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15.09.1988

Nixdorfs Erbe

Es paßt zur bisherigen Berichterstattung der deutschen Tages- und Wirtschaftspresse über Nixdorf, daß der Paderborner DV-Anbieter jetzt gegen "Nörgler", "Skeptiker" und "Gerüchtemacher" in Schutz genommen wird. So verweist die "Frankfurter Rundschau" auf die unbestreitbare Tatsache, daß das Unternehmen "unverdrossen Arbeitsplätze schafft" - vielleicht liege ja gerade darin, so das Blatt, "das Geheimnis der unendlichen (?) Erfolgsgeschichte".

"Erfolg", "Geheimnis", "unendliche Geschichte" - und dann doch mit Fragezeichen: Damit wird man dem Nixdorf-Phänomen nicht gerecht. Aber wenn schon eine Arbeitsplatz-Bilanz aufgemacht wird, dann müssen auch die Sollposten addiert werden. Bedenkt man, daß deutsche MDT-Firmen wie Kienzle, CTM, PCS, Dietz, Triumph-Adler, Olympia, AEG-Telefunken, David Computer, Ruf, Herzke, Taylorix

und Facit gehörig Federn lassen mußten (Entlassungen); bedenkt man weiter, daß die "Tüftler aus Westfalen" (O-Ton Frankfurter Rundschau) zur Verschärfung des MDT-Wettbewerbs erheblich beigetragen haben, dann können die Paderborner soviel Leute einstellen, wie sie wollen: Unterm Strich sieht's düster aus für die bundesdeutsche Computer-Industrie.

Nixdorf wird man bei dieser Auf-und-nieder-Rechnung nicht ausklammern können. Drei Dinge sind zu beachten:

1) Nixdorf hat Weltmarkt-Ambitionen - doch das Ergebnis (USA) ist mager.

2) Im Mittelstandsgeschäft stützt sich die Firma auf Proprietary-Systeme ab (8870), kann dadurch in einen für sie gefährlichen Strudel geraten: Der Anwenderauftrag lautet auch hier, "offene Systeme" (Unix!) zu forcieren.

3) Last but not least: Es fehlt, etwa bei den Targon-Workstations, am eigenen Entwicklungs-Know-how.

Ein nüchternes Urteil zur Lage der deutschen "DV-Nation" muß nicht heißen, für die Paderborner schwarzzusehen. Mit falschem Trost ist ihnen nicht geholfen.

Wiederbelebung

Neue Modelle 30 des PS/2 werden die technische Zweiteilung dieser Familie nicht aufheben. Die Entscheidung, den in einer Vielzahl von Clones eingesetzten AT-Bus neu zu beleben, hat zwei Aspekte.

Big Blue hat verstanden, daß in einer großen Zahl von Unternehmen derzeit weder Mikrokanal noch OS/2 gefragt sind. Erst jetzt wurde in Boston eine Untersuchung veröffentlicht, daß die Mehrzahl der großen Unternehmen den Wechsel von DOS zu OS/2 frühestens 1990 in Angriff nehmen wird. Wenn aber weder Mikrokanal noch OS/2 gefragt sind, wird das Geschäft auch für das PS/2 härter. Ein PS/2 unter DOS zu betreiben, ist nicht das Gelbe vom Ei.

Also gilt es, der Nachfrage nach leistungsstärker, wenngleich auch "alter" Technik, ein marktkonformes Angebot gegenüberzustellen. Wenn der neue PS/2-AT schon heute aufgrund seiner Preisgestaltung im Ruf eines "Clone-Killers" steht, wird deutlich, was die Zielrichtung der IBM ist. Für den Anwender kann das nur gut sein: Die Zahl der Alternativen hat sich um eine erhöht.

Der andere Aspekt: Unauffällig führt Big Blue den bis dato noch zaudernden Kunden an das PS/2-Logo heran - und gewöhnt ihn so an den Upgrade-Gedanken. Das ist legitim. Nur soll sich der Kunde nichts vormachen: An der Mikrokanalgrenze muß er wieder wach sein.