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Kursverfall der einstigen Paradeemission geht weiter:


09.12.1988 - 

Nixdorf wird für Deutsche Bank zum Risiko

Die relative Schwäche der Gruppe Datenverarbeitungsaktien an den Weltbörsen setzt sich fort. Dabei gehörte Nixdorf mit einem Kursverlust von noch einmal 20 Prozent zu den schwächsten Titeln der Branche. Herbe Kursrückschläge mußte an der Wall Street auch Unisys verkraften. Gut im Rennen liegt hingegen Digital Equipment.

Am deutschen Aktienmarkt wird der Kursverfall der Nixdorf-Papiere mit Argusaugen beobachtet. Schließlich galt das Paderborner Unternehmen jahrelang als Paradeemission der Deutschen Bank. Unbestätigten Börsengerüchten zufolge will jetzt aber die Deutsche Bank versuchen die Nixdorf-Risiken abzubauen. Vom Unternehmen selbst war hierzu keine Bestätigung zu erhalten.

Andere Banken sollen jetzt helfen

Die Deutsche Bank AG hat in den vergangenen Monaten mit einer Reihe von Emissionen Schwierigkeiten bekommen. Auf jeden Fall ist dem führenden Emissionshaus zugute zu halten, daß das Emissionsgeschäft angekurbelt wurde und der deutsche Aktienkurszettel um einige interessante Titel bereichert werden konnte. Nach der Schwierigkeit im Umfeld der Asko-Kapitalerhöhung wird sich die Deutsche Bank jedoch besonders vorsichtig auf dem Parkett bewegen.

Gerade das Beispiel Asko zeigt, welche Ruf- und Kapitalrisiken sich für eine Bank, die wie die Deutsche Bank Universalbank ist, ergeben können, wenn sie sowohl als Konsortialführer einer Emission/Kapitalerhöhung als auch als Kreditgeber fungiert. Im Unterschied zu Nixdorf wurde bei Asko aus der Bilanz des Jahres 1987 ersichtlich, daß sich die Verbindlichkeiten gegenüber Bankinstituten beinahe verzehnfacht hatten. Zur Rückführung dieser Verbindlichkeit und Verbesserung der Eigenkapitalausstattung wurde eine Kapitalerhöhung vorgenommen. Auf diesem Weg verlagerte man die Risiken aus den Büchern der Bank in die Depots der Aktionäre.

Das Anschwellen von Verbindlichkeiten in ähnlicher Größenordnung ist aus dem Nixdorf-Geschäftsbericht 1987 nicht ersichtlich. Daß Kapitalbedarf vorhanden ist, erkennt man jedoch am Verkauf und der anschließenden Rückmietung vom Immobilien durch Nixdorf in einer Größenordnung von 300 Millionen Mark. Die Deutsche Bank aber kann sich derzeit ein Nixdorf-Debakel weder als Finanzinstitut noch als Emissionshaus leisten. Der Rufschaden, der etwa im Zusammenhang mit der Kapitalrückführung bei der Klöckner KGaA entstanden ist, darf nicht unterschätzt werden. Die Genußscheininhaber haben mehrere hundert Millionen Mark verloren, weil ein Wertpapier wertlos geworden ist, das mit Hilfe der Deutschen Bank an die Börse gebracht worden war.

Auch die Umstände der Asko-Kapitalerhöhung - hier ging es immerhin um 800 Millionen Mark - bleiben höchst umstritten. Verschreckt durch den Coop-Skandal drängt die Deutsche Bank jetzt auf einen Wechsel der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das Thema Asko/Deutsche Bank wird jedenfalls noch hohe Wellen schlagen. Vor diesem Hintergrund ergeben die Börsengerüchte Sinn, die Deutsche Bank versuche, andere Banken stärker in die Mitverantwortung bei Nixdorf einzubinden. Im Gespräch ist vor allem die Westdeutsche Landesbank.

Die Herabstufung des Gewinns je Nixdorf-Aktie von 18 auf 13 Mark durch die Deutsche Bank sowie die kritische Berichterstattung in den Medien hat zuletzt noch einmal für einen Kursdruck gesorgt. Die Situation ist unübersichtlich. Nixdorf umfaßt knapp 100 Konzerngesellschaften und assoziierte Unternehmen. Zur Zeit liegt kein klarer Geschäftskurs vor. Umstrukturierungen wurden angekündigt. Vor diesem Hintergrund wäre es unvorsichtig, die Nixdorf-Aktie zu kaufen, auch wenn dies von verschiedenen Seiten mit

dem Argument, die Aktie habe sich beinahe gedrittelt, empfohlen wird. Da aber eine Bereinigung der entstandenen Probleme nicht kurzfristig zu schaffen ist, wird nach ausreichender Bodenbildung des Kurses noch genügend Zeit zum Wiedereinstieg in Nixdorf bleiben. Jetzt heißt es erst einmal, diese Aktie zu meiden.

An der Wall Street haben zur Zeit Mark-Anleger wenig Freude. Wie das Kursbild des Dow-Jones-lndex in Mark gerechnet zeigt, befindet sich der Markt in einem Abwärtstrend. Innerhalb der schwachen Branchenentwicklung haben sich IBM und Digital Equipment noch verhältnismäßig gut gehalten. Prime Computer sprangen als Übernahmesituation um knapp 20 Prozent (in Mark gerechnet). MAI Basic Four bietet 20 Dollar pro Aktie des ausstehenden Aktienkapitals von Prime Computer. Marktbeobachter halten dies für einen fairen Preis und räumen dem Übernahmeangebot gute Chancen ein. Der Unternehmensschwerpunkt liegt im Bereich der Minicomputer und interaktiver Computersysteme. Aufgrund des Zusammengehens mit Computervision hat sich die Bilanzstruktur von Prime verschlechtert. Deshalb dürfte es dem Minimaker auch schwerfallen, das Übernahmeangebot abzuwehren.

Wenig Freude für Mark-Anleger in den USA

Zu den schwachen Werten gehörten auch die Aktien von Unisys, die auf unter 45 Mark zurückfielen Für die Kursrückschläge gibt es viele Ursachen. Zum einen entwickelten sich die Auftragseingänge bei Unisys schlechter als erwartet, so daß der Titel von der Empfehlungsliste einiger Brokerhäuser gestrichen wurde. Zum anderen wurden die Synergieeffekte des Zusammengehens von Burroughs mit Sperry von etlichen Marktbeobachtern überschätzt. Aus der Elefantenhochzeit ist ein stattlicher Schuldenberg zurückgeblieben. Sperry kann deshalb zu den besonders zinsreagiblen Titeln gerechnet werden. Diese Zinsunsicherheit der vergangenen Wochen trug deshalb ebenfalls zur Kursschwäche bei.

Die Turbulenzen an den Anlagemärkten wurden nicht nur durch stärker aufkeimende Inflationsfurcht verursacht; in den USA verunsichert zusätzlich die Diskussion um die Veränderung der steuerrechtlichen Rahmenbedingungen für Unternehmensanleihen. Auch in den Vereinigten Staaten verfolgt man mit Sorge die Folgen der Übernahmewelle. Aktienkapital verschwindet durch Aktienrückkäufe beziehungsweise durch Aufkäufe von Aktien fremder Unternehmen; die hierfür erforderlichen Kaufpreise werden finanziert, indem die Käufer Anleihen auflegen; Eigenkapital wird in Fremdkapital umgewandelt. Dies hat in den vergangenen vier Jahren dazu geführt, daß netto weit über 300 Milliarden Dollar Aktienmarktkapitalisierung in den USA (um Kapitalerhöhungen und Neuemissionen bereinigt) "verschwunden" sind.

Zurecht befürchten Marktbeobachter, daß im Falle einer Rezession durch das starke Anschwellen der Schuldenlast die Anfälligkeit der Unternehmen für Ertragsrückgänge deutlich gewachsen ist. Deshalb diskutiert man darüber, auf welche Weise die Verschuldungsbereitschaft der amerikanischen Unternehmen gebremst werden kann. Kernpunkt der Diskussion ist zur Zeit der Abbau der steuerlichen Bevorzugung von Zinsaufwendungen im Vergleich zur Dividende. Zinsen lassen sich steuerwirksam aus dem Vorsteuereinkommen des Unternehmens leisten, Dividenden müssen aus dem versteuerten Einkommen bezahlt werden. Darüber hinaus gibt es in den USA kein Verfahren zum Ausgleich der Doppelbesteuerung von Unternehmenserträgen (Körperschafts- und Einkommensteuer), so wie dies bei uns der Fall ist.

Die Diskussion hat in den vergangenen Wochen zu erheblicher Verunsicherung geführt. Da eine Veränderung der steuerrechtlichen Rahmenbedingungen in der Regel auch für vollzogene Übernahmen wirksam werden würde, sind einige Unternehmen, die sich in der Vergangenheit besonders hohe Verbindlichkeiten aufgebürdet haben, mit ins Gerede gekommen.

Big Blue und Digital bleiben relativ stabil

Neben IBM entwickelte sich Digital Equipment vergleichsweise stabil. Mit einem Umsatzerlös von 11,5 Milliarden Dollar zählt das Unternehmen zu den größten Computerherstellern der Welt. Auf dem Gebiet der Netzwerktechnologie und bei integrierten Informationssystemen ist DEC führend. Weltweit ist der Minimaker mit über 650 Niederlassungen, Produktionsbetrieben sowie Forschungs- und Entwicklungszentren in 64 Ländern vertreten. Von 1983 bis 1987 kletterten die Einnahmen und der Gewinn pro Aktie im Durchschnitt um 22 beziehungsweise 36 Prozent im Jahr. Der Erfolg der Gesellschaft beruht nach der Ansicht von Marktkennern vor allem auf der hohen Qualität der Systeme und der Zuverlässigkeit der Dienstleistungen.

Im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr (30. Juni 1988) verlangsamte sich das Gewinnwachstum je Aktie allerdings auf 16 Prozent. Insbesondere der zentrale Produktbereich Minicomputer bereitete Probleme. Auch im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres konnte das alte Gewinnwachstum nicht erreicht werden. Im Gegenteil: Aufgrund kräftiger Kostensteigerungen fiel der Gewinn pro Aktie um 16 Prozent niedriger aus als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Geschäftsjahr 1988/89 ist nun mit einem Gewinnrückgang zu rechnen.

Digital Equipment verfolgt die Strategie der Marktanteilsvergrößerung. Für das laufende Geschäftsjahr peilt man einen Umsatzanstieg von etwa 15 Prozent an. Die Höhe der Margen hat ihre Ursache also nicht in der Umsatzentwicklung; diese ist bei den Kosten zu suchen.

Mittel- und langfristig jedoch sind die Geschäftsperspektiven für das Unternehmen gut. Digital Equipment verfügt über eine gute strategische Marktstellung. Die Leistungsfähigkeit der lokalen und interkontinentalen Netzwerke bietet dem Kunden hohe Flexibilität. Vor diesem Grund gehört DEC zu den interessantesten DV-Unternehmen. Die Aktie ist eine lohnende Depotbeimischung. Dennoch sollte man aufgrund der Kostenprobleme, die noch mehrer Quartale anhalten dürften, mit Käufen von DEC-Aktien noch warten.