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26.09.1980 - 

Marketing-Ziel heißt Ablösung von IBM-Anlagen ohne Software-Umstellung:

Nixdorfs Mainframe Debütanten; wandeln auf DOS Pfaden

MÜNCHEN/PADERBORN - Ehrgeizige Ziele hat sich die Nixdorf Computer AG, Paderborn, gesteckt: Die Westfalen wollen ihre ersten IBM-kompatiblen Zentraleinheiten 8890 "kurzfristig" in einer Stückzahl von hundert im Jahr installieren. IBM-Treue verhinderte aber bislang in der Bundesrepublik nennenswerte Erfolge der "Plug Kompatible Manufacturers" (PCM) auf dem schwierigen Markt der Anti-IBM-Zentraleinheiten. "Viele Anwender sehen mittlerweile die Gefahr, immer abhängiger von einem Hersteller zu werden", begründet der stellvertretende Nixdorf-Vorstandsvorsitzende Klaus Luft den Optimismus der Paderborner. Zwanzig Installationen im kommenden Jahr wären nach Ansicht von Experten dennoch wohl schon ein großer Erfolg.

Die mit Lizenzen des israelischen Minicomputer- und Terminal-Herstellers Elbit Computer Ltd., Haifa, entwickelten "Mainframe-Anlagen " (Originalton Nixdorf werden vom Nixdorf-Geschäftsbereich "Compatible Informations-Systeme/C.I.S.", München, betreut. Sie sind ähnlich dimensioniert wie die 4331er Modelle des Marktführers IBM, die sie auf Maschinencode-Ebene nachbilden (siehe Tabelle Seite 3). Nixdorf-Kommentar: "Das Gesamtsystem folgt den Principles of Operation System /370."

"Volle" DOS-Verträglichkeit garantiere das von der amerikanischen "The Computer Software Company" (TCSC) entwickelte und nach C.I.S.-Angaben bisher weltweit 750mal installierte Betriebssystem EDOS (Extended Disk Operating System), das von Nixdorf im Mai dieses Jahres samt "Company" übernommen wurde (CW 20 vom 16.5.80). Die neue Software-Tochter firmiert als "Nixdorf Computer Software Co." (NCSC).

Von den IBM-Betriebssystem-Strategien "schwindlig gespielt" zu werden, bereite Nixdorf keine Kopfschmerzen, wiegelte Luft den Einwand ab, daß zukünftig alle DOS-Releasewechsel nachvollzogen werden müßten: "In dem Tempo, in dem die Benutzer die Änderung vollziehen, können wir es auch."

Dem NCSC-Produkt EDOS haben die Paderborner ein "eigenes" 8890-Betriebssystem mit der Bezeichnung "Nixdorf Disk Operating System" (NIDOS) an die Seite gestellt. "Der Kern der beiden Betriebssysteme ist gleich - und er soll auch gleich bleiben", erklärt C.I.S.-Boß Gerd Wagner.

Nixdorfs DOS-Derivate auf Elbit Hardware sollen DOS- und DOS/VS-Anwendern von IBM-Anlagen /360 /370, 303X und 4300 sowie Aufsteigern aus dem eigenen 8870-Kundenkreis gleichermaßen mehr Verarbeitungskomfort bieten. Gleichwohl will Nixdorf sie weder als reine 4331-Gegenstücke noch als Parkkiller verstanden wissen. Vielmehr wolle man IBM-Kunden mit Leistungsanreizen für verbessertes Distributed Data Processing (verteilter DV-Einsatz) an sich binden. "Bei großen Unternehmen", so Luft, "bleibt die Situation, was die Zentraleinheit betrifft, unberührt." Und die Anwender der zur 8890 inkompatiblen 8870-Familie könnten innerhalb der Produktlinie selbst wachsen.

Ob Nixdorf damit eine Marktnische abdeckt, konnte auch eine CW-Blitzumfrage bei Anwendern nicht klären (siehe Seite 4). Nixdorf bietet das System 8890 in den Modellvarianten 8890/30 und 8890/50 an, die sich in Rechnerleistung, Hauptspeichergröße und Peripherie-Ausstattung unterscheiden.

Das Architektur-Prinzip der mikroprogrammierten Zentraleinheiten beruht darauf, daß Verarbeitung, Ein-/ Ausgabe-Steuerung und Diagnose in unabhängigen Prozessoren ablaufen, die über ein verzweigtes Bus-System, ein Geflecht von Datenpfaden, verbunden sind - eine Rechnerarchitektur, wie sie beispielweise den Minicomputern von Digital Equipment eigen ist. Ähnlich strukturiert sind aber auch die 8500er Modelle von NCR.

An der Spitze der 8890-internen "Kommunikations-"Hierarchie steht ein Zentral-Bus mit einer Übertragungsrate von neun Megabytes pro Sekunde; jeder Ein-/Ausgabe-Bus leistet fünf Megabyte pro Sekunde.

Der Rechner arbeitet im Modell 30 ohne, im Modell 50 mit einer Instruktions-Vorverarbeitungseinheit, die Befehle überlappt verarbeitet. Die Mikroprogrammierung gewährleistet laut Nixdorf, daß neue oder erweiterte Instruktionssätze emuliert, zusätzliche Betriebssystemfunktionen implementiert und bei Bedarf Teile der Systemsoftware in das Mikroprogramm verlagert werden könnten.

Unterstützt werden nach C.I.S.-Angaben der IBM /370-lnstruktionssatz sowie die Betriebssysteme NIDOS/VSE, EDOS/VS, EDOS/VSE, VM/370, DOS/VS, DOS/VSE und OS/VS1. Der Hauptspeicher kann in Ausbaustufen von 512 K Bytes von 1024 bis 2048 K Bytes (Modell 30), beziehungsweise in 1024 K Bytes-Blöcken von 1024 bis 4096 K Bytes (Modell 50) ausgebaut werden.

Das Ein-/Ausgabesystem ist wie Rechner und Hauptspeicher modular konzipiert. Bis zu sechs selbständige, mikroprogrammgesteuerte Ein-/Ausgabe-Prozessoren bedienen schnelle und langsame Peripheriegeräte. Direktanschlüsse und kompatible Kanalschnittstellen gewährleisten sowohl den Anschluß von Nixdorf-Peripherie als auch von externen Steuereinheiten für Sondergeräte und stekkerkompatible Peripheriesysteme. Die Peripheriepalette reicht von der Diskettenstation und dem Lochkartenleser über Magnetbandeinheiten (800, 1600 und 6250 bpi) bis zu Magnetplattenspeichern in Fest- und Wechselplattentechnik (maximal 4,56 Giga-Bytes Kapazität) sowie Druckern (bis zu 1200 Zeilen pro Minute).

Für Aufgaben der Datenfernverarbeitung können 16 Leitungen genutzt werden, die sowohl Zeichen- (BSC) als auch Bit-orientierte (SDLC-)Prozeduren unterstützen. Neben dem Betrieb von bis zu 32 lokalen Bildschirm-Arbeitsplätzen erlauben diese Leitungsanschlüsse die Kommunikation mit anderen Rechnern oder weiteren Terminalsystemen.

Mit NIDOS/VSE bietet Nixdorf ein Betriebssystem für virtuelle Speicherverwaltung. Nixdorf weist darüber hinaus auf intelligente Prozeduren, erweiterte Konsolunterstützung, Partitioned-Data-Set-Bibliotheken, Datenerfassungsgenerator, Dokumentationssystem, Ein-/Ausgabemanager, Transient-Monitor und LTA-Manager als Vorzüge von NIDOS/VSE hin. Der TP-Monitor TCP zur Steuerung von Datenfernverarbeitung und Multitasking sowie das Nixdorf-Datenbanksystem NDB runden das Angebot systemnaher 8890-Software ab.

Das Angebot an Anwender-Software umfaßt Pakete für Finanzbuchhaltung Lohn und Gehalt, Einkauf, Materialwirtschaft, Auftragsabwicklung und Vertriebssteuerung sowie ein Personal-Informationssystem. Programmiersprachen für die 8890 sind Cobol 68, Cobol 74, PL/I, Fortran, CPG, RPG und Assembler /370. Entsprechende Compiler seien verfügbar, betont Nixdorf.

Eine 8890/30-Einstiegskonfiguration mit 1024 KB Hauptspeicher, 300er Zeilendrucker, 70 MB Magnetplatten, Magnetband (20 bis 160 KB) sowie vier Bildschirm-Arbeitsplätzen kostet mit 364 300 Mark rund 57 000 Mark weniger als eine vergleichbare IBM 4331. Die Monatsmiete beträgt im Ein-Jahresvertrag 11401 Mark. Für lizenzpflichtige Betriebssoftware-Produkte müssen monatlich rund 2500 Mark auf den Tisch des (Nixdorf-) Hauses gelegt werden.