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23.02.1990 - 

In der Bundesrepublik legen Olivetti und Siemens zu

Nixdorf muß auf dem Markt der "Small Systems" Federn lassen

MÜNCHEN (CW) - Big Blue spielt auf dem deutschen Markt für mittlere Systeme nur noch die dritte Geige: Nach Berechnungen der Infratest Industria muß sich - bei stagnierendem Marktanteil der bisher zweitgrößte Anbieter nicht nur von der Nixdorf AG, sondern neuerdings auch von der Olivetti GmbH geschlagen geben. Die mit Abstand meisten Federn aber hat Marktführer Nixdorf gelassen.

Zu diesem Ergebnis kommt das Münchner Marktforschungsinstitut Infratest Industria GmbH in seinem neuen Comtec-'89-Programm. Das Unternehmen ermittelt seine Zahlen auf der Basis einer - nach eigenen Angaben - repräsentativen Anwender-Stichprobe. Bundesweit wurden 5000 Betriebe unterschiedlichster Größenordnung unter anderem nach Hersteller, Modell und Typ ihrer 1987 und 1988 installierten Systeme befragt. Darüber hinaus flossen Angaben über die für 1989 geplanten Anschaffungen mit in die Erhebung ein.

Den größten Sprung nach vorne, so zeigen die Ergebnisse, machte bei den Minis allerdings nicht Olivetti mit einem Zuwachs von immerhin drei Prozent auf nunmehr dreizehn Prozent, sondern die Siemens AG. Durch die vielen Neuinstallationen ihrer Sinix-Systemfamilie MX konnten die Münchner ihre Marktanteile von sieben auf elf Prozent hochschrauben und mit IBM gleichziehen.

Allerdings dürfte die Freude getrübt sein, denn die schwerste Niederlage in dieser Rechnerklasse mußte der zukünftige Siemens-Partner und MDT-Spezialist Nixdorf einstecken: Marktanteile von ehemals stolzen 22 Prozent sind auf 17 Prozent zusammengeschrumpft. Trotzdem räumen die Analysten der neuen Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG zumindest im Small-Systems-Bereich die Marktführerschaft in vielen Branchen ein.

Über die Gewinn- und Verlust-Entwicklung bei Personal Computern und Mainframes wollte Infratest-Geschäftsführerin Ursula Neugebauer vorerst keine Auskünfte erteilen. Es handele sich um "hochsensible Daten", die sie nicht ohne weiteres an die Öffentlichkeit weitergeben könne. Das Unternehmen fühle sich seinen Kunden, den DV-Herstellern, gegenüber zur Zurückhaltung verpflichtet.

Informationen gab es dagegen über die Gesamtentwicklung am deutschen DV-Markt. Zwischen 1987 und 1989 haben in Deutschland 20 000 Unternehmen erstmals ein mehrplatzfähiges DV-System installiert. 24 Prozent der deutschen Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern sind mit solchen Systemen ausgestattet - in den USA sind es nur 21 Prozent.

Infratest klassifiziert die Produkte unter anderem nach ihrem Preis. Small-Systems-Rechner werden in der Preiskategorie zwischen 12 000 und 100 000 Dollar angesiedelt. Sie haben laut Infratest in den letzten beiden Jahren einen Zuwachs von elf Prozent erfahren. Besonders Rechner der höheren Preisklasse (50 000 bis 100 000 Dollar) waren hier gefragt.

Bei den Mainframes sind es die mehr als 800 000 Dollar teueren Systeme, die einen Zuwachs von immerhin 14 Prozent verbuchen. Dagegen hat die mittlere Preisklasse, Systeme zwischen 200 000 und 800 000 Dollar, einen Einbruch erlitten: Derzeit sind zwei Prozent weniger im Einsatz als im vorhergehenden Erhebungszeitraum. Eine Steigerungsrate von immerhin 13 Prozent verzeichnen die Marktforscher dagegen bei den "kleineren" Mainframes (100 000 bis 200 000 Dollar). Insgesamt stieg der Einsatz von Großrechnern um sieben Prozent.

Da sich etwa 90 Prozent aller Erstanwender 1987/88 einen PC zugelegt haben, überrascht es kaum, daß dieser Markt um insgesamt 44 Prozent gewachsen ist. Hier setzt sich unverkennbar ein Trend zu leistungsfähigeren Systemen durch.

High-end-PCs, die zwischen 7000 und 12 000 Dollar kosten, nahmen um 57 Prozent zu. Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten nutzen solche Systeme oft als einzige DV-Intelligenz. Offensichtlich übernehmen diese "Super-Micros" heute Aufgaben, die bislang als Domäne der Minirechner galten. PC-Anwender, die schon lange im Geschäft sind, wechseln dagegen immer häufiger auf Minicomputer.

Auf den Bereich Workstations und Unix ging Frau Neugebauer nur am Rande der Comtec-Vorstellung ein. Klassische Workstations finden sich demnach im Vergleich zu Minicomputern und PCs noch kaum im deutschen Markt. Auch Unix spielt, wenn man den Angaben der Marktforscherin glauben darf, in der kommerziellen Datenverarbeitung bisher nur eine untergeordnete Rolle. Für die Unix-Abstinenz "mittlerer Anwender" seien Probleme bei de Softwareportierung verantwortlich.

Interessante Hinweise gib das Comtec-Programm auch auf die unterschiedliche Konzentration der Entscheidungsinstanzen in den Unternehmen: Nur 7500 Unternehmen entscheiden über DV-Anschaffungen für sechs Millionen Beschäftigte in 60 000 Betrieben - also für ungefähr ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland. Über die DV-Zukunft weiterer fünf Millionen Beschäftigter in etwa 120 000 Betrieben haben 50 000 mittelständische Unternehmen das Sagen.

Gleichzeitig treffen inzwischen fast zwei Millionen deutsche Kleinunternehmen ihre eigenständigen DV-Entscheidungen. Sie repräsentieren damit ein künftiges Marktpotential von etwa 40 Prozent. In der Regel sind diese Betriebe DV-technisch besser ausgestattet als die kleinen Zweigbetriebe von Großunternehmen. +