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11.10.1985

Nixdorf: Über Kampf zum IBM-Spiel finden

11.10.1985

In aller Stille hat die Mixdorf Computer AG (NCAG) in ihrer 8890-Einkaufspolitik eine Wende vollzogen: Sie vertreibt nunmehr auch IBM-kompatible Mainframes japanischer Provenienz. Daß sie die Nippon-Hardware über Ludwigshafen bezieht (Seite 1: "Japan-Rechner via BASF als 8890-Midlifekicker"), spricht für das kaufmännische Geschick der Paderborner, marktpolitisch ist diese Tatsache ohne Brisanz.

Gewiß: BASF stellt den eigenen PCM-Vertrieb nicht ein, so daß sich auf dem (Hochglanz-)Papier Überschneidungen ergeben (Produkt-Broschüren). Nixdorf ist indes in anderen Märkten tätig - man wird sich kaum in die Quere kommen. Eher müssen die Frischvermählten die Konkurrenz von National Advanced Systems (NAS) auf dem deutschen Markt fürchten - der amerikanische PCM-Anbieter kann für seine Rechner bekanntlich auch mit dem Prädikat "Made in Japan" werben, hat er doch mit Hitachi den gleichen OEM-Lieferanten. Ein Problem, mit dem die Japaner fertig werden müssen - Eile scheint freilich nicht geboten.

Zurück zum BASF-Nixdorf-Pakt: Keine spektakuläre Entscheidung des Patriarchen Heinz Nixdorf - und auch kein Schnellschuß: Bereits Ende der siebziger Jahre war Hitachi als Hardware-Partner von Nixdorf im Gespräch. Aus dem OEM-Deal mit den Japanern wurde allerdings nichts, weil den Paderbornern das Geschäft mit steckerkompatiblen Zentraleinheiten seinerzeit zu riskant erschien. IBM hatte gerade die 43XX auf den Markt gebracht und damit die PCM-Konkurrenz (Itel!) geschockt.

Heute gelten andere Voraussetzungen - und damit wären wir bei der Frage, welche Auswirkungen das OEM-Abkommen auf das Nixdorf-Tagesgeschäft hat. Es ist kein Geheimnis, daß die Nixdorf-Tochter C.I.S. (Compatible Informations-Systeme), mit dem 8890-Vertrieb betraut, zuletzt klamm geworden ist. Mit ihrem Engagement, der IBM Mittelklasse-Installationen abzujagen, lagen die C.I.S.-Mannen völlig daneben. Die auf Sicherheit bedachte 43XX-Klientel ist verunsichert: Wie geht es auf der Betriebssystemseite weiter? Läßt Big Blue DOS/VSE sterben? Was wird mit VM? Und welche Bedeutung mißt der Mainframe-Marktführer Unix bei? Stimmungsmache ist dabei, und viele durchschauen das Spiel - doch die Taktik der 43XX-Anwender heißt "Abwarten".

Was nun den 8870-Kundenpark betrifft, in dem mit rund 35 000 Installationen ein stattliches Migrations-Potential in Richtung 8890 steckt, so wurde der C.I.S.-Crew im eigenen Hause Konkurrenz gemacht: Die Paderborner haben ihre Butter-und-Brot-Maschine ständig ausgebaut und leistungsstärker gemacht, so daß für 8870-Kunden kein Performance-Engpaß entstand.

Das Ergebnis ist bekannt: Die 8890-Verkäufe liefen für Nixdorf keineswegs zufriedenstellend. Nach vier Jahren kann die C.I.S. zwar auf annähernd 800 Installationen verweisen, zum Wachstum des 3-Milliarden-Mark-Unternehmens (Umsatz 1984) trug das 8890-Geschäft in 48 Monaten freilich nur mit rund 300 Millionen Mark bei.

Daß die NCAG am unrentablen PCM-Business festhält, es durch Midlifekicker aus Japan sogar ankurbeln will, läßt auf eines schließen: Über den Kampf (und über Mißerfolge) will der Hobby-Sportler Heinz Nixdorf den Angstgegner Big Blue stets im Visier - zum Spiel finden, um doch noch in die blaue Domäne einzudringen. Mit dem IBM-Trauma muß er leben.