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15.06.1990

Nixdorf: Weiter im Blindflug?

15.06.1990

Unvergeßlich die Filmszene, in der Anthony Quinn als Alexis Sorbas zusehen muß, wie seine selbstgebastelte Förderanlage zu Bruch geht. Erst ungläubiges Staunen, dann ein Ur-Lachen, schließlich der erlösende Satz: "Hat schon jemand etwas sooo schööön zusammenkrachen sehen?" Es mag zynisch klingen, aber man wünschte dem derzeitigen Nixdorf-Chef Horst Nasko etwas von dieser Gelassenheit. Grund zum Sorbas-Lachen hat er.

Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Verantwortlich für das Nixdorf-Desaster war das Gespann Klaus Luft und Arno Bohn - beide sind nicht mehr im Unternehmen. Der Vertriebsmann Bohn verschaffte sich einen guten Abgang, indem er ein Mitverschulden an der Misere einräumte, gleichzeitig jedoch durchblicken ließ, daß Korrekturmaßnahmen gegen den starken Mann Klaus Luft nicht durchsetzbar gewesen seien. Dieser betätigte sich wider besseren Wissens als Schönwetter-Prophet (siehe "Aus dem CW-Archiv").

Wenn es um die Bekanntgabe von vermeintlich interessanten Geschäftsabschlüssen ging, waren die PR-Leute der Nixdorf Computer AG indes oftmals schneller, als ihrem damaligen Boß lieb sein konnte. Nixdorf-Computer hier, Nixdorf-Computer da, Nixdorf-Computer in Amerika - eine Erfolgsmeldung jagte die andere. Prestige-Aufträge dieser Art haben es bekanntlich so an sich, gründlich danebengehen zu können. Tatsächlich müssen im vergangenen Jahr die Projektlinien bei Nixdorf in vielen Fällen direkt von den (Un-)Verantwortlichen zu einem großen Loch in der Kasse verlaufen sein. Daß bis zum 31. Dezember 1989 ein rekordverdächtiger Jahresfehlbetrag von mehr als einer Milliarde Mark zusammenkam, erfährt die Öffentlichkeit freilich erst jetzt, nach mehr als fünf Monaten - und das ist gar nicht zum Lachen. Anwender und Aktionäre wurden lange über die wahre Lage bei Nixdorf im unklaren gelassen - zu lange, meinen nicht nur die Betroffenen. Unsere Gesetze tolerieren das zwar, die feine Art ist es nicht.

Schwacher Trost: Immerhin rücken die Paderborner mit der Hiobsbotschaft, daß nämlich die Verluststrähne auch im laufenden Rumpfgeschäftsjahr nicht abreißen wird, ungewöhnlich schnell heraus. Es ist anzunehmen, daß hier bereits Siemens-Manager Regie führten. An einer Verschleierung der Tatsachen kann ihnen nach den Nixdorf-Erfahrungen nicht gelegen sein. Aus den Fehlern Lufts sollten sie gelernt haben.

Aus dem CW-Archiv

"Wenn doch die schwache Nixdorf-Sache klar ist: Warum spricht Klaus Luft ständig durch die Blume, von Konsolidierung und dem Schritt nach vorn? Luft muß wissen, daß Ausweichen neue Nachdenklichkeit bei Anwendern und Konkurrenten erzeugt. Und neue Fragen aufkommen läßt."

CW-Nr. 11 vom 10. März 1989, Kolumne