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17.11.1989 - 

Kaum noch Hoffnungen auf ein ausgeglichenes Betriebsergebnis

Nixdorfs Quartalsverluste erheblich hoher als erwartet

PADERBORN/BERLIN (CW) - Die Nixdorf Computer AG macht auch im dritten Quartal des Geschäftsjahres mit 168 Millionen Mark vor Steuern große Verluste. Ohne Einkünfte aus Grundstücksverkäufen in Höhe von 31 Millionen hätte der angeschlagene DV-Hersteller knapp 200 Millionen Mark Verlust ausweisen müssen.

Der Unternehmenswunsch, im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen, scheint vor dem Hintergrund der dramatischen Verluste nicht realisierbar. Dennoch haben die Paderborner nicht sämtliche Hoffnung fahren lassen. Sie spekulieren darauf, daß die Umsatzentwicklung in den Monaten November/Dezember, wenigstens ein ausgeglichenes operatives Ergebnis, ermöglicht. Bisher stehen die Chancen dafür allerdings schlecht, beklagen die Paderborner doch einen Rückgang des Auftragseinganges in den ersten drei Quartalen um 3,6 Prozent.

In der Pressemitteilung des Unternehmens heißt, es Zum katastrophalen Quartalsergebnis: "Der Verlust vor Ertragssteuern betrug im dritten Quartal dieses Jahres 168 (98) Millionen Mark. Hierbei haben sich Planmäßige Grundstücksverkäufe mit 31 Millionen Mark sowie Vorratsabwertungen, die sich aus dem Produktumbruch ergaben, in erheblichem Maße ausgewirkt." Die maßvollen Worte ändern allerdings nichts an den Tatsachen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hätte sich der Verlust ohne den Gewinn ans den Grundstücksverkäufen verdoppelt, so liegt er "im Rahmen der Erwartungen".

Die Nachricht im "Stern", Nixdorf habe Immobilien für 200 Millionen Mark an die BHF-Bank, Frankfurt, verkauft, kommentierte Pressesprecher Anton Günther Crumme so: "Wir haben in diesem Jahr bisher für 100 Millionen Mark Immobilien verkauft. Ich betone das 'Bisher', weil da noch etwas folgen könnte." Schon im letzten Jahr hatten die Paderborner, das Betriebsergebnis nur mit Grundstücksverkäufen in Höhe von 361 Millionen Mark in den schwarzen Zahlen halten können. Die beträchtlichen Verluste des ersten Halbjahres hinzu addiert, beläuft sich der Fehlbetrag nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres auf nunmehr 465 Millionen Mark vor Steuern.

Die Vorratsabwertungen lassen auch keine positive Stimmung bezüglich Nixdorfs Zukunft aufkommen. Auf die Frage, ob dieser Schritt wegen zu befürchtender Absatzschwierigkeiten getan wurde, antwortete Götz Klingenburg, Bereichsleiter Kommunikation bei Nixdorf. "Das ist sicher ein Grund. Ein anderer liegt in der Tatsache begründet, daß wir bestimmte Entwicklungen, in die bereits investiert wurde, und auch einige existente Produkte aufgeben wollen." Cromme ergänzt: "Die kaufmännische Vorsicht gebot uns, diesen Schritt zu unternehmen, weil wir erwarten, bestimmte Produkte nicht zu dem angesetzten Preis verkaufen zu können." Dabei handelt es sich in erster Linie um einige Druckertypen und Kassensysteme. Über den Umfang der Abwertung wollte sich Klingenburg gegenüber der CW nicht äußern.

Nach Ablauf der ersten neun Monate des Geschäftsjahres lag der Umsatz des ostwestfälischen Unternehmens bei 3,6 Milliarden Mark und damit tun fünf Prozent über dem Niveau des gleichen Vorjahreszeitraums. Nixdorf hofft, den fünfprozentigen Umsatzzuwachs für das gesamte Jahr halten zu können und so 5,6 Milliarden Mark einzufahren. Die Geschäftsentwicklung verzeichnet laut Unternehmen in bestimmten Branchen erfreuliche Zuwächse. Selbst im Bankenbereich mache man wieder gute Umsätze. Produktbezogen lagen die Absatzsteigerungen bei den offenen Systemen. "Der Geschäftsanstieg im Bereich offene Systeme ist doppelt so hoch wie bei den proprietären Systemen," erklärt Klingenburg nicht ohne Stolz, scheinen doch diese Zahlen zu belegen, daß die Offene-System-Strategie der Paderborner richtig ist.

In diesem Zusammenhang kündigte Nixdorf in der letzten Woche weitere Kooperationen an. So hat das Unternehmen mit Tandem Computers Inc., Cupertino, im Bereich fehlertolerante Systeme auf Basis der Risc-Architektur von Mips Computers Inc. und dem Betriebssystem Unix eine strategische Kooperation vereinbart. Neben der Lieferung von Systemen und entsprechenden Betriebssystem-Komponenten an Nixdorf, umfaßt der Vertrag auch die Nutzungsrechte Tandems an Unix-basierter Nixdorf-Systemsoftware. Ferner sei man übereingekommen, die Vermarktung von "Gesamtlösungen bei übergreifenden Projekten" in ausgewählte. Märkten gemeinsam in Angriff zu nehmen.

Der erst kürzlich geschlossene Vertrag mit Mips und die Zusammenarbeit mit Pyramid Technology sollen erweitert werden.

Die Zusammenarbeit mit Pyramid Technology, die bisher die Hardware für die Targon /35 geliefert haben, wurde auf gemeinsame Softwareentwicklungen für die neue Prozessorarchitektur ausgedehnt. Schwerpunkte sollen hier laut Nixdorf bei Betriebssystem, Compilern und DFÜ-Software liegen. Außerdem will Pyramid Computersysteme aus Paderborn beziehen, die Nixdorf in Zukunft auf Basis des Mips-Prozessors entwickeln und fertigen wird.

Der Chef des Nixdorf-Vorstandes, Klaus Luft, hofft neben den weiteren Stellenkürzungen (siehe CW Nr. 46, Seite 1: "Weitere 940 Nixdorfer müssen jetzt gehen") auch durch diese technischen Kooperationen Kosten einsparen zu können. Zu Gerüchten um seine Person erklärte Luft letzte Woche in Berlin gegenüber der Presse, er klebe zwar nicht an seinem Vorstandssessel. Außerdem dementierte er erneut Übernahmegerüchte: "Es werden keine Übernahmegespräche geführt und es sollen keine geführt werden."