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26.05.2000 - 

Firmen setzen große Hoffnungen in E-Learning, aber

Noch immer Defizite bei Inhalten und Didaktik

Momentan verkauft sich alles mit einem "E" davor besonders gut. Da streiten sich E-Business, E-Shopping und jetzt noch E-Learning um die Gunst der Kunden. Auf der "Netglobal 2000"-Konferenz in Orlando diskutierten mehr als 500 Experten über die Zukunft des Technologie- und Web-basierten Lernens.Von Ingrid Weidner*

Unter der strahlenden Sonne Floridas, umgeben von Disneys Erlebnisparks, ging es mit amerikanischem Optimismus um die goldenen Zeiten der neuen E-Learning-Welt. Die nächste Erfolgsgeschichte für Wirtschaft und Gesellschaft steht unmittelbar bevor, davon waren zumindest die Redner überzeugt.

Bisher führte Weiterbildung ein Schattendasein. "Training war immer das hässliche Stiefkind; heute ist klar, dass es die Geschäftswelt stark beeinflusst", so Tom Kelly, bei Cisco Systems als Director Worldwide Training tätig. Verbirgt sich hinter E-Learning wirklich ein neues Konzept, oder lassen sich die eingestaubten Computer-based Trainings (CBTs) jetzt als Web-based Trainings (WBT) über das Internet einfach besser verkaufen? An der uneingeschränkten Verfügbarkeit allein kann es nicht liegen, denn bereits eine CD-ROM erfüllt dieses Kriterium weitgehend. "Anytime and anywhere" beinhaltet nur einen Aspekt der E-Learning-Philosophie.

Interaktivität und individuelle Kursangebote kommen dem Konzept des neuen Lernens schon näher. Bei den Inhalten und der didaktischen Aufbereitung des Materials gibt es allerdings noch Defizite. Manche Kurse bieten den Lernenden einfach eine Seite nach der anderen, ähnlich einer Powerpoint-Präsentation, ohne Interaktionsmöglichkeiten. Das wirkt schnell ermüdend. Gerade das Internet ermöglicht etwa durch die Angaben von Web-Adessen und durch Links eine stärkere Vernetzung des Inhalts. Dieser lässt sich multimedial aufbereiten. Praxisbeispiele, Testaufgaben und Einstufungstests verhindern, dass sich der Lernende langweilt und das Interesse verliert.

"Es geht nicht um die Technik, sondern um neue, individuellere Lernkonzepte", so Alan Webber, Herausgeber des Magazins "Fast Company". "Weiterbildung wird zur Schlüsselposition in Unternehmen", so der erfolgreiche Startup-Betreiber.

Seine Zeitschrift porträtiert in erster Linie Unternehmen und Trends der New Economy, und Webber weiß, was die Erfolgreichen den Verlierern voraushaben. "Training hilft den Mitarbeitern, besser, schneller und smarter zu sein, und Leute verlassen die Firma meistens nicht wegen des Geldes, sondern weil sie dort keine Entwicklungsmöglichkeiten sehen."

Da gut qualifiziertes Personal immer knapper werde, könnten Firmen, die an einer langfristigen Bindung ihrer Beschäftigten interessiert sind, ihre talentierten Leute nicht mehr am Gängelband führen, sondern müssten ihnen Eigenverantwortung bezüglich der persönlichen und beruflichen Entwicklung einräumen.

Laut Webber ist "permanente Weiterbildung Pflicht für alle Mitarbeiter, die sich ihren Arbeitsplatz sichern und an ihrer Karriere arbeiten möchten". Die Verantwortung dafür, was jemand lernt und wann, gehe immer mehr auf die Arbeitnehmer über. Persönliche Lernportale für die Mitarbeiter könnten in Zukunft eine Selbstverständlichkeit sein. Diese Idee kommt der individuellen Karriereplanung sehr entgegen. Mitarbeiter erhalten innerhalb des Intranet ein eigenes Portal, das mittels eines Passworts nur für sie zugänglich ist. Dort stehen ihnen eine Reihe von Kursen aus unterschiedlichen Wissens- und Interessensbereichen zur Verfügung, die sie sich ausgesucht haben. Sie können ihr eigenes Curriculum zusammenstellen und Lernzeiten individuell planen. In den USA denken verschiedene Firmen bereits intensiv darüber nach.

Technische Neuerungen und Zeitdruck im Job erlauben in vielen Fällen keine aufwendigen externen Seminare mehr. "Gerade international agierende Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter schnell und effektiv schulen; das ist mit herkömmlichen Seminaren nicht machbar", so Gary Lopez, President und CEO des Bildungsanbieters Netg. Die Weiterbildung wird deshalb effektiver, wenn sie in den normalen Arbeitsalltag eingebettet ist, so die Meinung des Experten.

Allerdings kann das Lernen am Arbeitsplatz nur dann funktionieren, wenn genügend Zeit zur Verfügung steht. Für Michael Littlejohn, General Manager beim US-amerikanischen Zweig der IBM Learning Services, ist klar, dass sich die Mitarbeiter selbst um ihre Weiterbildung kümmern müssen. Die Trainingskurse stellt das Unternehmen zur Verfügung, allerdings ließ er keinen Zweifel daran, dass die Lernzeiten teilweise auch außerhalb der Arbeitszeit liegen. "Wir haben das Problem noch nicht gelöst, aber wir arbeiten an neuen Konzepten", so Littlejohn. Momentan beträgt der Anteil an Online-Trainingskursen bei Big Blue 40 Prozent, bis zu 60 Prozent hält der IBM-Mann für akzeptabel. Um die Bedeutung von Online-Lernen zu unterstreichen, hat der Computerriese eine eigene E-Learning-Abteilung gegründet, in der sämtliche Aktivitäten zu diesem Thema vom Inhalt über das Design bis zur Programmierung zusammengefasst werden. Bereits jetzt hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge seine Investitionen in E-Learning verdreifacht. Branchenexperten sind sich darin einig, dass es sich lohnt, in dieses Geschäft zu investieren. Sie schätzen den Online-Seminarmarkt weltweit auf 15 Milliarden Dollar mit jährlich zweistelligen Zuwachsraten.

Weiterbildungsangebote helfen Unternehmen, ihren Mitarbeitern Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und sie langfristig an das Unternehmen zu binden. Gerade im Hinblick auf die hoch qualifizierten Mitarbeiter wirken Bildungsangebote motivierend. Bei Beschäftigten auf bestimmten Positionen wird der Freiwilligkeit notfalls mit sanftem Druck auf die Sprünge geholfen. IBM verlangt beispielsweise für einige Positionen formell nachgewiesene Qualifizierungen. Hat ein Mitarbeiter nicht das gewünschte Zertifikat, dann erhält er statt 25 Prozent Bonus nur zehn Prozent.

Vom vertrauten Klassenzimmer mochten sich die Diskutanten auf der Netglobal 2000 nicht verabschieden. Vermutlich lag es daran, dass die Redner alle jenseits der 30 waren. Für die Internet- und Technik-affine Generation der heutigen Jugendlichen könnten die Zahlen einmal anders aussehen."Das Klassenzimmer bleibt immer wichtig für die Weiterbildung", so John Hall, Senior Vice President der Oracle University. Auch Cisco-Trainingschef Kelly möchte sich mit keiner Entweder-oder-Polarisierung anfreunden. Für ihn ergibt sich die richtige E-Learning-Definition aus den Anforderungen des täglichen Jobs. "Alles, was den Leuten hilft, ihren Job gut zu machen, wird gebraucht."

Netg-Manager Lopez kann sich über die Netzeuphorie und den großen Bedarf an Trainingskursen nur freuen. Er sieht für die Zukunft vor allem eine stärkere Personalisierung bei den Kursangeboten. "Manchmal ist es sinnvoll, das Training in kleinen Lektionen einzufügen, wenn sich ein bestimmtes Problem am Arbeitsplatz stellt", so Lopez. So hilft ein Software-Tool den Unternehmen, aus verschiedenen Kursen ein individuelles Lernprogramm für Mitarbeiter zusammenzustellen. "Der Wert eines solchen Kurses ist für den Lernenden höher", so die Einschätzung des Trainings-Managers.

Hohe TK-Kosten sind Hemmschuh für E-LearningMit dem Bildungsportal click2learn.com hofft der Schulungsanbieter, das Tor in die Trainingszukunft weit aufgestoßen zu haben. Bildungsportale entwickeln sich nämlich zum Trend für die private und betriebliche Weiterbildung. Neben dem Vertrieb bieten die Portale zahlreiche Serviceangebote, beispielsweise mentorielle Unterstützung, wenn Lernende Schwierigkeiten mit dem Kurs haben.

"In Europa erschweren die teuren Telekommunikationskosten eine schnellere Verbreitung von E-Learning", so Lopez. Ein anderer Grund könnten die fehlenden Übersetzungen sein, denn obwohl die IT-Sprache Englisch ist, helfen manchmal muttersprachliche Erklärungen besser weiter. In den Forschungslabors von Netg arbeiten die Entwickler bereits an der nächsten Generation von Lernsoftware, die beispielsweise "Just-in-time-learning" ermöglichen soll.*Ingrid Weidner ist freie Journalistin in München.

Herzschlag eines WBTJames L''Allier, Vice President bei Netg und für die Bereiche Entwicklung und Forschung zuständig, stellte auf dem Trainingskongress in Orlando ein Analyse-Tool vor, das die Effektivität von WBTs und TBT (Technology Based Training) misst. L''Allier definiert unter anderem Interaktivität und Feedback-Optionen des Lernenden aufgrund lerntheoretischer Annahmen als Indikator für gute Trainingskurse. Das EKG, nach dem Elektrokardiogramm benannt und mit ähnlicher grafischer Darstellung, möchte Standards setzen und Kurse objektiv vergleichbar machen.