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20.02.1981 - 

Installation von Hochgeschwindigkeitsnetzen im In-House-Bereich:

Nixdorf setzt auf Ethernet-Technologie

Die Koppelung von einzelnen programmierbaren (intelligenten) Arbeitsgeräten (Terminals) stand bereits Mitte der sechziger Jahr auf dem Programm der Nixdorf Computer AG. Mit NCN (Nixdorf Communication Network) kam in den letzten Jahren der Zusammenschluß ganzer EDV-Systeme sowohl regional als auch überregional hinzu, und zwar im gesamten Bürobereich von der Datenerfassung über die Textverarbeitung bis hin zu größeren EDV-Verbundsystemen (Mehrplatzsysteme).

Nixdorfs letzter Entschluß, nämlich die Hinwendung zu "Ethernet", bedeutet einen weiteren Schritt in die gleiche Richtung, nämlich Installation von Hochgeschwindigkeitsnetzen im In-House-Bereich. Mit welchen Zielsetzungen sich Nixdorf an "Ethernet" beteiligt, hat CW-Mitarbeiter Franz Fischbach in Paderborn nachgefragt. Gesprächspartner war Dipl.-Ing. Peter Knippel, Produktmarketing Datenfernverarbeitung.

- Warum setzt Nixdorf auf Ethernet?

Ich möchte die Frage gerne zweigeteilt und etwas ausführlicher beantworten. Es ist allgemein bekannt, daß gerade auf dem Gebiet der Kommunikation zwei Bereiche mit Netzwerkstrukturen gut abgedeckt sind, nämlich die Überlandverbindungen mit regionalen Netzwerken und die systeminternen Netze.

- Welche Netze meinen Sie im einzelnen ?

In der Bundesrepublik ist die Deutsche Bundespost aufgrund ihrer Monopolstellung generell an allen Überlandnetzen beteiligt. Sie bietet unterschiedliche Verbindungsmöglichkeiten, als Medien zum Informationstransport, also als einfaches Transportmittel an. Das Angebot umfaßt entweder festgeschaltete Leitungen wie HfD oder Wählnetze wie Fernsprech-, Telex- oder Datex-L-Netze. In jüngster Zeit hat die Post mit Datex-P gerade auf dem Gebiet der flächendeckenden überregionalen Informationsnetze anerkennenswerte Anstrengungen unternommen. Wir beurteilen es sehr positiv, daß die Post mit Datex-P und den bereits laufenden Pilotinstallationen bemüht ist, ein leistungsfähiges Instrument zur Verbesserung der Infrastruktur flächendeckend in der ganzen Bundesrepublik anzubieten.

- Aber das Datex-P-Netz muß noch die Bewährung in der Praxis überstehen. Welche Netzkonstruktionen haben Sie im systeminternen Bereich angesprochen?

Im systemnahen Bereich sehen die meisten Computer-Konstrukteure schnelle Verbindungen zwischen den einzelnen Bauelementen vor. Heute arbeiten viele Computersysteme als Mehrprozessorsysteme. Die verschiedenen Rechnermodule werden dann innerhalb eines Gehäuses über Bus-Systeme oder Rückwandverdrahtungen miteinander verknüpft. Während die Postnetze im allgemeinen Datenübertragungsraten von 50 bis 9600 Bit pro Sekunde erlauben, ermöglichen die Rückwandkabel sehr hohe Geschwindigkeiten bis zu mehreren Megabit pro Sekunde, dir letzten Endes die Leistungsfähigkeit garantieren, um zeitgemäße Timesharing-Systeme zu realisieren.

- Wie läßt sich Ethernet einordnen?

Wir sehen zwischen den systeminternen und den überregionalen Bereichen eine Lücke, und zwar im innerbetrieblichen Bürobereich. Genau diese Lücke will Nixdorf mit Ethernet überbrücken, weil es auf Dauer unerläßlich ist, auch im Nahbereich leistungsfähige Verbindungen zur Informationsübertragung einzusetzen. Die Ethernettechnologie ist aber gerade auf diesen Bürobereich ausgelegt und bietet dabei über Koaxialkabel hohe Geschwindigkeiten zum Informationsaustausch. Wir halten es für sehr wichtig, daß gerade im innerbetrieblichen Bereich Netzwerkverfahren eingesetzt werden, die durch bereits vorhandene oder noch zu vereinbarende Standards eine weite Anwendungsbreite erfahren.

- Was ist der Vorteil von Ethernet?

Ein bemerkenswerter Vorteil von Ethernet besteht darin, daß schon die Ebene des Informationstransportes standardisiert ist. Das heißt, jeder Teilnehmer im Ethernetverbund gibt seine Daten auf einheitliche Art und Weise auf die Leitung. Außerdem ist die Anschlußtechnik so standardisiert, daß wir hier ohne weiteres schon von einem Industriestandard sprechen dürfen. Aufgrund der hohen Übertragungsleistung können zukünftig nicht nur Daten und Texte, sondern auch Bilder, Grafiken oder Informationen in Sprachform innerhalb eines einheitlichen betrieblichen Telekommunikationsnetzes übermittelt werden. Die Realisierung derartiger In-House-Netzwerke wird dadurch gekennzeichnet, daß die benutzungsrechtlichen Vorschriften im privaten Bereich eine wesentlich liberalere Handhabung als bei öffentlichen Netzen zu lassen.

- Darf ich an den zweiten Teil der Frage erinnern? Warum hat sich Nixdorf als erster in Europa für Ethernet entschieden?

Insbesondere in Europa haben wir einen gewissen Fortschritt bei der innerbetrieblichen Datenverarbeitung erzielt. Es wird mehr und mehr gefordert, die computerunterstützten Bildschirmarbeitsplätze miteinander zu verbinden. Nixdorf möchte mit dazu beitragen, daß Ethernet die Standards einführt, die den Einsatz computergesteuerter Arbeitsplätze regeln. So wie Xerox vor allem an der Büromaschinentechnik mit Kopierern und papierverarbeitenden Geräten interessiert bleibt, Intel an der Produktion von Halbleitern und Digital Equipment im Bereich der Prozeßrechnertechnik, will Nixdorf die notwendigen Impulse für den Bürocomputer in das Ethernetkonzept mit einbringen.

- Welche Zielgruppe wird angesprochen?

Mit Ethernet sprechen wir zunächst einmal die Unternehmen an, die in den nächsten Jahren auf eine verstärkte Nutzung der Informationstechnik angewiesen sind. Dazu zählen heute nicht mehr allein die Groß-Unternehmen in der Bundesrepublik, sondern in zunehmendem Maße auch mittelständische Unternehmen. Gerade die mittelständische Wirtschaft steht vor dem Zwang, alle vorhandenen Ressourcen auf dem Informationssektor effektiver zu nutzen.

- Welche Nixdorf-Systeme kommen für Ethernet in Betracht?

Wir bieten unseren Kunden Systeme, um Daten- und Textverarbeitung integriert nutzen zu können. Wir überlegen, wie wir unsere Systemfamilien 8860, 8850 und 8870 über Ethernet verknüpfen können. Dazu gehört auch das textorientierte System 8840.

- Wie sieht Ihre Planung aus?

Wir werden auf der "Hannover Messe" und auf der "Systems" jeweils die Technologie von Ethernet am Objekt demonstrieren, um zu zeigen, was man damit alles machen kann und wie man diese Technik beherrscht. Für 1984 erwarten wir die ersten Pilotanwendungen.

- Welche Branche kommt als erste für das Netzwerk in Frage?

Im Bürobereich möchte ich beispielhaft Krankenhäuser, Hotels, Banken und Versicherungen und Behörden nennen, die eigentlich alle über einen gut funktionierenden Informationsverbund mit unterschiedlichsten Teilnehmersystemen verfügen müssen. Im Fertigungsbereich kommt beispielsweise die Stahl- und Automobilindustrie in Frage. Ethernet ist auch für forschungsintensive Industrien interessant, die dabei über das Koaxialkabel die verschiedenen Forschungslabors miteinander verbinden.