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13.10.1989 - 

Targon für 8890-Kunden keine Alternative

Nixdorf läßt Kunden allein

MÜNCHEN - Die Stimmung im 8890-Lager ist mies: Nixdorf wird sich nicht länger in der /370-Welt engagieren, die angebotenen Unix-Lösungen sind für viele 8890-User nur leere Versprechungen.

Für Wut, Enttäuschung und Verärgerung bleibt indes keine Zeit. Jetzt heißt es, auf die Suche nach einer DV-Umgebung zu gehen, mit der die verprellten Nixdorf-Kunden zumindest einen Teil ihrer Software-Investitionen schützen können. Völlig überraschend kam für viele 8890-Anwender die Nachricht über den Ausstieg der Nixdorf Computer AG aus dem /370-Geschäft.

Zwar waren schon seit längerer Zeit Gerüchte über das bevorstehende Aus der 8890-Produktlinie im Umlauf, doch die Paderborner selbst hielten sich mit entsprechenden Informationen vornehm zurück. DV-Leiter Helmut Reichert aus dem süddeutschen Raum: "Wir sind von Nixdorf zu keiner Zeit darüber informiert worden, daß man die 8890-Rechner auslaufen läßt. Von dieser Entscheidung erfuhren wir erst auf der Tagung der NIBEG-Benutzervereinigung in Bad Homburg Ende September. Ich bin maßlos enttäuscht, wie Nixdorf die 8890-Kunden behandelt."

Aus allen Wolken fiel auch Horst Freitag, DV-Chef beim Lebensmittel-Großhandel REWE in Wanne-Eickel. Er nahm durch Zufall ebenfalls an der Benutzertagung Ende September in Bad Homburg teil und erfuhr dort erstmals vom Rückzug der Nixdorf aus der /370-Welt. "Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Wenige Tage vor dem Benutzertreffen hatte ich nämlich noch einen Bestellschein für eine neue 8890-D23 mit einem Auftragswert von knapp 1,1 Millionen Mark ausgefüllt und ihn auch bereits zum Aufsichtsrat zur Unterschrift gegeben."

Glück im Unglück

Freitag kann immer noch nicht glauben, daß ihm die Paderborner eine Maschine verkaufen wollten, deren Einstellung zu jenem Zeitpunkt schon längst feststand. "Hätte ich an dieser Tagung nicht teilgenommen, wäre der Auftrag für diesen Rechner, der keine Zukunft mehr hat, mittlerweile bei Nixdorf eingegangen."

Doch der DV-Chef aus Wanne-Eickel hatte Glück im Unglück, er konnte den Bestellschein noch zurückziehen. Dennoch bleibt das Verhalten der Paderborner für den DV-Chef von REWE unverständlich. "Wir sind seit Jahren Großkunde von Nixdorf, haben bereits zwei 8890-Maschinen im Einsatz, machen Scanning und Zeiterfassung mit Nixdorf-Systemen." Nach diesem "Schlag unter die Gürtellinie" aber sei das Vertrauen in diese Partnerschaft arg beeinträchtigt.

Im Stich gelassen fühlen sich die 8890-Kunden aber nicht nur in Sachen Informationspolitik von Nixdorf. Weit schlimmer ist, daß die Paderborner ihnen keine Alternativen anbieten können. DV-Leiter Helmut Reichert: "Jetzt sollen wir Targon-Rechner installieren. Aber Umstellungshilfen auf Unix gibt es nicht." Bestätigt Rudi Sievers, DV-Leiter der Interdomo GmbH & Co. in Emsdetten: "Die Targon ist noch kein spruchreifes Thema. Nixdorf kann uns kein ausgereiftes Alternativ-System zur Verfügung stellen und kann auch nicht gewährleisten, die bestehenden Anwendungen auf die neue Hardware- und Betriebssystemumgebung portieren zu können."

Bei Interdomo bereitet man bereits die Systemumstellung vor, zumal der Vertrag mit Nixdorf ohnehin 1992 ausläuft. Dennoch wechselt Sievers nicht gern den Hersteller: "Wir sind seit zehn Jahren 8890-Kunde, ich selbst arbeite seit 20 Jahren mit Rechnern dieses Anbieters. Deshalb wäre ich gerne Nixdorf-Anwender geblieben." Doch die fehlenden Perspektiven, aber auch die Art und Weise, wie Nixdorf jetzt die 8890 Kunden im Stich läßt, machten den Lieferantenwechsel unumgänglich. "Für mich" so Sievers abschließend, "ist diese Entwicklung bei Nixdorf traurig." Noch klarere Worte findet ein DV-Leiter aus Norddeutschland. "Es macht den Anschein, daß Nixdorf überhaupt kein Interesse mehr an seinen Kunden hat."

Für die verprellten Nixdorf-User heißt jetzt die Devise, nach Alternativherstellern zu suchen, weitere Investitionen in die 8890-Rechner zu vermeiden und vor allem die getätigten Software-Investitionen - zumindest teilweise - zu schützen. Karsten Brünning, Bereichsleiter Organisation der Lübeck Hafengesellschaft: "Die Hardware-Umstellung ist nicht das vordergründige Problem. Vielmehr gilt es, die bereits erstellten Softwarelösungen, die viel Geld gekostet haben, auf die neue DV-Umgebung hinüberzuretten. Doch das wird in der verbleibenden Zeit, in der Nixdorf noch Unterstützung leistet, nicht einfach sein. Vor allem nicht für die Kunden, die erst jetzt von der Nixdorf-Entscheidung erfahren haben."

Nie ganz zufrieden mit dem 8890-Rechner

Die DV-Abteilung der Lübecker Hafengesellschaft hat schon vor einigen Monaten begonnen, die Softwareentwicklung umzustellen, weil man mit dem 8890-Rechner "nie ganz zufrieden" war. "Wir sind darüber hinaus in der glücklichen Lage", so Brünning, "daß wir als Hafenumschlagbetrieb durch die neuen EG-Novellierungen gerade in den Startlöchern stehen, uns den Kundenwünschen für 1992 anzupassen. Jetzt wissen wir, daß wir auf die 8890 nicht mehr zu setzen brauchen. Zu einem späteren Zeitpunkt hätte uns die Nixdorf-Entscheidung wesentlich härter getroffen."