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Nicht-lBM-Anbieter knüpfen Kooperationsnetz immer enger


27.11.1987 - 

Nixdorf: Vorteil durch Unix-Deal mit Cincom

MÜNCHEN (qua) - Unter den Nicht-lBM-Anbietern setzt sich die Meinung durch, daß der Big-Blue-Dominanz mit Unix gegengesteuert werden muß. Jüngstes Beispiel dafür ist ein Kooperationsabkommen zwischen der Paderborner Nixdorf AG und der Cincom Systems Inc., Cincinnati. Ziel der beiden Vertragspartner ist die Durchsetzung von Hardware-unabhängigen Systemstandards.

"IBM will immer etwas eigenes, das sich von den Produkten aller anderen Hersteller unterscheidet", kommentiert Cincom-President Thomas Nies die IBM-Taktik, andere Hersteller von den eigenen Entwicklungen auszuschließen. "Die stehen da wie die Berliner Mauer." Deshalb setze auch Cincom auf Hersteller-unabhängige Standards wie Unix. Er sei davon überzeugt, daß sich der Unix-Markt "zu einem der größten der Welt" entwickle. Diese Ansicht teilt er mit Nixdorf-Vorstand Klaus Luft: "Unix wird ein internationaler Standard - gerade auch für kommerzielle Anwendungen."

Um dem Marktführer Paroli bieten zu können, sind laut Nies Investitionen erforderlich, die ein Unternehmen allein nicht verkraften könne. Konkret rechnet das Cincom-Oberhaupt für die nächsten Jahre mit einem Gesamtaufwand der beiden Kooperationspartner von einer halben Milliarde Dollar.

Nach Angaben von Luft besteht die Cincom-Mitgift für diese Partnerschaft vor allem in den Erfahrungen der Amerikaner auf den Gebieten Netzwerk-Management und CIM. Darüber hinaus könne die Sofware-Schmiede den Paderbornern bei der Erschließung des US-Marktes behilflich sein. Ein Nahziel des Kooperationsvertrags sei es denn auch, die Vertriebswege von Cincom zu nutzen, um das eigene Datenbank-Management-System "Reflex" zu verbreiten.

Cincom ist nach den Worten Nies' ebenfalls an internationalen Kontakten interessiert. Denn Schutzzölle und Protektionismus könnten dazu führen, daß die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigt werde.

Wichtig ist für den Cincom-Chef insbesondere die Tatsache, daß die Nixdorf-Rechner auf denselben Markt zielen wie die 9370-Maschinen des blauen Riesen. Prophezeit der Amerikaner: "Die Zeit der großen Mainframes geht zu Ende." So ist denn auch die dezentrale Datenverarbeitung einer der Schlüsselbegriffe im gemeinsamen Konzept der Vertragspartner; dazu gehört beispielsweise die Entwicklung eines verteilten Datenbanksystems, dessen Serienreife für 1989 geplant ist.

Mit definitiven Produkt-Informationen halten sich die beiden Hersteller derzeit noch zurück - insbesondere in bezug auf ihre Datenbank-Management-Systeme. Das Nixdorf-DBMS ist zwar vor allem für Unix-Maschinen ausgelegt, läuft intern jedoch bereits unter MVS. Cincom offeriert mit "Supra" ebenfalls ein relationales Datenbankprodukt für große IBM-Anlagen. Daß sich das Softwarehaus mit "Reflex" möglicherweise ein Kuckucksei ins Nest geholt haben könnte, steht für Ernst Hofmann, Geschäftsführer der Frankfurter Cincom Systems GmbH & Co oHG, nicht zur Diskussion: "Im Gegenteil, wir werden damit auch unsere Kundenbasis für Supra vergrößern können."

SQL-Schnittstelle für Supra bereits geplant

Noch nicht spruchreif ist offensichtlich, inwieweit es Schnittstellen zwischen Reflex und Supra beziehungsweise ein übergeordnetes Architektur-Konzept geben wird, das mit der Systems Application Architecture von IBM konkurrieren kann. Auf keinen Fall, so Hofmann, werde Supra zugunsten von Reflex aus dem Markt genommen. Vielmehr sei ein erstes Ziel des Vertrags mit Nixdorf, innerhalb des nächsten Jahres eine SQL-Schnittstelle nach ANSI-Standard für Supra zu entwickeln.