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12.02.1988 - 

Für die Umsatzverdoppelung nehmen sich die Paderborner noch Zeit

Nixdorf: Flurbereinigung in der Produktlandschaft

DAVOS/MÜNCHEN(ab)-" Unser Ziel bleibt weiter die Umsatzverdoppelung innerhalb von fünf Jahren", beharrte Klaus Luft, Vorstandsvorsitzender der Nixdorf Computer AG, Paderborn, vor der Presse in Davos, räumte aber gleichzeitig ein: "Es kann auch etwas länger dauern." Flagge zeigen will das Unternehmen nun mit neuen Hard- und Softwarelösungen.

Herausragendste Leistung der Aktiengesellschaft ist nach eigenem Bekunden die Erweiterung der Nixdorf-Crew, die 1987 rund 5,1 Milliarden Mark Umsatz (plus 13 Prozent) erwirtschaftete: In einer einmaligen Einstellungskampagne erhöhte Nixdorf die Mitarbeiterzahl um 3900. Rund 70 Prozent davon sind im Bereich Software und Service tätig. Lediglich 300 der neuen Mitarbeiter werden in der Produktion eingesetzt.

Damit hat Nixdorf vor allem im Software- und Dienstleistungsbereich investiert, der immerhin 50 Prozent der Wertschöpfung des Unternehmens darstellt. Umstrukturierungen sind dagegen im Produktionsbereich fällig. Luft: "Wir müssen an die Kosten ran." Hier spielt für den Vorstandschef insbesondere der Produktionsstandort eine Rolle. Während augenblicklich noch 65 Prozent der Produkte in der Bundesrepublik, insbesondere in Berlin, hergestellt werden, soll die Fertigung langfristig ins Ausland verlagert werden." In Singapur betragen die Lohnkosten ein Siebtel von denen in Paderborn."

Über die Bedeutung als Produktionsstandort hinaus reklamierte Luft das Pazifische Becken auch als Wachstumsmarkt der Zukunft: "Wir wollen in Deutschland erworbene Branchenkompetenz im Ausland einsetzen." Der Bankensektor, eine Domäne des Unternehmens, ist bei einem Umsatzvolumen von 1,5 Milliarden Mark hierzulande gesättigt, doch "das Know-how setzen wir andernorts ein" formulierte Luft. Verstärktes Engagement in Deutschland wollen die Paderborner gegenüber Versicherungsagenturen und dem Handel (1987 plus 70 Prozent) entfalten.

Einen internationalen Wachstumsmarkt nannte Luft auch den Bereich Nachrichtentechnik, der wesentlich durch die ISDN-Bestrebungen - wenn auch in national unterschiedlichen Ausfertigungen - forciert werde. "1987 haben wir mit 2500 Stück soviel 8818-Anlagen verkauft wie in den vorausgegangenen Jahren kumulativ", beschreibt Heinz Dieter Wendorff, Bereichsvorstand Produkte, das Nixdorf-Ergebnis im NT-Sektor. Und weiter: "Wir haben zwei Jahre gebraucht, um hier schwarze Zahlen zu schreiben."

Neu für die 8818-User ist die Integration des PBX-Systems in die 8870 Quattro, mit der 80 Prozent des Umsatzes erzielt wurde. Die optimierte Quattro com/bi verfügt über Anschlußmöglichkeiten an öffentliche sowie Inhouse-Netze. Einen weiteren Schub für die 1987 rund 10000 mal installierte Quattro stellte Wendorff mit der Umstellung von der 16/24Bit- auf die 32-Bit-Architektur in Aussicht. Softwaremäßig werden die neuen Systeme mit den Paketen Comet Top 2 und Comet Office ausgestattet. Die verbesserten Quattro-Versionen sollen darüber hinaus auf der RISC-Architektur basieren - und sich damit der Targon-Welt annähern.

Das Nixdorf-Motto für 1988 "Erfolg durch Produktivität" weist indes nicht nur auf Umstrukturierungen in der eigenen Fertigung hin, sondern auch auf den Wachstumsmarkt Computer Integrated Manufacturing (CIM), in den sich das Unternehmen vor zwei Jahren stürzte. "Hier zielen wir auf die mittlere Ebene der unternehmensweiten Rechnerhierarchie", erläutert Bereichsvorstand Wendorff. Die Aktiengesellschaft bietet hier Software für CAM, CAD und CAQ auf Targon-Systemen.

Familienzuwachs am High- sowie ,am Low-End der Targon-Serie, die 1987 zirka 1000mal geliefert wurde, meldete Wolfgang Raum, Leiter Dezentrale Systeme in Paderborn. Neben der /35 Modell 50, die über eine Verarbeitungsleistung von 17,5 Mips verfügt, gibt es nun auch das Mehrplatzsystem /31 Modell 5 sowie den Unix-PC von Nixdorf. Zu den Kommunikations- und Netzwerkeigenschaften, die die ausgebaute Targon-Reihe charakterisieren, zählen die Unterstützung der öffentlichen Netze sowie der Konfigurationen von IBM (SNA, LU 6.2, DCA/DIA), Siemens (9750, 9003), Digital Equipment (Decnet) und die Systemkoppelung an TCP/IP und Token-Ring.

Mit ihrem Zugpferd Targon wollen die Paderborner auch das Standardisierungsfeld weiter beackern: Neben den relationalen Datenbanken Ingres und Oracle läuft auch das auf SQL-basierende Nixdorf-Produkt Reflex auf der Targon; Reflex soll noch in diesem Jahr als verteiltes System angekündigt werden. Im Kommunikationsbereich arbeitet das deutsche Unternehmen mit der amerikanischen Amdahl Corp. unter dem Projektnamen "Champaign" an der Verknüpfung von Unix- und SNA-Netzen; zuversichtlich äußerte sich Raum schließlich über die Einigungsbestrebungen beim Betriebssystem Unix und pointierte: Wer wird die Welt einigen - die UNO oder Unix?"

Das Anwendungsspektrum der Targon-Reihe erweitern die Paderborner durch die Entwicklungstools Frame, Ase und Delta. Damit versucht Nixdorf, auf der Anwendungsebene Inkompatiblitätsprobleme der eigenen Produktreihen zu lösen. Ziel dieser Softwarestrategie ist es, unter Delta und Frame entwickelte Programme auf den Systemen Quattro, 8860 und 8890 zur Verfügung zu stellen und damit den Übergang der Produkte in die Targon-Reihe einzuleiten. Die Flurbereinigung in der Produktlandschaft hatten Anwender der 8850 schon Ende 1986 spüren können, als der Softwareübergang zur Targon /31 angekündigt wurde. Sämtliche Applikationen, die die Paderborner AG seither für die 8850 entwickelte, laufen auch auf der Targon.

Daß Benutzer der 8890 für die 90er Jahre eine ähnliche Perspektive zu gewärtigen haben, wurde in Davos bereits angedeutet. Zwar generierten diese Plug-and-Play-kompatiblen Rechner 1987 einen Umsatz von 120 Millionen Mark - dank eines Großauftrages der Daimler-Benz AG. Doch je mehr die Targon in das SNA-Konzept eingebunden wird, desto geringer dürfte für Nixdorf die Bedeutung der IBM-kompatiblen Maschine werden. Wendorff: "Das Spielfeld der 8890 wird kleiner."