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11.04.1986 - 

Paderborner müssen sich gegen Bankmacht und Übernahme-Ansinnen verteidigen

Nixdorf-Vorstand: Wir bleiben eigenständig

FRANKFURT/MÜNCHEN (CW) - Unmißverständlich hat der neue Vorstandsvorsitzende der Nixdorf Computer AG, Klaus Luft, bei der Präsentation der Bilanz 1985 darauf hingewiesen, der Paderborner Konzern plane ein "Wachstum in Eigenständigkeit". In Bankerkreisen waren in letzter Zeit Gerüchte aufgetaucht, VW, Bosch oder Philips wollte groß bei Nixdorf einsteigen.

Die Erfolgsbilanz des letzten Geschäftsjahres, das noch unter der Ägide des Firmengründers Heinz Nixdorf abgeschlossen wurde, hat der frischernannte Unternehmenschef Klaus Luft am Dienstag in Frankfurt vorgestellt. 3,93 Milliarden Mark Umsatz, ein mit 3,94 Milliarden fast identischer Auftragsbestand zum Jahreswechsel und eine Dividendenerhöhung auf 20 (bisher 18) Prozent sind die Kennzahlen des Geschäftsjahres 1985. Während der Umsatz "nur" um ein Fünftel gestiegen sei, habe sich der Jahresüberschuß um 43 Prozent auf 172 Millionen Mark erhöht. Die Aktionäre sollen von dem Ergebnis profitieren, indem sie zehn Mark Dividende pro 50Mark-Anteilsschein kassieren dürfen; die Aktien aus der Kapitalerhöhung von 1985 sind allerdings nur mit halber Dividendenberechtigung ausgestattet: Da gibt's bloß fünf Mark.

Die Dividende dürfte indes viele Anleger relativ kalt lassen, denn sollte sich ein hartnäckiges Gerücht bewahrheiten, so wären die paar Mark pro 600 Mark teure Aktie kleine Fische. Aus Frankfurter Bankkreisen drang die Kunde nach außen, die Deutsche Bank (sie hat Nixdorf an die Börse gebracht) bestehe darauf, daß sich das Paderborner Unternehmen einen finanzstarken Partner sucht. Außer Bosch und Philips wurde auch der Name VW ins Gespräch gebracht - ein Gerücht, das Anfang letzter Woche dadurch Auftrieb erhielt, daß die VAG-Tochter Triumph-Adler Verhandlungen mit dem Konkurrenten Olivetti zugab. Zwar waren die Äußerungen nicht als Bestätigung dafür auszulegen, daß VW jetzt konkret den Ausstieg aus dem Nürnberger Büromaschinenkonzern sucht, aber als Dementi taugte die Antwort auch nicht gerade. Der Verkaufserlös würde auf jeden Fall für eine kräftige Beteiligung des Autoherstellers bei Nixdorf ausreichen.

Klaus Luft jedenfalls scheint dieser Gedanke ebensowenig zu behagen wie bislang Heinz Nixdorf. Entschieden wies er in Frankfurt Spekulationen über eine mögliche Übernahme zurück. Zumindest aus dem Erbteil von Heinz Nixdorf wird nichts verkauft. Obwohl das Testament noch nicht eröffnet ist, gab Luft bekannt, daß zwei "unternehmensnahe" Stiftungen an die Stelle des Kapitaleigners Nixdorf treten. Gegen die Deutsche Bank kann Luft nicht viel unternehmen; er braucht sie unter anderem, um geplante Kapitalerhöhungen in den nächsten Jahren zu plazieren. Zwar sind 2,27 Milliarden Mark Eigenkapital eine solide Basis für die AG; 54 Prozent der Bilanzsumme sind das immerhin. Doch für die Expansion in den Wachstumsmärkten wie etwa Kommunikationstechnik ist nach Einschätzung von Marktkennern eine noch dickere Kapitaldecke nötig. In der Hauptversammlung, die im Juni zusammentrifft, wird der Vorstand den Aktionären vorschlagen, 120 Millionen Mark genehmigtes und 75 Millionen Mark bedingtes Kapital zu beschließen, letzteres als Voraussetzung dafür, binnen der nächsten fünf Jahre Optionsschuldverschreibungen in einem Volumen bis zu 500 Millionen Mark emittieren zu können, ersteres als Grundlage für die Akquisition von 1 Milliarde Mark am Geldmarkt.

Bei diesem immensen Kapitalbedarf ist ein "Management by Bankers" eine von Finanzfachleuten für naheliegend erachtete Konsequenz. Die Übernahme des Chefsessels durch Klaus Luft könnte die Deutsche Bank als Angriffspunkt nehmen, ihren Einfluß auszubauen und der AG einen großen Partner zu verpassen, meint dazu ein Münchner Analyst, "denn der Luft hat ja nicht das Format vom Nixdorf".