung verfolge reine Produktinteressen.

Die INA hat sich die Interessenvertretung von Nixdorfs 8870-Kunden auf die Fahnen geschrieben. Rund 5000 Besitzer des zukunftslosen Nixdorf-Rechners ließen sich beim INA-Initiator Max Pfefferle registrieren. Inzwischen ist Pfefferle der eifrigste Kritiker seiner Schöpfung: "Die Vereinigung ist zu einer Vertriebsgesellschaft für Portierungssoftware verkommen."

Der Vorwurf scheint nicht aus der Luft gegriffen zu sein, denn die Eintragung im Registergericht München führt nicht einen einzigen Anwender als Vorstandsmitglied auf - dafür ausnahmslos Unternehmensberater, die größtenteils im Umfeld der früheren Nixdorf-Produkte tätig sind. Einer von ihnen, Samir A. Memar, vermarktet zudem unter der Bezeichnung "Unibasic" eine Migrationssoftware für 8870-Anwender. Von Mitgliedern aus den Reihen der Anwender ist derzeit nichts bekannt.

Heinz Kuhnert, SNI-Abteilungsleiter Anwendervereinigungen, zu den Gründungsmitgliedern der neuen INA: "Den einen oder anderen Unternehmensberater in einer Anwendervereinigung zu haben ist durchaus üblich, allerdings sollten deutlich mehr als 90 Prozent der Mitglieder Anwender sein." Helmut Schramke, Vorstandsvorsitzender der INA, kann dagegen keinen Interessenkonflikt erkennen: "Wenn bei uns mehrere Unternehmensberater und Softwarehäuser Mitglied sind, dann dient deren Know-how den Anwendern."

Außerdem sei es den Unternehmensberatern aus dem Nixdorf-Umfeld nicht zu verdenken, daß sie INA-Mitglied werden wollten; man solle in einem solchen Fall nicht gleich kommerzielle Interessen unterstellen.

Das sieht Rüdiger Brand, Vorsitzender des Anwenderkreises der Nixorf-Anwender (EAK), anders: "Es ist unmöglich mit den Interessen von Anwendern vereinbar, daß diese Vereinigung einen Vorstand hat, der ausschließlich aus Unternehmensberatern besteht." Besonders ärgerlich ist für ihn, daß eine Organisation wie die INA dem Ansehen aller Anwendervereinigungen und damit auch dem EAK schade.

Ähnlich reagiert Nibeg-Vorsitzender Hans Peter Nickenig, der sich im Rahmen seiner Organisation für die Interessen der 8890-Anwender von Nixdorf einsetzt: "lch empfinde es als Zumutung, daß unter dem Titel einer Anwendervereinigung reine Produktinteressen vertreten werden." Ihn wundere es, daß eine solche Vereinigung als Interessensverband der Nixdorf- Anwender firmieren darf.

Registrierung klappte erst im zweiten Anlauf

Mit dieser Aussage spielt Nickenig auf den für Außenstehende höchst unklaren Prozeß der Registrierung der INA beim Münchner Amtsgericht an, die erst im zweiten Anlauf gelang. Beide Anträge wurden von dem Münchner Rechtsanwalt Dr. Thomas Graefe formuliert, der zu den treibenen Kräften bei der INA-Gründung zählte.

Nach Aussagen von Pfefferle war es höchst verwunderlich, daß ein versierter Rechtsanwalt wie Graefe an den Formalien eines Antrages auf Vereinszulassung scheitert. Er hatte die INA in der ersten Satzung fälschlicherweise als Verband statt als Verein berzeichnet. Verbände dürfen sich allerdings - vereinfacht formuliert - nur Dachorganisationen von Vereinen nennen.

Zum Zeitpunkt des ersten Antrags war das Verhältnis zwischen Pfefferle und den anderen INA Gründern bereits wegen, so Pfefferle, "interner Querelen um den Vertrieb von Portierungssoftware" zerrüttet. Im zweiten Anlauf ist es Graefe allerdings gelungen, seinen Antrag durchzubringen - diesmal aber ohne Mitwirkung des ursprünglichen INA-Initiators.

Die Vermutung, Pfefferle versuche mit dieser Darstellung einen Rachefeldzug gegen die INA zu führen, weil diese, wie er es ausdrückt, ,"hinter seinem Rücken" gegründet worden sei, läuft ins Leere. Willi Lohmann, designiertes Vorstandsmitglied der ursprünglichen INA, stützt die Darstellung Pfefferles.

Lohmann habe bei den Gesprächen über die Gründung der ursprünglichen INA gestört, daß eine Reihe der anderen Vorstände versuchte, auf dem Rücken der 8870-Anwender "ihr eigenes Süppchen zu kochen". Als dann auch noch die von Rechtsanwalt Graefe entworfene Satzung aus formalen Gründen abgelehnt wurde, habe er die Vereinigung verlassen. Zu sehr verdichteten sich die Anzeichen, die INA verkomme zu einem Marketing-Unternehmen. Auch SNI-Abteilungsleiter Heinz Kuhnert nimmt Pfefferle in Schutz. Obwohl der INA-Initiator durchaus mit unbequemen Vorwürfen gegen die Rechtsnachfolger von Nixdorf angetreten war, schien sich das Verhältnis zwischen der "ursprünglichen" INA und Siemens-Nixdorf zum Zeitpunkt der Ablehnung des Vereinsantrags zu entspannen. Kuhnert: "Nach einigen Anfangsschwierigkeiten hatten wir begonnen, mit Pfefferle auch eine Zusammenarbeit auf einer durchaus sachlichen Basis aufzubauen." Mit der neuen INA hat er noch keinen Kontakt.

Perspektiven

für Nixdorf-User

Erfahrungen, Lösungen und Perspektiven nach dem Entstehen der Siemens Nixdorf Informationssyteme AG geben Anwender von Nixdorf-Systemen auf dem 1. unabhängigen Nixdorf-Anwender-Kongreß am 24. und 25. September 1991 in München weiter. Veranstalter ist die

IDG Comunications Verlag AG, CSE Conferences, Seminars, Education, Rheinstraße 28, 8000 München 40, Telefon 089/360 86 169.