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22.09.1989 - 

Hersteller tun zuwenig für die Arbeitsplätze am Bildschirm:

Noch immer sind Uralt-Monitore im Einsatz

OLDENBURG (dow) - Herbe Kritik an die Adresse der Hersteller von Bildschirmen richtet Dieter Bauer, Mitarbeiter des Instituts für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund. Seiner Meinung nach kümmern sie sich zu wenig um die Weiterentwicklung von Bildschirmen, die dem Anwender ein optimales Arbeiten ermöglichen, ohne daß langfristige Schäden für die Gesundheit entstehen.

Das Interesse der Hersteller gelte zu sehr dem Verkauf von Großrechnern und Software, die im Vergleich zu Peripheriegeräten vergleichsweise hohe Gewinne ermöglichten, erläuterte der Wissenschaftler auf der 20. Niedersächsischen Arbeitssicherheitskonferenz in Oldenburg. Auch die verantwortlichen Manager in den Anwendungsunternehmen hätten eher die Optimierung des Hard- und Softwareeinsatzes im Blick als die ergonomischen Probleme ihrer Mitarbeiter bei der Bildschirmarbeit.

In vielen Unternehmen sei deswegen zum Beispiel die Software ständig verbessert worden, die Anwender müßten sich jedoch oft noch mit Bildschirmen der sogenannten ersten Generation bescheiden. Diese würden von der Herstellerindustrie mit einfacher Technik in Anlehnung an die Konstruktionsweise eines TV-Gerätes konstruiert. Wegen ihrer schlechten Auflösung der Zeichen genügen diese oft mehr als zehn Jahre alten Geräte noch nicht einmal sehphysiologischen Mindestanforderungen, warnt Bauer. An diesen stark vernachlässigten Arbeitsplätzen sei der Anwender durch Faktoren wie Flimmern und Unschärfen auf dem Schirm erheblich gestört, erklärte er.

Der Werbung von Anbietern, die ihre Systeme als geeignet anpreisen, mißtraut der gelernte Physiker. Die bisher von den Herstellern angesetzten Maßstäbe für Bildschirmqualitäten seien zu niedrig angesetzt, kritisiert der Wissenschaftler. So seien zum Beispiel die Meßwerte für die Kontrastschärfe oft nur für das Verhältnis von Cursor zum Bildschirmhintergrund genannt. Der Cursor ist jedoch immer stärker angeleuchtet als die übrigen Zeichen auf dem Bildschirm, beschreibt Bauer. Der Anwender würde die Kontrastangaben in der Regel jedoch auf den gesamten Bildschirm beziehen und sei somit falsch informiert, lautet seine Schlußfolgerung.

Auch der derzeitige Boom bei Farbbildschirmen für den professionellen Eisatz bringt dem Anwender unter ergonomischen Aspekten seiner Ansicht nach nur wenig Vorteile. Mit Farbe ließen sich zwar optische Signale setzen, ein technisch schwer zu behebender Nachteil im Vergleich zu monochromen Geräten sei jedoch der schwache interne Schirmkontrast. Dieser verhindere, daß die Zeichen in ausreichender Schärfe abgebildet werden können. Hinzu komme, so Bauer weiter, daß Farbbildschirme häufig ein sogenanntes Nachbild erzeugen, das die Augen unnötig belastet.

Technisch ist nach den Erfahrungen Bauers die Verbesserung der Bildschirmqualitäten ein wesentlich kleineres Problem als es die Hersteller glauben machen wollen. Es sei sogar möglich, Geräte zu bauen, die Schrift so gut wie Papier wiedergeben können, beschreibt der Experte seine Maximalforderung an einen Bildschirm.

Den Beweis dazu will er in einem Projekt seines Institutes liefern: Dort wurde bereits ein Prototyp für einen Bildschirm gebaut, der den physiologischen Anforderungen des Benutzers weitgehend genügen soll und seine natürliche Sehfähigkeit bestmöglich unterstützt. Dazu definierte das Dortmunder Team unter anderem einen Standard für die Bildwiederholungsfrequenz und den Zeichenkontrast. Die Umsetzung des "DS" (Dortmunder Standards) erfolgte an einem monochromen Bildschirm, dessen Möglichkeiten nach Meinung Bauers noch lange nicht ausgereizt sind.

Den Erfolg seiner Bemühungen demonstrierte der Pionier auf der Oldenburger Veranstaltung bei einem Vergleich seines Prototyps mit herkömmlichen, im Handel angebotenen Geräten: Eine externe Lichtquelle, die er direkt auf dem Bildschirm lenkte, zeigte auf dem Dortmunder Gerät kaum noch Reflexe. Beim angeleuchteten Farbbildschirm waren die Reflexe hingegen gar nicht, bei einem monochromen Vergleichsbildschirm kaum sichtbar. Auch spezielle, von der Industrie angebotene Bildschirmbeleuchtungen, seien

nicht in der Lage, diese Effekte auszugleichen, sagte Bauer. Er will mit dem Einsatz neuer Bildschirme auch die Zwänge beseitigen, denen heute noch Architekten und Lichttechniker bei der Planung von Bildschirmarbeitsplätzen ausgesetzt sind. Bisher mußten die nämlich auf die Lichtverhältnisse für günstige Bildschirmpositionen mehr Rücksicht nehmen als auf die Wünsche der Mitarbeiter nach Behaglichkeit und Atmosphäre.

Dem Anwender, der im Augenblick vor einer Kaufentscheidung steht, empfehlen die Dortmunder, monochrom Bildschirme mit hellem Hintergrund zu nehmen. Der Grund dafür ist: Schriftzeichen auf dunklem Hintergrund erzeugen im menschlichen Sehapparat immer ein Abbild mit geringerer Schärfe als Schriftzeichen auf hellem Hintergrund. Arbeitsmediziner Ludwig Terhaag, Lehrbeauftragter an der Fachhochschule und Universität Düsseldorf, rät zu Zusatzeinrichtungen wie Lichtblenden, um Störfaktoren auszuschalten.

Auf die fehlenden Möglichkeiten, ärztliche oder sonstige Empfehlungen in der Praxis tatsächlich umzusetzen, wies Friedhelm Nachreiner von der Universität Oldenburg hin. Gewerkschaftsvertreterin Angelika Pensy aus Bremen forderte, Empfehlungen in einen gesetzlichen Rahmen zu bringen, der eine Mitsprache bei der Organisation und Überprüfung der Arbeitsbedingungen am Bildschirm zuläßt.

Den Stand der Qualifizierung der Mitarbeiter von Aufsichtsbehörden in diesem Bereich dokumentierte ein Teilnehmer der Oldenburger Veranstaltung, der vom Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig geschickt worden war, mit dem spontanen Zwischenruf: "Wir wissen noch nicht einmal, wie man Computer schreibt."