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28.11.2003 - 

Breitbandige Internet-Zugangsverfahren im Vergleich

Noch dominiert DSL das Access-Geschäft

28.11.2003
MÜNCHEN (hi) - Kabel-TV, Powerline oder Wireless Local Loop (WLL) waren im Jahr 2000 die Hype-Techniken, um die letzte Meile zum Kunden zu überbrücken und einen Internet-Zugang herzustellen. Zwar stahl dann DSL diesen Verfahren die Show, doch die schnelle Access-Technologie ist nicht überall erhältlich. Was taugen alternative Übertragungswege wie Satelliten oder City-Funknetze?

Im internationalen Vergleich rangiert Deutschland mit rund 3,3 Millionen Breitbandnutzern auf einem hinteren Platz unter den Industrieländern. Die Anwenderzahl entspricht nach der aktuellen Erhebung "Global Broadband Report" der Management-Beratung Arthur D. Little lediglich einer Marktdurchdringung von 20 Prozent, während Hongkong oder Südkorea auf Werte um die 80 Prozent kommen. Einen Grund hierfür sieht Arthur-D.-Little-Manager Arno Wilfert darin, "dass es in Deutschland keinen signifikanten Wettbewerb durch alternative Infrastrukturen wie etwa das Kabelfernsehen gibt".

Eine Einschätzung, die Thomas Boele, Senior Network Consultant bei 3Com, bestätigt: "Hierzulande ist DSL der absolute Renner." Dass sich der Spätstarter DSL gegen andere Access-Medien wie Powerline, Wireless Local Loop (WLL) oder Kabel-TV als wichtigste breitbandige Zugangstechnologie behaupten konnte, verdankt das Verfahren in erster Linie den millionenschweren Werbekampagnen der Telekom und den politischen Rahmenbedinungen.

DSL im Geschäftsumfeld

Nachdem die EU die Telekom im Zuge der TK-Liberalisierung aufgefordert hatte, ihr Fernsehkabelnetz zu verkaufen, entschloss sich der Carrier, sein Telefonnetz mit DSL-Technologie zum breitbandigen Internet-Zugangsmedium auszubauen. Vorteilhaft war dabei, dass die bereits verlegten Telefondrähte als Übertragungsmedium genutzt werden konnten. Diese Kombination aus Telefonie und Breitbandzugang ist nicht nur für Privatkunden von Interesse, sondern auch für professionelle Anwender als kostengünstige Alternative zur klassischen Mietleitung - sprich Standleitung. "Zwar werden traditionelle Leased Lines im Business-Umfeld noch immer stark nachgefragt, der Trend geht jedoch zu DSL, das in immer mehr Ausschreibungen nachgefragt wird", berichtet Marc Bruchhäuser, Operations Manager beim Virtuelle-Netze-Betreiber Vanco in Neu-Isenburg, aus dem Alltag seines Projektgeschäfts.

Dabei spielt im professionellen Bereich neben dem vor allem von Privatanwendern genutzten asymmetrischen ADSL (Download: theoretisch bis zu 8 Mbit/s, Upload: bis zu 1 Mbit/s) auch die symmetrische DSL-Variante SDSL, die in beiden Richtungen mit einer Transferrate von bis zu 2,3 Mbit/s aufwartet, eine große Rolle. In der Praxis kombinieren laut Vanco-Manager Bruchhäuser viele Unternehmen bei der Vernetzung beide Verfahren. So wird etwa ein regionaler Zentralsitz mit einem höheren Datenaufkommen in beiden Richtungen via SDSL angebunden, während dann in den Zweigstellen oder Agenturbüros ADSL als Access Medium zum Einsatz kommt. Für eine solche Mischung aus Leased Lines, SDSL, ADSL und ISDN-Dial-up-Verbindungen hat sich etwa der Zementhersteller Readymix entschieden, als er seine rund 300 Standorte in Deutschland vernetzen ließ.

Satelliten als flächendeckende Alternative

Allerdings ist selbst in Gebieten, die die Carrier als DSL-tauglich angeben, mit Schwierigkeiten zu rechnen. So hat es Bruchhäuser oft erlebt, dass sich Telefonleitungen bei einer Überprüfung der Signalpegel entgegen den Zusicherungen der Carrier als doch nicht DSL-fähig herausstellten, weil etwa die Leitungen zu lang waren. Zwar sind in Deutschland, wie Bintec-Manager Andreas Bloom berichtet, etwa 90 Prozent aller Anschlussleitungen kürzer als 2,8 Kilometer und damit für DSL geeignet. In ländlichen Gegenden sind aber Telefonkabel mit einer Länge von über vier Kilometern keine Seltenheit. Diese Regionen können selbst mit dem neuen ADSL-2-Standard, der noch höhere Bandbreiten verspricht und vor allem eine um 600 bis 800 Meter größere Reichweite aufweist, künftig nicht erschlossen werden.

Mit dem Fehlen einer flächendeckenden Verfügbarkeit hat eine andere Access-Technik nicht zu kämpfen: die Datenübertragung via Satellit. Dafür lastet auf ihr immer noch das Vorurteil, dass die Satellitenkommunikation als High Latency Network nicht für unternehmenskritische Echtzeitanwendungen geeignet sei. "Das stimmt nicht mehr, denn dank neuer Softwarealgorithmen und verbesserter Protokolle konnten wir die Laufzeiten deutlich verbessern", widerspricht Michael Darcy, President beim Satelliten-Netzbetreiber Hughes Networks Systems Europe. Dass dies auch in der Praxis funktioniere, beweise das Beispiel VW. Die Wolfsburger Autobauer haben ihre Händler via Satellit vernetzt und fahren auf dieser Basis auch ihre SAP-Anwendungen. Ein anderes prominentes Beispiel dafür, dass Satellitennetze heute mehr sind als reine Backup-Lösungen, liefert die Retail-Kette Walmart, die ihre Märkte auf diese Weise an die Zentrale angebunden hat. Der Umweg über die künstlichen Himmelstrabanten ist gerade für große, international agierende Unternehmen interessant: Anders als bei terrestrischen Übertragungsverfahren haben sie hier die Möglichkeit, alle Datenverbindungen aus einer Hand zu beziehen, und kommen so je nach Installation um zehn bis 30 Prozent billiger weg als mit landgestützten Lösungen. Dabei offerieren die Satellitenbetreiber Datendienste mit einer im Downlink skalierbaren Bandbreite zwischen 256 Kbit/s und 45 Mbit/s.

Zukunftstraum: Fiber to the Home

Zukunftsmusik ist dagegen noch die Nutzung von Fiber to the Home auf der letzten Meile mit Ethernet-Diensten. Die Telekom hat zwar in Ostdeutschland in zahlreichen Ortnetzen Glasfasern bis zum Endkunden verlegt, doch entsprechende Dienste fehlen. Dass es auch anders geht, zeigen laut 3Com-Consultant Boele die nordischen Länder. Dort werden bereits häufig gesamte Gebäudekomplexe mit Glasfaser vernetzt und die einzelnen Wohnungen per Ethernet oder Fast Ethernet erschlossen. Bis hierzulande ähnliche Installationen im großen Stil realisiert werden, dürften, so schätzt Boele, noch rund fünf Jahre ins Land gehen.

Während Satellitentechnik und Fiber to the Home interessante Zukunftsperspektiven haben, spielen Powerline und die Kabel-TV-Netze hierzulande nur noch eine untergeordnete Rolle. Im Rennen um die bandbreitenhungrigen Kunden bremsten vor allem wirtschaftspolitische Schwierigkeiten das Kabelnetz aus. Durch den zögerlichen und stückweisen Verkauf des Telekom-TV-Netzes erfolgten erst sehr spät die notwendigen Investitionen, um das Netz für die Datenübertragung fit zu machen. Lediglich in Nordrhein-Westfalen konnte sich mit ISH ein Player im größeren Stil etablieren. Die Kabelnetzbetreiber konkurrieren in den Ballungsräumen mit den DSL-Anbietern. Weichen sie aufs Land aus, ist ihre Konkurrenzsituation zwar besser, die Zahl der potenziellen Kunden aber begrenzt.

Für die professionellen Anwender sind die Kabel-TV-Netze ohnehin meist keine Alternative, da sie als Shared Medium nicht mit der in diesem Bereich geforderten Quality of Services aufwarten. "Selbst in den Benelux-Staaten, die beim Thema Kabel-TV als Access-Medium sehr viel weiter sind als Deutschland, spielt das Verfahren bei professionellen Nutzern keine Rolle", berichtet Vanco-Manager Bruchhäuser aus der Projektpraxis.

Powerline hat keinen Erfolg

Dieses Schicksal teilen die TV-Kabelnetze mit der einst hochgelobten Powerline-Technik. Von der ursprünglichen Goldgräberstimmung, als Großkonzerne wie Siemens oder Nortel Networks und Energieerzeuger wie RWE die Datenübertragung per Stromnetz propagierten, ist wenig übrig geblieben. Eines der wenigen Unternehmen, das die kommerzielle Vermarktung des Internet-Zugangs aus der Steckdose hierzulande im größeren Stil weiterverfolgt, ist die Mannheimer MVV Energie AG.

Diese Powerline-Aspiranten litten nicht nur unter offenen regulatorischen Fragen zum Thema elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), sondern auch unter der häufig mangelhaften Performance im Alltagsbetrieb. So machte etwa Nordcom-Manager Hamel in Oldenburg die Erfahrung, dass die Daten nicht im Megabit-Tempo durch die Stromleitung rasten, sondern nur Kilobyte-weise zum Benutzer tröpfelten. Dabei störten bereits die getakteten Netzteile von Fernsehern den Datentransfer. "Für eine solche Dienstequalität können Sie eigentlich kein Geld nehmen", lautet Hamels vernichtendes Fazit über die Powerline-Technologie.

WLAN als Zugangsnetz

Selbst die Tiroler Wasserkraft AG (Tiwag), im Jahr 2000/2001 noch ein glühender Verfechter von Powerline, sieht sich mittlerweile nach alternativen Übertragungswegen um. So begannen die Tiroler Ende Oktober 2003 in Inzing mit der Vernetzung des Großraums Innsbruck per Wireless-LAN-Technologie. Für eine monatliche Grundgebühr von 43 Euro erhalten die Tiwag-Kunden eine symmetrische Transferrate von 1 Mbit/s. Auf den ersten Blick wirkt es befremdlich, dass ein für den lokalen Einsatz konzipiertes Funkverfahren für die Vernetzung eines Großraums eingesetzt wird. Des Rätsels Lösung liegt, wie Maximilian Meindl, Vertriebsingenieur beim Komponentenhersteller Huber und Suhner in Taufkirchen, erklärt, in den gewählten Antennen: "Mit Spezialantennen lassen sich auch mit WLANs Entfernungen von über einem Kilometer überbrücken, wenn Sender und Empfänger Sichtkontakt haben."

Damit verfolgen die Österreicher auf der letzten Meile eine Idee, die hierzulande unter dem Schlagwort Wireless Local Loop Anfang 1999 ebenfalls propagiert wurde. Per Richtfunk wollten damals 17 Provider in den Ballungsräumen breitbandige Datendienste vermarkten. Im Wettbewerb mit der DSL-Konkurrenz überlebten jedoch nur drei Betreiber. Einer davon, die Stuttgarter Airdata, startete erst kürzlich einen zweiten Anlauf mit neuer Technik, weil das ursprünglich gewählte Funksystem nicht wettbewerbsfähig war (siehe www.computerwoche.de/go/80114229).

Fazit: DSL ist Ende 2003 das Access-Medium der ersten Wahl. Doch spätestens Ende 2004 dürften die Karten im Zugangs-Business neu gemischt werden, wenn erste "Wimax"-Angebote auf den Markt kommen. Hinter Wimax steht der IEEE-Funkstandard 802.16a, der Transferraten von bis zu 70 Mbit/s über eine Entfernung von bis zu 50 Kilometern ermöglicht. Damit eignet sich dieses Verfahren sowohl für die Erschließung von Ballungsräumen per Funk als auch für ländliche Regionen. "Eine Technik, die auch professionelle Benutzer interessiert", erklärt Vanco-Manager Bruchhäuser, "denn bereits heute wird im Projektgeschäft teilweise ein Migrationspfad zu Wimax nachgefragt."