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Novell profitiert von der Basis installierter Systeme


13.12.1996 - 

Noch begegnen Anwender Intranetware mit Skepsis

"Mir ist unklar, was Novell mit seiner Intranet-Strategie vorhat. Als Anwender hänge ich in der Luft", sagt Markus Kindermann, Leiter Netzwerke und PC-Infrastruktur bei National Semiconductor in Fürstenfeldbruck. Er wünscht sich ein einfach zu administrierendes System mit einer einheitlichen Oberfläche, kann sich aber im Moment nicht vorstellen, daß Novell diese Forderung erfüllt. Seine Devise heißt deshalb zunächst einmal Abwarten. Derzeit hat National Semiconductor nach Aussagen des IT-Managers in Deutschland noch kein Intranet aufgebaut, er ist sich aber sicher, daß dieses, wenn es kommt, auf Basis von Windows NT laufen wird.

Andere Anwender teilen diese Skepsis gegenüber Intranetware. Ihre Befürchtung ist, daß es sich dabei lediglich um ein Paket aus den Einzelprodukten Netware 4.11, "Web Server" und "Internet Server" handelt, das Novell im Zuge der allgemeinen Intranet-Euphorie eilig zusammengeschnürt hat. Anwender wie Frank Steinkohl, Geschäftsführer der pro ST GmbH, Nürnberg, sehen in dem Produkt daher letztlich nicht die völlig integrierte Komplettlösung, also keine "Full-Service-Intranet-Platform", wie Novell auf der Verpackung und in Werbetexten vollmundig verspricht, sondern eher ein loses Bündel. Eine Meinung, die auch von Analysten geteilt wird.

Besonders kritisch äußert sich Steinkohl zu den Internet- beziehungsweise Intranet-Funktionen der Novell-Lösung. Er würde nach eigenen Aussagen für den Aufbau eines Intranet keinesfalls Intranetware wählen, da ihm der Hersteller hier nicht genug Dienste bietet: "Wer beispielsweise in einem Unternehmen mit 1000 Anwendern auch News-Groups zum internen Erfahrungsaustausch einrichten möchte, der kann Intranetware vergessen. Es gibt noch keinen News-Server und auch keinen Mail-Server als Netware Loadable Module (NLM). Für den Windows NT Server sind diese Komponenten erhältlich." Aus diesem Grund sieht Steinkohl das Einsatzgebiet für das Novell-Produkt hauptsächlich in kleineren Unternehmen oder da, wo lediglich Dokumente in Hypertext Markup Language (HTML) zum allgemeinen Zugriff vorgehalten werden sollen.

Dies ist auch an der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen geplant, wo derzeit die Migration von Netware 4.1 auf Intranetware vorbereitet wird. Von Novells neuem Produkt verspricht man sich dort eine einfache Möglichkeit, um einerseits Anschluß ans Internet zu erhalten und andererseits auch intern HTML-Seiten zur Verfügung stellen zu können. In Tübingen will man noch 1996 den Umstieg auf Intranetware abschließen. Auch bei der Willy Rüsch AG, Kernen, ist der Umstieg von Netware 4.1 auf die Intranet-Plattform von Novell geplant, allerdings erst für das Frühjahr 1997.

Als Grund für die Migration nennt Jürgen Baader, Leiter der Systemtechnik, im Unternehmen Intranet- und Internet-Zugänge schaffen zu wollen. Für Baader stellt NT keine Alternative dar, weil er hier die Funktionen der Novell Directory Services (NDS) (siehe Abbildung) vermißt. Außerdem laufe Netware stabiler.

Alexander Melle, freiberuflicher Berater und Netzwerk-Manager, hat für Hyatt Hotels & Resorts, Frankfurt am Main, das vorhandene Netz von Netware 3.12 auf Intranetware umgerüstet. Mit gravierenden Problemen wurde er dabei eigenen Aussagen zufolge nicht konfrontiert. Melle bemängelt allerdings die Tatsache, daß die gedruckte Dokumentation des Programmes im Vergleich zu früheren Netware-Versionen etwas spärlich geraten ist. Seiner Meinung nach stellt die Online-Dokumentation für Administratoren keine vernünftige Alternative dar, da sie nicht die Möglichkeit bietet, sich schon im Vorfeld der Installation einzulesen.

Umständlich gestaltete sich, so der Experte, das Einrichten des "Network Application Launcher", der Endanwender lediglich auf die Programme im Netz zugreifen läßt, die für sie freigegeben werden. Zum reibungslosen Funktionieren des Programmes waren einige Einstellarbeiten erforderlich. Auch das Duplizieren der NDS auf einen zweiten Server war zeitaufwendig, was aber zum Teil daran lag, daß die Installation im laufenden Betrieb erfolgte und das Netz zu jeder Zeit verfügbar sein mußte.

Beim Betrieb des Systems gibt es laut Melle kaum Probleme. Er räumt allerdings ein, daß es zu Abstürzen auf den Clients kommt, wenn via Windows-Task-Manager zwischen bestimmten DOS-Applikationen gewechselt wird, die mit dem Application Launcher gestartet wurden. Die Ursache hierfür ist Melle unklar.

Aber auch im Netz der Hyatt Hotels & Resorts besteht für die speziellen Intranet-Funktionen von Novells neuem Programm zumindest im Moment noch kein Bedarf im Vergleich zu Netware 3.12 kommen hier lediglich der Application Launcher und die Remote-Access-Funktionen zusätzlich zum Einsatz.

Auch bei allen von pro-ST-Chef Steinkohl vorgenommenen Installationen von Intranetware wurden die Internet-Funktionalitäten bisher außen vor gelassen, weil die von ihm betreuten Firmen sie im Moment nicht brauchen. Steinkohl zufolge ist diese Prozedur zumindest für erfahrene Administratoren ohne größere Probleme zu bewerkstelligen. Dies gelte für Neuinstallationen wie Aufrüstungen.

Dieser Meinung sind viele Profis, die eine Migration auf Intranetware in der Regel gelassen sehen. So meinte beispielsweise Mark Weston von Netcom Canada bei einer Diskussion im Internet: "Das Upgrade ist wirklich einfach. Man startet die Installation und kann weggehen. Wer Netware 4.1 administrieren kann, dem wird Intranetware keine Probleme bereiten."

Tests haben jedoch gezeigt, daß die Installation von Intranetware zumindest für nicht ganz so versierte Administratoren Probleme birgt. Unter anderem kann schon ein kleines Versehen den Anwender in die mißliche Lage bringen, den Treiber für die Netzadapterkarte von Hand installieren zu müssen: Wird während des Installationsprozesses nämlich keiner der von der Installationsroutine vorgeschlagenen Treiber ausgewählt, ist es später nicht möglich, diesen Schritt nachzuholen - die Treiber müssen in diesem Fall umständlich von Hand installiert werden.

Gefahr lauert auch bei der Installation des Web-Managers: Dieser enthält einen NDS-Browser, der per Mausklick aktiviert werden kann. Hier könnte die Sicherheit des Unternehmensnetzes gefährdet werden, denn ein unvorsichtiger Administrator macht dabei leicht den gesamten NDS-Verzeichnisbaum und alle darin enthaltenen Informationen über Nutzer und Ressourcen im Unternehmensnetz für das Internet zugänglich. Es gibt wohl Anweisungen, um die Information zu beschränken, auf die zugegriffen werden kann, doch verlangt deren Konfiguration von den Netzverwaltern tiefergehende Kenntnisse des NDS-Managements.

Trotz der genannten Vorbehalte zeichnet sich ab, daß die breite Basis bereits installierter Net- ware-Systeme und der attraktive Preis von Intranetware sich positiv für Novell auswirken werden. Da stört es Kunden unter Umständen wenig, mit Intranetware zunächst nicht wirklich die versprochene komplette Intranet-Plattform zu erhalten. Viele Anwender vertrauen deshalb wohl auch weiterhin auf Netware beziehungsweise das Intranet-Nachfolgeprodukt, getreu dem Leitspruch "Never touch a running system".