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01.12.1989

Nixdorf ein Luftschloß zerfällt

Klaus Luft hat jetzt Zeit und Muße, seine Erinnerungen an die Nixdorf-Zukunft zu schreiben. Irgend jemand interessiert? Luft stand in gewisser Weise für Nixdorf. Was da zerfällt, ist ein L u f t s c h l o ß, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Big-Blue-Abbild nämlich, ein Neuarmonk in Paderborn, für das Pläne zuerst im Kopf des Firmengründers Heinz Nixdorf existierten.

Klaus Luft hat sich von dieser Vorstellung nie lösen können. Hauptvorwurf: ständiges "High"-Sein ("Klaus Luft Superstar"), einhergehend mit dem Verlust des Realitätssinns ("Westentaschen-IBM"). Der Nixdorf-Nachfolger hat wohl nicht sehen wollen, daß der eigene Entfaltungsspielraum jeweils nur auf Kosten der Konkurrenten erweitert werden kann. Kienzle, Philips, CTM, MAI etcetera - das mochte ja noch angehen. Doch seit die IBM das AS1400-Portemonnaie öffnete, laufen Nixdorf die 8870-Anwender weg. Heute sind die Paderborner am verwundtbarsten da, wo sie am stärksten waren, in der "Mittleren Datentechnik''.

MDT-Sein oder Nicht-MDT-Sein ist freilich für Nixdorf nur noch eine zweitrangige Frage. Klaus Luft hat einmal gesagt, er sorge sich um den Bestand der Nixdorf Computer AG, denn wenn es nicht gelinge, die Umsetzung in Anwendungen durch ingenieurmäßige Software-Verfahren zu beschleunigen, "dann können wir einen breiten Markt vergessen". Nun gehörte es zu Lufts PR-Geschäft, derartige Dinge von sich zu geben. Die besagte Formel aber, die ein Mißverhältnis zwischen der technologischen Entwicklung und dem Nutzungsgrad der DV ausdrückt, gilt mehr denn je - und zwar für alle Anbieter, für die gesamte DV-Industrie. Das Argument, Nixdorf sei, was die Technik betrifft, zunehmend in Rückstand geraten, sticht also nicht. Nixdorf kein High-Tech-Unternehmen? Geschenkt - was sollen da erst die IBM-Anwender sagen. Immer bessere und immer schnellere Hardware, RISC etwa, ist nicht die Antwort auf die brandaktuelle Forderung der Anwenderunternehmen nach Systemen, die dem Benutzer spürbare Effiziertzvorteile bringen - womit nichts gegen RISC gesagt sein soll, und nichts für diejenigen Nixdorf-Wettbewerber, denen es scheinbar noch gut geht.

Was heißt das? Wir haben es, kein Zweifel, mit einer Branchen-Epidemie zu tun. Nixdorf ist eben kein Einzelfall. Der Markt befindet sich im Umbruch, wandelt sich von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt. Der Rat an den Luft-Nachfolger Horst Nasko kann nur lauten, die Marktrealitäten anzuerkennen und eine vorsichtige Nischenpolitik zu betreiben.

Doch wird das zum Überleben ausreichen? Kann sein, wenn das DV-Gemeinwesen als Ganzes über den Berg kommt. Kann aber auch nicht sein, Wenn IBM & Co. scheitern.

Momentan sieht es für die Anbieter nicht gut aus.