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02.03.1990 - 

Objektorientierte Features für Programmierer

Nixdorfs Software-Strategie offenbart mehr Pläne als Fakten

BERLIN (hv) - Die Berliner Nixdorf Software Engineering GmbH hat mit ihrem "Advanced Software Environment" (ASE) eine Objektorientierte 4GL-Anwendungsentwicklungsumgebung" vorgestellt. Was langfristig als System für offene Architekturen gedacht ist, läuft bisher nur in einer geschlossenen Nixdorf-Welt.

Die Berliner Nixdorf-Tochter sucht über eine integrierte Programmierumgebung den Einstieg in die Software-Welt der offenen Systeme. Allerdings wartet das Unternehmen gegenwärtig eher mit Plänen als mit Fakten auf. Mit seiner ersten Version 1.0.0 steht das neue Softwarepaket ASE nämlich nur als vollkommen herstellerabhängige Entwicklungsumgebung zur Verfügung. In den nächsten Jahren soll dieses Produkt aber auch auf anderen Rechnerplattformen als offene Programmierumgebung angeboten werden.

Dem System liegt die Idee zugrunde, Programmbausteine als Objekte zu definieren und in einer relationalen Datenbank, vorerst dem hauseigenen System DDB/4, zu verwalten. Objektorientierte Eigenschaften, wie die Datenkapselung oder auch Bildung von Klassen sowie die - bisher allerdings nur einfache - Vererbung, sorgen für eine Reduzierung des Programm-Codes. Auf diese Weise soll die Wiederverwendbarkeit einzelner Programmteile garantiert und die Wartung von Anwendungen erleichtert werden. Eine echte objektorientierte Datenbankschnittstelle, in der Objekte zusammenhängend abgelegt werden können, hofft Nixdorf 1992 anzubieten.

Dirk Paulsen, IV-Spezialist bei der Münchner BMW AG, hält die Entwicklungsumgebung von Nixdorf grundsätzlich für einen gelungenen Ansatz, um Anwender an die objektorientierte Programmierung heranzuführen. Skeptisch ist der Informationsverarbeiter allerdings, was den Unternehmensanspruch angeht, in den nächsten Jahren Software für eine offene System, Umgebung anzubieten.

Probleme sieht Paulsen bei der Integration eines Nixdorf unabhängigen Datenbanksystems. Das Unternehmen plant, im nächsten Jahr neben DDB/4 auch andere SQL-Datenbanksysteme zu integrieren. "Wenn der Anwender die Software in seine eigene Datenbankumgebung portieren will, wird er vermutlich Restriktionen in Kauf nehmen müssen", vermutet der Münchner. Auch die Rechner, auf denen die Entwicklungsumgebung gefahren werden kann, tragen gegenwärtig noch das Nixdorf-Label.

Zwar wird Plattformunabhängigkeit angestrebt, doch bisher läuft die Software nur auf Nixdorf-Rechnern der Targon-Reihe unter Unix-Versionen ab TOS 3.0 (System V) und auf dem Nixdorf-Unix-PC unter SCO-Unix V 3.2.

Anwender wie Eduard Breimann, Leiter der PLT-Testzentren bei der Leverkusener Bayer AG, vermissen außerdem die erst für 1991 geplante CASE-Orientierung des Systems. "Ich hätte die Anbindung an ein CASE-System von vornherein für wichtig gehalten", erläutert Breimann. Auf Pflichtenheft und Phasenmodell könne man derzeit noch nicht verzichten. Gerade in der Phase der Analyse lasse das System noch viele Fragen offen. Mit einem Rapid-Prototyping, wie es Nixdorf anbietet, will sich der Leverkusener jedenfalls nicht begnügen.

Für kommerzielle oder technische Anwendungen?

BMW-Informatiker Paulsen hält den Einsatz der Entwicklungsumgebung in der technischen DV für problematisch. "Das Produkt scheint mir eher für die kommerzielle Datenverarbeitung geeignet", erläutert der IV-Spezialist. Als Begründung führt der Münchner neben der fehlenden CASE-Anbindung die noch ausstehende grafische Oberfläche an. Nixdorf aber hat eine andere Plazierung des Produktes im Auge: "Wir halten die Software für den Einsatz in der technischen Datenverarbeitung durchaus für geeignet", erklärt Gerhard Müller, ASE-Leiter bei Nixdorf in Berlin. Als Haupteinsatzgebiete stellt er sich die Entwicklung von PPS- und Informationssystemen vor.

Eine grafische Oberfläche, so versprechen die Nixdorfer, steht Anfang nächsten Jahres zur Verfügung - bis dahin muß der Anwender sich allerdings mit einer zeichenorientierten Benutzerschnittstelle bescheiden.

Zukunftsmusik ist derzeit auch noch der Einsatz unterschiedlicher Betriebssysteme und Oberflächen. Die ASE-Umgebung soll Anfang '91 sowohl unter Unix als auch unter MS-DOS und OS/2 zur Verfügung stehen. Dann wird nach Angaben eines Unternehmenssprechers auch eine Verbindung zu Standard-Oberflächen wie OSF/Motif, Presentation Manager und Windows 3.0 hergestellt sein.

Für den Anwender, so erläutert Breimann von der Bayer AG, ist das Produkt in der reinen Nixdorf-Umgebung uninteressant. Erst wenn Datenbank- und Rechnerunabhängigkeit gewährleistet und die CASE-Anbindung realisiert seien, lohne sich der Einsatz von ASE. "Heute haben nur wenige eine Targon 131 oder 135 in Verbindung mit DDB/4 installiert", erläutert der Leverkusener. Der Tenor der Anwender ist deutlich: Nur um die neue Programmiersoftware zu installieren, wird sich, außer eingeschworenen Nixdorf-Anwendern, niemand die entsprechende Rechner- und Datenbankumgebung anschaffen.