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17.05.1985 - 

Auf der Infobase '85 waren die Fachleute unter sich:

Noch immer Defizit bei Datenbank-Diensten

FRANKFURT (CW) - Die Bundesrepublik Deutschland rangiert, was das Angebot und die Nutzung von externen Datenbankdiensten angeht, nach wie vor unter ferner liefen. Die Kongreßmesse Infobase '85 in Frankfurt sollte zeigen, welche Informationen über Online-Datenbanken verfügbar sind und wie darauf zugegriffen werden kann. Das breite Publikum, dem die Botschaft nähergebracht werden sollte, blieb freilich aus. Die Fachleute waren wieder einmal unter sich.

Dabei hatte Berthold Stukenbröker von der Bertelsmann Datenbankdienste GmbH (München), dem Initiator dieses Kongresses mit Fachausstellung, gerade in der breitgestreuten Information über das Informationsinstrument Datenbank als entscheidende Voraussetzung für den Durchbruch am deutschen Markt bezeichnet. Technisch, so Stukenbröker, sei ein Anschluß an das internationale Datenbanknetz kein Problem. Die entscheidende Hürde liege vielmehr in der Information des potentiellen Nutzers über die vielen Vorteile der Informationsbeschaffung durch Online-Datenbanken.

Die deutsche Datenbank-Bilanz ist anhaltend traurig: Weltweit könne man von einem Marktvolumen um acht Milliarden Mark ausgehen, an dem die Bundesrepublik einen Anteil von weniger als einem Prozent halte. Etwas besser sieht es bei der Datenbankproduktion aus. Doch auch hier liege die Bundesrepublik mit einem Anteil von drei Prozent der Datenbanken im internationalen Bereich noch weit zurück, wenn auch gleichauf mit der Summe des asiatischen, australischen und afrikanischen Angebotes. Übergewichtig stark vertreten seien die USA und Kanada mit zusammen 76 Prozent, Europa bringe es auf 21 Prozent.

Von den Inhalten her liegen die Schwerpunkte des internationalen Angebots bei wirtschaftlichen Informationen, die 52 Prozent der allgemein zugänglichen Datenbanken umfassen. Der Bereich Technik bringt es auf einen Anteil von 15 Prozent, Biomedizin und Naturwissenschaften machen 11 Prozent aus.

Im Herbst Volltext-Patentdatenbanken

Folgt man Stukenbröker, dessen 1983 gegründetes Unternehmen für den internationalen Anschluß sorgen will, ist die Bundesrepublik jetzt dabei, das bisherige Mauerblümchendasein zu verändern. Dazu müsse allerdings das Informationsangebot sehr viel stärker auf die Belange der deutschen Kunden ausgerichtet werden, als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Ein originär deutsches Produkt mit internationaler Bedeutung soll die von Bertelsmann in Frankfurt vorgestellte Patentdatenbank "Patos" werden, die in Zusammenarbeit mit dem bei diesem Projekt vom BMFT geförderten Wila-Verlag (München) erstellt wird. Die Datenbank soll zu Beginn des Normalbetriebs im Oktober alle Offenlegungsschriften des deutschen Patentamtes seit 1968 enthalten. Im Rechner gespeichert werden dabei bibliographische Informationen und Hauptansprüche beziehungsweise Zusammenfassungen der Offenlegungsschriften. Mit einem Umfang von rund einer Million Dokumenten wäre sie damit laut Stukenbröker die weltweit drittgrößte Patentdatenbank.

Das Kundenpotential für diese Datenbank liege bei rund 10 000 Unternehmen. Attraktiv sei die Nutzung von Patentdatenbanken - insbesondere, wenn sie wie "Patos" als Volltextdatenbank ausgelegt seien - unter zwei Gesichtspunkten: Die jährlich in der Bundesrepublik anfallende wirtschaftsrelevante Technologieinformation finde nur zu fünf bis zehn Prozent ihren Niederschlag in der Fachpresse, 90 bis 95 Prozent seien ausschließlich über Patent- und Offenlegungsschriften zu erschließen. Hinzu komme, daß der Zugang zu dieser Information bei herkömmlichen Vorgehen je Recherche mit einem Zeitaufwand zwischen einem halben bis einen Tag verbunden sei. Bei Einsatz einer Datenbank verringere sich dieser Aufwand nicht nur auf 20 bis 30 Minuten. Vielmehr erlaube die Recherche in einer Volltextdatenbank bisher kaum mögliche Fragestellungen und Verknüpfungen.

Die Patentdatenbank empfehle sich damit als Mittel zur Kosteneinsparung, aber auch als Werkzeug zur Feststellung des Standes der Technik in bestimmten Bereichen, als Informationsgrundlage für Neuentwicklungen, zur Prüfung der Patentfähigkeit von Neuentwicklungen, für Patentlageuntersuchungen, für Recherchen bei Patenterwerb oder Lizenznahme, zur Konkurrenz- und Wettbewerbsüberwachung, zur Ermittlung der Anmeldeaktivität und des Schutzrechtsbestandes von Mitbewerbern und schließlich auch für Wettbewerbs- und Strukturvergleiche nach Branchen und Produktgruppen.

Zu den Nutzungsgebühren wollte sich Stukenbröker nicht abschließend äußern. Sie sollen erst nach dem Ablaufen der Testphase Ende Juni bestimmt werden. Er erklärte jedoch, daß die Kosten auf dem Niveau vergleichbarer internationaler Angebote und damit um 400 Mark pro Stunde Anschaltzeit liegen werden. Patos soll bei Aufnahme des Normalbetriebes über zwei Hosts - Datastar und STN - zugänglich gemacht werden.