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28.03.1986

Nixdorf-Idee lebt

Kooperiert die Nixdorf Computer AG mit Philips? Wird die Volkswagen AG Nixdorf aufkaufen? So viele Berichte. So viele Fragen.

Heinz Nixdorf ist vor zwei Wochen gestorben. Sprachlos noch die Betroffenheit bei seinen Angehörigen, Mitarbeitern, Kunden und Freunden, da wird bereits in den Medien über die Zukunft der Nixdorf Computer AG ohne Heinz Nixdorf spekuliert. The show must go on.

The show must go on. Niemand hätte sich empört, wenn die Nachruf-Autoren ihre übliche Routinefrage gestellt hätten, warum es gerade einen so vitalen Mann wie Heinz Nixdorf so früh treffen mußte. Aber da ist einer gestorben, den man schon zu Lebzeiten zur Legende gemacht hat: der Patriarch aus Paderborn, der geniale Erfinder, der Computerkönig, der Senkrechtstarter, der Selfmademan - das Symbol erfolgreichen deutsch en Nachkriegs-Unternehmertums schlechthin.

Diese Legende hat wenig gemein mit dem Menschen Heinz Nixdorf, der vor kurzem starb. Ihre Deutungen sind gefährlich, wenn sie in bloße Spekulationen einmünden, wie es nun weitergeht in Paderborn, ob es überhaupt in Selbständigkeit weitergeht. Das könnte in den kommenden Monaten offenbar werden.

In einer Republik, in der Nobelpreisträger wie Wimbledonsieger vermarktet werden und Technologiepolitik mit Fliege und Fördergeld-Gießkanne zelebriert wird, konnte es freilich keine Journaille geben, die Heinz Nixdorf auch nur annähernd gerecht wurde. In einem industriellen Umfeld, in dem Mikroelektronik unter der (BMW-, Mercedes-, VW-)Haube bereits als High-Tech-Spitze im Computerbereich gilt, mußte Heinz Nixdorf herausragen.

Doch er mißtraute den Medienmachern, die ihn als Gallionsfigur der deutschen DV-Industrie vereinnahmen wollten. Den Zweifel kannte er gut. Als kritischem Geist hat es ihm an fachkundigen publizistischen Beobachtern gefehlt, die ihm kritische Gesprächspartner hätten sein können. Denn Heinz Nixdorf war immer Pessimist, wenn es um die Gesamtgesellschaft ging.

Der Tod Heinz Nixdorfs bedeutet denn auch mehr, als sich den Kopf zu zerbrechen, wie es nun weitergeht. Nixdorf war immer ein Mann seines Unternehmens, ein Mann, der wußte, was für sein Unternehmen gut war: 1968, als er mit der Marketing-Entscheidung für den Direktvertrieb - und gegen den Fachhandel - die Weichen für die Expansion in den siebziger Jahren stellte; 1978, als er sich finanziell bei der Deutschen Bank anlehnte, um die technologische Herausforderung der achtziger und neunziger Jahre, das Zusammenwachsen von Datentechnik, Bürotechnik und Nachrichtentechnik nämlich, annehmen zu können.

Aber Heinz Nixdorf wußte: Keine DV-Firma schöpft ihre Technologie nur aus sich heraus. Er war für Kooperationen offen, speziell auf dem Sektor des Kommunikationsmarktes. Es hat ihn zutiefst beunruhigt, wie große Konkurrenten ihre Marktmacht mißbrauchten. Doch er war stets Optimist, wenn es um die eigene Firma ging: ein Mann seiner Mitarbeiter. Sie wußten, was er wollte. Diese Nixdorf-Ideec wird weiterleben.