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28.04.1989 - 

Mini-Dividende schützt vor möglicher Übernahme:

Nixdorf will Europa ohne Partner angehen

FRANKFURT (ujf) - Die Ausschüttung einer aus außerordentlichen Erträgen finanzierten Dividende soll helfen, die Eigenständigkeit der Nixdorf AG zu bewahren. Diese Ansicht von Beobachtern bestätigte das Computerunternehmen indirekt mit dem Statement, nun würden keine "neuen Konstellationen in den Stimmrechten eintreten". Letzteres wäre Voraussetzung für einen Verkauf des Konzerns.

Mit einer ausgesprochenen Minimaldividende von vier Mark je stimmrechtslose Vorzugsaktie rettete sich der Vorstand der Nixdorf Computer AG fürs erste vor einem Aufstand der Aktionäre. Denn fiele die Dividende nur zweimal aus, würden die "Vorzüge" mit Stimmrechten ausgestattet, so daß die Inhaber der börsennotierten Aktien fortan auf der Hauptversammlung über die Zukunft der Aktiengesellschaft mitentscheiden dürften. Vor allem aber würden die dann den "Stämmen" gleichberechtigten Aktien attraktiv für Industrieunternehmen die sich bei Nixdorf engagieren wollen.

Unter dieser Konstellation könnte ein Konkurrent bis zu 50 Prozent der Nixdorf AG an der Börse zusammenkaufen, denn die Vorzugsaktien bilden genau die Hälfte des Kapitals. Da die (auf jeden Fall stimmberechtigten) Stammaktien nicht allein von den Stiftungen kontrolliert werden, sondern minderheitlich von den Hinterbliebenen des Gründers Heinz Nixdorf, müßte ein kaufwilliger Konzern lediglich die Familie Nixdorf dazu bringen, sich von ihren Anteilen zu trennen, um die Kontrolle über die Gesellschaft zu erlangen.

Um diese Gefahr abzuwenden, stieß der Konzernvorstand die 99prozentige Beteiligung an der Grundstücksverwaltungs-Tochter Nixdorf Computer Haus GmbH & Co. ab, die an verschiedenen Standorten "Dienstleistungszentren" unterhielt, die an die AG vermietet waren. Der Erlös in Höhe von 152,8 Millionen Mark reichte aus, nach Abzug des Verlustes aus der "gewöhnlichen Geschäftstätigkeit" (59,8 Millionen Mark) und der Steuern (66,7 Millionen Mark) noch einen Jahresüberschuß in Höhe von 26,4 Millionen Mark auszuweisen, aus dem nun die Dividende finanziert werden kann.

Um den Aktionären in Zukunft wieder einen Bonus zahlen zu können, der aus "echten" Erträgen stammt, will der Vorstand unter Klaus Luft nun verstärkt das Auslandsgeschäft angehen. Denn in der Bundesrepublik leidet Nixdorf unter Stagnation: Der Inlandsumsatz ist 1988 nur noch um 2,3 Prozent gewachsen (auf 2,8 Milliarden Mark). Außerdem muß hier die "Beruhigung" (Luft) des übersättigten Bankenmarkts erst einmal kompensiert werden, bevor per saldo wieder Wachstum möglich ist. Horst Naskos Telekommunikationsbereich stopft heute mit der 8818 zumindest einen Teil der Löcher, die sich im angestammten Markt aufgetan haben.

Hoffnungen setzt das westfälische Computerunternehmen auch in seine derzeit am stärksten wachsenden Zielmärkte, also öffentliche Verwaltungen und Handel. Im letzteren Bereich konnte Nixdorf nicht nur in Deutschland wichtige Großaufträge an Land ziehen, über deren Rentabilität freilich nichts bekannt ist. Auf jeden Fall soll das dringend benötigte Absatzplus vor allem aus dem europäischen Ausland kommen, das den Paderbornern bereits im vergangenen Jahr mit acht Prozent Zuwachs und 40 Prozent Umsatzanteil Grund zu Optimismus gab. Die "übrigen Länder", darunter die USA und Australien, findet man trotz ihrer hohen Steigerungsraten noch unter "ferner liefen": Sie steuerten 1988 erst sieben Prozent oder 377 Millionen Mark zum Umsatz bei - zu wenig, um in naher Zukunft das Blatt für den Konzern wenden zu helfen.