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14.10.1988 - 

Unix-Welt liegt noch in weiter Ferne

Nixdorf: Repressalien duch 8870-Lizenzpolitik

GRÄFELFING (CW) - 8870-Anwendungen können jetzt unter Unibasic von Dahlmann Datentechnik auf Unix-Systeme portiert werden - mit beträchtlichen Risiken für die Kunden. Durch Software-Lizenzen, die an die 8870-Hardware gebunden sind, hat sich Nixdorf trickreich abgesichert.

Systeme wie die 8870 laufen nach Herstellerangaben "zu 99 Prozent" mit Nixdorf-eigener Software wie Comet. "Diese Software ist lizenzmäßig an die Hardware gebunden und Eigentum von Nixdorf", stellt Wilhelm Petzold, Nixdorf-Vertriebsleiter Deutschland für den Bereich mittelständische Wirtschaft, klar. "Wir behalten uns vor, die hauseigenen Anwendungen auf Dritt-Systemen lauffähig zu machen." Wende sich der Kunde mit Portierungswünschen an ein Systemhaus, so laufe er Gefahr, Vertragsbruch zu begehen und eventuell in juristische Schwierigkeiten zu geraten.

Somit gilt das Angebot der Dahlmann Datentechnik Vertrieb (DDV) GmbH, Gräfelfing, nur für einen Bruchteil aller 8870-Anwendungen. Mit Hilfe von Unibasic, einem Produkt der kalifornischen Dynamic Concepts Incorporated (DCI), kann der Anwender nur selbstentwickelte oder von Systemhäusern erworbene Software auf verschiedene Unix/Xenix-Systeme portieren. Dazu gehö-

ren nach DDV-Angaben derzeit die NCR-Tower-Serie, die Unisys Serien 5000 und 6000/50 sowie IBM-kompatible PCs auf 286-/386-Basis. In Verbindung mit der Migrationssoftware emuliert das Modul Unimos die 8870-Benutzeroberfläche Tamos auf den Unix-Rechnern.

Nach deutlichen Warnungen von Nixdorf-Seite wollen sich die Bayern an der Portierung der 8870-Software Comet nicht die Finger verbrennen. Bei ensprechender Nachfrage werde das Unternehmen jedoch das Max-Planck-Institut mit einem Gutachten beauftragen, um die Lizenzlage rechtlich überprüfen zu lassen. DDV-Geschäftsführer Josef Dahlmann wittert hinter den Nixdorf-Drohungen mit der Lizenzrute ohnehin Polemik: "Nixdorf will seine Kunden bange machen, um sie davon abzuhalten, auf Systeme anderer Hersteller zu wechseln."

In einem Rundbrief habe die Vertriebsabteilung der Paderborner die 8870-Kunden über die Migrations-Aktivitäten im fernen Süden aufgeklärt und vor den möglichen Folgen gewarnt. Laut Dahlmann ging der Schuß jedoch nach hinten los: Nach der Aufklärungskampagne traf bei den Gräfelfingern eine Flut von Anfragen ein.

Auch Nixdorf bastelt an einem Migrationspfad in die hauseigene Unix-Welt. Die entsprechende Software, die in Zusammenarbeit mit DCI entwickelt wird, befindet sich allerdings noch in der Testphase und soll erst Mitte bis Ende nächsten Jahres auf den Markt kommen. In den USA sei das Programm zwar bereits bei Anwendern im Einsatz, so Petzold, doch seien dort nur einzelne Module, nicht aber das vollständige Anwendungspaket portiert worden.

Auch DDV-Chef Dahlmann muß einräumen, daß in dem auf dem Markt befindlichen Migrationspaket zwei wichtige Komponeneten noch nicht fertiggestellt sind: Es fehlen das Ferndiagnose-System und der Nixdorf-eigene programmierbare Leitungs-Controller (PLC).