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26.09.1980

Nixdorf gegen IBM und gegen Nixdorf

Zu einfach wäre es, die Ankündigung der DOS-kompatiblen Nixdorf-Hardware als Kampfansage an IBM zu werten.

Zwar nutzten die C.l.S.-Mannen die 8890-Premiere eher zu einer Selbstverleugnung als zur Selbstdarstellung - der Marktführer wurde durch Sprache, Gestik und Mimik perfekt emuliert -, doch sind die Produkt-Überschneidungen einfach zu gering, um schon von einem Kontrast-Programm sprechen zu können.

Nein, so sieht kein Neu-Mainframer aus, der IBM auf den Rocksaum treten will.

Ganz offensichtlich sucht Nixdorf, bei aller "Schlag"-Fertigkeit, die mitunter aufblitzt ("Bei uns gibt es keine Leichen"), jedwede Konfrontation mit dem Marktführer zu vermeiden. So wurde der Slogan von der "echten Alternative" gewählt, der die IBM-Nähe des Produkts unterstreicht und vom Image der Trittbrettfahrer ablenkt, das dem Geschäft der IBM-Kompatiblen anhaftet.

Nixdorf sagt sinngemäß: Wir sind ein PCM - aber wir kopieren IBM nicht. Nixdorf sagt: Wir lassen uns nicht von IBM schwindlig drehen, indem wir alle DOS-Pirouetten nachturnen müssen. Und eine Garantie, daß wir alle zukünftigen IBM-Betriebssysteme auf unseren Maschinen implementieren werden, geben wir nicht. Sagt Nixdorf.

Man spürt förmlich, aus welcher Ecke diese Argumentation kommt. Schließlich hielten die Paderborner einmal Amdahl-Anteile.

Noch mußte bisher jeder IBM-Nachahmer, der dem Original zu nahe kam, Shares und Federn lassen. Siehe Calcomp. Siehe Memorex. Siehe Telex. Siehe Itel.

Andererseits kann man nicht gerade behaupten, daß der Markt eine von IBM unabhängige DV-Philosophie honoriert, wie sie beispielsweise von ICL oder Burroughs vertreten wird. Im Gegenteil: Wer die IBM-Welt verläßt oder sie gar nicht erst betritt, gilt sehr schnell als Exote, an den permanent die Überlebensfrage gestellt wird.

Dies ist doch das Dilemma, in dem nahezu alle Nicht-lBM-Hersteller stecken: IBM-Nähe ist gefährlich, IBM-Ferne auch. Und den halben Kompromiß mögen die Anwender nicht, weil er letztlich nichts bringt - also weder den Preisvorteil der Kompatibilität noch Exklusivität. Verkörpert demnach Nixdorf das Mißverständnis der "Plug Compatible Manufacturers", die auszogen, IBM das Fürchten zu lehren?

Zu einfach wäre es freilich, die Ankündigung der DOS-kompatiblen Nixdorf-Hardware als Kampfansage an IBM zu werten.

An Nixdorf-Maßstäben gemessen, waren die Ablöse-Erfolge, die IBM im 8870-Markt erzielen konnte, durchaus keine "quanité négligeable". Und auch frustrierten /3-Anwendern, denen man eine "echte Alternative" zu bieten glaubte, erschien IBM mit dem 4300er Angebot wieder attraktiv.

Nixdorf mußte also, koste es was es wolle, mit dem "EDV-Bedarf seiner Kunden wachsen", wie es ein Anwender ausdrückt.

Wäre damit das Marketing-Ziel der 8890 eingekreist?

Ein vorbehaltloses Ja kann auch in diesem Fall nicht die Antwort sein. Nixdorf mag zwar darauf spekulieren, daß der Parkschutz-Aspekt bei der 8890-Ankündigung in den Hintergrund tritt - an der Unverträglichkeit der neuen Hardware mit den 8870-Systemen ist nicht zu deuteln. Das C.l.S.-Konzept krankt eben daran, daß IBM-Kompatibilität nicht mit einem "ln-Haus-Frieden" vereinbar ist.

Man darf gespannt sein, wie Nixdorf dieses "PCM-Paradox" lösen will.