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26.09.1980 - 

Blitzumfrage der COMPUTERWOCHE bei deutschen EDOS-Anwendern:

Nixdorf hofft auf Um- und Aufsteiger

MÜNCHEN (gr) - Zwei Zielgruppen bieten sich für die jetzt angekündigte DOS-kompatible Nixdorf-Maschine 8890 an. "Ganz oben stehen die EDOS-Anwender", räsoniert Hermann Crass, der als Leiter der EDV bei der Pittler Maschinenfabrik AG, Langen, auf seiner IBM 4331 selbst die "erweiterte" DOS-Betriebssoftware der früheren "The Computer Software Company" (TCSC) und jetzigen Nixdorf-Tochter (NCSC) fährt. Erst dann folgten die 8870-Altkunden, die mit ihrer Anlage an die Leistungsgrenzen stoßen. Ihnen stünde der Kompatibilitätssprung noch bevor.

Rundum, so ergab eine Blitzumfrage der COMPUTERWOCHE, sind IBM /370- und 43XX-Benutzer mit der EDOS- und EDOS/VS-Betriebssoftware zufrieden. Selbst ein Anwender, der vor zwei Jahren noch dieses Betriebssystem auf seiner IBM fuhr, kann es nur empfehlen. "Als wir Anfang 1979 auf Univac umstiegen", erklärt Günter Schneider, Systemprogrammierer beim modischen Bekleider Falke in Schmallenberg, "klappte es mit der IBM-kompatiblen Betriebssoftware natürlich nicht mehr."

Zu wenig Informationen

Noch ist die neue Nixdorf-Hardware mit dem Know-how aus Haifa den EDOS-Anwendern zu wenig bekannt. "Jetzt kommt es auf die Hardware-Technik an, die Nixdorf den Benutzern bietet", meint Crass. So früh darauf angesprochen, ob der Pittler-DV-Chef sich selbst für die 8890 entscheiden würde, und nicht, wie geplant, die IBM 4331 Modell 2 ab 1981 aufstellen lassen will, ist er noch überfragt. Bei ihm, wie seinem Kollegen Rainer Sick, Systemprogrammierer beim Vorhang- und Wäschehersteller Irisette, Zell, oder bei Tony Fremmer, Inhaber des gleichnamigen Rechenzentrums in Köln, weckte die Nixdorf-Ankündigung zumindest Neugierde, die der Überlegung wert ist, ob das nicht was fürs eigene Haus wäre.

"Die neue Nixdorf ist für uns zu klein", erklärt dagegen Werner Mittelstedt, Leiter der Programmierung bei der Bogusch & Greife GmbH, Hannover. Seit November 1979 arbeitet er mit einer 4331, auf der seit April EDOS installiert ist. Wie alle befragten Anwender dieses Betriebssystems fährt auch er außer der IBM-Maschine kein zweites System. Mittelstedt wußte, daß Nixdorf zu seinem Software-Erwerb vom Mai (siehe CW Nr. 20 vom 16. Mai 1980, Seite 1) nun auch die Hardware liefern will. Zum Jahreswechsel wird in seinem Unternehmen das Modell 2 der 4331 installiert.

Die Nixdorf Computer AG jedoch, die pro Jahr 100 Anlagen des "Kooperationsmodells" 8890 installieren will, betritt von den Leistungsdaten her als Konkurrenz eindeutig den Markt der 4331. "Die 8890 liegt in ihren Leistungsdaten eindeutig unter der 4341 ", grenzt Glaubrecht Schanz, EDV-Leiter der VSM AG, Hannover, den künftigen Benutzerkreis ein. Seit zwei Jahren fahre sein Haus mit EDOS, ab Mai dieses Jahres wurde nach und nach VS dazugenommen. Den Entschluß, im Dezember von der 360/50 auf die neue IBM-Maschine überzugehen, bereut er auch nach der Ankündigung aus Paderborn nicht. "Nixdorf war mit dem reinen Sektor Mittlere Datentechnik nicht mehr zufriedenerklärt er sich die Vorgehensweise des deutschen Rechnerherstellers.

Auch Herbert Rübling, EDV-Leiter bei der Nanz KG, Stuttgart, steht auf der Referenzliste, die die Paderborner anläßlich ihres 8890-Releases verteilten. Noch arbeitet er mit einer IBM 370/158. Dieser Tage erfolge eine Umstellung. "Was es sein wird, bleibt geheim", meint Rübling zögernd. "Doch eine Nixdorf-Anlage wird es nicht." Auch sein Entschluß kommt durch die Ankündigung nicht ins Wanken. "Wir arbeiten in einer Größenordnung, die Nixdorf wohl nicht ansprechen will", begründet der seit zwei Jahren zufriedene EDOS-Anwender seine Ansicht über den Hersteller, der "mit dem EDV-Bedarf seiner Kunden wächst."

Keiner der befragten EDOS-Anwender hat die neue Nixdorf-Maschine bestellt; keiner, der auf der Referenzliste, für die Bundesrepublik steht, beabsichtigt es in absehbarer Zeit zu tun. Doch haben erfahrene EDOS-Benutzer bei einer Umstellung das geringste Risiko zu tragen. "Gerade wegen der Software stellt Nixdorf für die Betriebssystem-Kunden der NCSC kein Risiko dar", behauptet Crass. IBM-Hard- und Software-Kunden, die bald von Nixdorf hofiert werden müßten sich grundsätzlich fragen, ob sie mit der Systemsoftware zurechtkommen. Anwender, die von dem inkompatiblen Nixdorf-Rechner 8870 auf das neue Modell übergehen, haben sich dagegen ernsthaft zu überlegen, ob ihnen der Umstellungsaufwand die "komplexe Möglichkeit für Dialogverarbeitung, Netzwerksteuerung und Datenspeicherung" der 8890 wert ist. Doch tröstet der Paderborner Computerhersteller seine upgrade-willigen 8870-Kunden. Er bietet "Umstellungshilfen für Dateien, Programme und Programmpakete" sowie - mit einem Seitenhieb auf IBM - "langfristige Sicherheit".