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29.08.1980 - 

ADR will DatacomDB von Nixdorfs Edos-Vertrieb abkoppeln

Nixdorf: DB-Streit berührt C.I.S. nicht

MÜNCHEN- Obwohl die amerikanische Nixdorf-Tochter NCSC gegen die Applied Data Research (ADR) lnc. ein Gerichtsverfahren eingeleitet hat, um ihre Vertriebsrechte an der IBM-kompatiblen ADR-Datenbank "Datacom/DB" feststellen zu lassen, wiegelt die Paderborner Muttergesellschaft ab: "Für die angekündigten Nixdorf-Aktivitäten auf dem Sektor der kompatiblen Informationssysteme (C.I.S.) hat dieser Rechtsstreit keinerlei Bedeutung, da auf dem C.I.S.-System ein anderes Datenbanksystem zum Einsatz kommen wird."

Die Gegenklage, die ADR inzwischen beim Bezirksgericht von Richmond (Virginia) eingereicht hat, hat zum Ziel, der Nixdorf Computer Software Co. (NCSC) das Recht abzusprechen, Datenbank-Softwareprodukte der ADR-Datacom-Linie zu vertreiben. Welche Absichten ADR mit dieser Aktion verbindet, drückt Wolfgang Mudter, Stuttgart, ADR-Vertriebsleiter für die Datacom-Produktreihe, so aus: "Einschränkungen etwa im Hinblick auf Marktgrenzen haben wir hierbei nicht im Sinn."

Der Streit, der vordergründig um Lizenzrechte geführt wird, findet nicht nur vor dem Hintergrund statt, daß ein neuer IBM-kompatibler Nixdorf-Rechner bevorsteht. Carol Cohen, ADR-Vice President, gab gegenüber der COMPUTERWORLD auch zu bedenken, daß ADR im letzten Jahr neun neue Niederlassungen in Europa eröffnet habe. Diese Niederlassungen, verlautete weiter, hätten gegen einen ebenfalls im europäischen IBM-Softwaremarkt und mit identischen Produkten tätigen Computerhersteller Nixdorf einen schweren Stand.

Zur Vorgeschichte: Zwischen einer "Insyte Datacom Corp.", dem vormaligen Anbieter von Datacom-Produkten, und "The Computer Software Co." (TCSC), dem Anbieter des DOS-Ersatzes "Edos" (Extended Disk Operating System), war vereinbart worden, daß TCSC Datacom-Produkte in Lizenz vertreiben dürfe. Als ADR sämtliche Vermögensteile, Rechte und Pflichten von Insyte übernahm, wurden die zu TCSC bestehenden Geschäftsbeziehungen - so die COMPUTERWORLD-Meldung - ausdrücklich als weiterhin bestehend anerkannt. Im April 1980 wurde TCSC von der amerikanischen Nixdorf Corp. aufgekauft und hieß fortan NCSC.

"Worum der Rechtsstreit letztlich gehen wird," sagt ADR-Mudter, selbst ehemaliger Insyte-Mitarbeiter, "läßt sich so umschreiben: Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Vertragsbasis von damals, als wir dem relativ kleinen Softwarehaus TCSC das Recht gaben, für seine Edos-Kunden die Datacom-Datenbank und das Data Dictionary einzusetzen, heute nicht mehr gegeben ist, wo NCSC gebildet wurde und Nixdorf dahintersteht."

ADR will zudem nicht akzeptieren, daß NCSC das Datacom-System für andere als IBM-Anwender verfügbar macht und verweist darauf, daß

- Edos immer schon und ausschließlich auf DOS-User abzielte

- keine einzige Edos-Installation in Nicht-lBM-Hardware bekannt ist,

- das NCSC-Argument, Edos sei auf IBM-kompatible Hardware ausgerichtet, nicht haltbar ist,

- der Vertrag mit dem damaligen Edos-Anbieter TCSC auf einer reinen IBM-Softwarebasis entstanden sei, ohne die Möglichkeit offenzulassen, "daß die da praktisch in den OEM-Markt gehen" (Mudtel). (In einem Statement der COMPUTERWOCHE gegenüber formuliert Nixdorf-Paderborn allerdings: "Ebenso unberührt bleibt das IBM-kompatible und für C.I.S. vorgesehene Betriebssystem Edos in seinen verschiedenen Varianten. ")

ADR argumentiert zusätzlich auf einer formaljuristischen Schiene: NCSC habe durch den Verkauf ihres Aktienkapitals an die JTG Holding Co., deren Kapital später wiederum Nixdorf übernahm, eine Übertragung auch ihrer Softwarerechte vorgenommen und damit gegen das Lizenzabkommen verstoßen. Dem hält NCSC entgegen, der Verkauf des Kapitals an die Holding-Gesellschaft habe keinen neuen Firmenverbund geschaffen, bedeute keine Konsolidierung mit irgendeiner anderen Gesellschaft und könne deshalb nicht als vertragswidrige Übertragung von Rechten gewertet werden.