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01.12.1989

Nixdorf - Klaus Luft ist weg, aber die heiße Luft ist noch nicht raus

330 Mark für eine Nixdorf-Vorzugsaktie bedeuten einen überhöhten Kurs. Als vor elf Monaten die COMPUTERWOCHE schrieb: "Nixdorf wird für die Deutsche Bank zum Risiko", empörte sich die Unternehmensführung über diese Aussage. Jetzt beginnt sich das Risiko mehr und mehr zu verwirklichen.

Auf der Suche nach einem Nixdorf-Kooperationspartner werden immer wieder Siemens und Mannesmann genannt. Schenkt man Börsengerüchten Glauben, ist man sich bei Siemens darüber im klaren, daß ein Einstieg bei Nixdorf - wenn überhaupt - nur zu einem Aktienkurs von deutlich unter 200 Mark für die Stammaktie in Frage kommt. Diese Zahl entspricht in etwa dem Bilanzkurs und liegt 150 Mark unterhalb der Notiz der Vorzugsaktie.

Plausibel ist dieser Ansatz vor dem Hintergrund, daß eine Akquisition vor allem dann sinnvoll ist, wenn der Preis für das gekaufte Unternehmen unter der Börsenbewertung für das eigene Unternehmen liegt. Dadurch wird eine Aufwertung des eigenen Unternehmens erreicht, im umgekehrten Fall käme es zu einer Verwässerung. .

Nixdorf wird derzeit mit knapp vier Milliarden Mark von der Börse bewertet. Dies entspricht gut 70 Prozent des erwarteten Umsatzes im Geschäftsjahr 1989.

Hinzu kommt, daß es sich bei Nixdorf um ein Unternehmen handelt, das sich mitten in einer umfassenden Strukturkrise befindet. Die Substanz ist teilweise ausgezehrt, die Bilanzrelationen, auf die das Unternehmen so stolz war, verschlechtern sich dramatisch.

In der Konzernbilanz 1988 wird ein Eigenkapital von 2,8 Milliarden Mark ausgewiesen. Wer die Zusammensetzung; dieses Eigenkapitals betrachtet, muß feststellen, daß mehr als zwei Milliarden Mark, das sind über 70 Prozent, aus Kapitalrücklagen bestehen. Der Rest setzt sich im wesentlichen aus dem gezeichneten Kapital (560 Millionen) und einer Gewinnrücklage von 183 Millionen Mark zusammen.

Bei der Kapitalrücklage handelt es sich jedoch nicht um von dem Unternehmen erwirtschaftetes Eigenkapital, sondern im wesentlichen um das Aufgeld, welches die Aktionäre bei Emission und Kapitalerhöhungen über den Nominalwert der Aktien hinaus gezahlt haben.

Noch wird der Kurs der Nixdorf-Aktien bei 300 Mark gestützt. Interesse an einem stabilen Nixdorf-Kurs dürfte weiterhin die Deutsche Bank haben, die seinerzeit die Nixdorf-Emission durchgezogen hatte. Nachdem sich die Erkenntnis der fundamentalen Überbewertung der Nixdorf-Aktie immer stärker durchsetzt, wird es auch für die Deutsche Bank schwierig sein, den Nixdorf-Kurs über der 300-Mark-Marke zu halten. Wer Nixdorf-Aktien besitzt, sollte auch jetzt auf dem scheinbar niedrigen Niveau noch verkaufen. Durch den Kauf von Verkauf-Optionen auf die Nixdorf-Vorzugsaktie beziehungsweise durch den Leerverkauf der Aktie am Züricher Terminmarkt ist es möglich, bei fallenden Nixdorf-Kursen zu verdienen. +

* Arnd Wolpers ist Vermögensverwalter in München.