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28.01.1983

Nixdorf greift an

Kurt Bendlin, ehemaliger Zehnkampf-Weltrekordler, trainiert die Nixdorf-Betriebssportler in Paderborn. Tomi Ungerer, Emanzenschreck mit spitzer Zeichenfeder, illustriert Anzeigen und Kalender der Nixdorf Computer AG (NCAG). Ob Heinz Nixdorf den roten Pfeil in der neuen Imageanzeige des westfälischen Computerherstellers eigenhändig zu Papier gebracht hat? Auffällig aktiv sind die Paderborner derzeit im bundesdeutschen DV-Markt. "lnitiative '83" heißt das Motto ihrer aggressiven Werbekampagne. Das selbstbewußte Auftrumpfen kommt an bei Kunden und Interessenten. Man spricht über Nixdorf.

Die Bedeutung derartiger PR-Aktivitäten ist nicht gering zu veranschlagen. Die öffentliche Selbstdarstellung ("Wir sind motiviert.") zielt darauf ab, "politische" Entscheidungen über Investitionen im DV-Bereich zu erzwingen, das Topmanagement in großen Unternehmen zu beeinflussen, nicht den vermeintlich IBM-hörigen Datenverarbeiter. Eine stattliche Zahl von Wettbewerbern befindet sich dadurch in der wenig beneidenswerten Situation, gegen Nixdorf argumentieren zu müssen, ohne selbst mit Produkt-lnnovationen in der Vorderhand zu sein. Das kann lähmend wirken, wie das Beispiel Siemens zeigt. Die Münchner haben, was "deutsche" Alternativen zum US-Rechnerangebot angeht, sicherlich nicht weniger vorzuweisen als die Paderborner, doch sie verzetteln sich in Einzelaktionen - ein neues Software-Release hier, ein zusätzliches Transdata-Gerät dort - ohne die große Linie erkennen zu lassen. BS2000 ist gewiß ein exzellentes Betriebssystem, wenn es läuft - nur muß auch deutlich gemacht werden, welche Vorteile es gegenüber den Betriebssystem-Ungeheuern aus dem IBM-Bauchladen bietet.

Man kann mit Recht einwenden, daß Siemens-Kunden das Understatement ihres DV-Lieferanten zu schätzen wissen, froh sind, nicht im Rampenlicht zu stehen. Doch wo bleibt die Kontrolle, daß das Marktziel, IBM in der Bundesrepublik Deutschland Prozentpunkte abzunehmen, auch wirklich erreicht wird? Es stimmt: Das Ziel, IBM weh zu tun, ist schwer zu erreichen. Das bedeutet aber nicht, daß Initiativen, die der Marktführer als Herausforderung auffassen könnte, unterbleiben sollten.

Nixdorf hat den Beweis erbracht, daß es sich mit einer teils aggressiven, teils vorsichtigen Nischenpolitik im IBM-Schatten sehr gut leben läßt. Der Mainframe-Gigant ist eben nicht auf allen Gebieten gleich stark. Dort etwa, wo sich die DOS-Welt mit der MVS-Welt überschneidet, tun sich Support-Lücken auf, in die ein Software-Kompatibler wie Nixdorf mit der 8890 und Nidos hineinstoßen kann. Dasselbe gilt für den 3270-Bereich und den Sektor der sogenannten fehlertoleranten Systeme. Mit den Berliner Announcements (siehe Seite 1) untermauert die NCAG ihre Anwartschaft auf den Kronprinzentitel im Pulk der IBM-Kompatiblen.

Wer sich heute mit Alternativen zu IBM auf dem Gebiet der verteilten Datenverarbeitung beschäftigt, kommt an der Nixdorf-Produktpalette nicht vorbei. Doch die Paderborner tun gut daran, eine mögliche Gefahr nicht zu unterschätzen, die Gefahr nämlich, daß bloßes IBM-Nachahmen zum Eiertanz werden kann. Amdahl, NAS, Magnuson und die Japaner haben die Erfahrung gemacht, daß IBM plötzlich ausbricht (MVS/XA) und der Schlenker nur schwer nachzuvollziehen ist.

Dort, wo Nixdorf traditionell stark war, in der Mittleren Datentechnik (MDT) mit der 8870, im Erfassungsgeschäft mit der 620, ist es mittlerweile ruhig geworden. Im Wachstumsmarkt der Mikros und Personal Computer hat man sich noch nicht zu Wort gemeldet. Das kann ins Auge gehen.