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15.04.1988 - 

Technischer Fortschritt bei den Herstellern von DTP-Komponenten:

Noch ist die Quadratur der Kreisbilder nicht passé

Das rasante Entwicklungstempo in der Hardwarebranche ermöglichte erst die Einführung dessen, was man gemeinhin mit Desktop Publishing bezeichnet. Dennoch hat die Industrie das Problem der Eins-zu-eins-Darstellung des zu druckenden Dokuments am Bildschirm noch nicht zufriedenstellend gelöst, und bei den Laserdruckern wird erst die nächste Generation wirklich eine hohe Auflösung bringen. Was an technischen Hilfsmitteln heute verfügbar ist, beschreibt Gerhard E. Vollmann*. Der Beitrag basiert auf einem gekürzten Referat aus dem CW-CSE-Seminar "Desktop Publishing - Professional Publishing".

Durch die Einführung der Personal Computer wurde der elektronische Informationsaustausch für alle Anwender in Firmen verschiedenster Größe zum absoluten Muß. Textverarbeitungsprogramme ermöglichten jedem Benutzer, Berichte und Ausarbeitungen direkt zu erstellen - ohne die firmeneigenen Schreibbüros. Durch die Weiterentwicklung der Textprogramme und das Einbinden von Grafiken, die mit Hilfe von speziellen Programmen erstellt wurden, erreichten die Ausarbeitungen ein quasi professionelles Aussehen.

Doch ein Manko war noch vorhanden: die Ausgabegeräte.

War die Ausarbeitung bei der Darstellung auf dem Bildschirm einwandfrei, verlor diese Ausarbeitung beim Druck über die Nadeldrucker an Qualität. Erst mit den Laserdruckern wurde dieses Manko behoben. Schriften konnten in verschiedenen Größen und Darstellungen ausgegeben werden, Kreise wurden rund wiedergegeben statt in der bisher bekannten Stufendarstellung. Dies war sicherlich nur ein erster Schritt zu dem, was wir heute Desktop Publishing nennen. Welche Schritte waren noch erforderlich?

Scanner ermöglichten den Professionellen Einsatz

Von besonderer Bedeutung sind die Layoutprogramme, mit deren Hilfe Text, Zahlen und Grafiken zu einer Dokument zusammengestellt werden können. Scanner zum Einlesen von Bildern und Ganzseitenmonitore, von denen einige Fabrikate sogar die Darstellung von zwei Seiten auf einem Bildschirm erlauben, rundeten das Desktop-Publishing-System ab und erlaubten den professionellen Einsatz.

Neben der DTP-Software ist zur schnellen Bearbeitung der Daten auch eine leistungsfähige Hardware notwendig. Hier hat es in der Vergangenheit entscheidende Entwicklungen gegeben. Die Firma Apple brachte 1985 mit Pagemaker und dem Macintosh das erste dedizierte Desktop-Publishing-System auf den Markt. Etwas später, durch die Verfügbarkeit von Pagemaker und Ventura, gab es die entsprechenden DTP-Lösungen auch für PC-Systeme unter dem Betriebssystem MS-DOS. Grundvoraussetzung für den Einsatz von DTP-Software unter dem Betriebssystem MS-DOS war eine gemeinsame Bedieneroberfläche. Diese wurde von den Firmen Digital Research mit GEM und von Microsoft mit Windows realisiert. Hierdurch wurde es den DTP-Softwareanbietern ermöglicht, eine Software zu entwickeln, die auf allen MS-DOS-Systemen unter einer gemeinsamen Bedieneroberfläche ablauffähig ist. Diese Bedieneroberflächen haben eine gewisse Ähnlichkeit mit der, die Apple auf seinem Macintosh realisiert hat. Gegenüber dem Macintosh, der ein geschlossenes System darstellt, haben die MS-DOS-Rechner den Vorteil, daß eine Unzahl von Text- und Grafikprogrammen zur Verfügung steht, die der Anwender eventuell schon im Haus hat und mit denen er schon seit langem vertraut ist.

Im Jahr 1990 werden laut Dataquest Desktop-Publishing-Systeme auf PC-Basis mit einem Wert von über 5 Milliarden Dollar weltweit installiert sein. Der Anteil der Systeme unter MS-DOS wird zirka 4 Milliarden Dollar betragen, was etwa dem dreifachen Wert der Installationsbasis nichtkompatibler PCs entspricht. Der Durchbruch der MS-DOS-PCs im DTP-Markt kam Ende 1986. Dies lag nicht zuletzt an der Verfügbarkeit sehr schneller PC-Hardware und geeigneter Software wie Ventura, Pagemaker und Personal Publisher.

Welche Anforderungen stellt nun DTP an die PC-Hardware? Auf den MS-DOS-Markt bezogen ist dies einfach zu beantworten. Die Hardware muß kompatibel und mit den leistungsfähigsten Prozessoren ausgestattet sein. Das Einstiegsmodell sollte mindestens dem AT-Standard entsprechen, denn Seitenumbruch und der Aufbau von Grafiken sind sehr rechenintensiv. Ein Anwender, der mit einem PC auf der Basis eines 8088- oder 8086-Prozessors arbeitet, wird sehr schnell die Lust am Desktop Publishing verlieren. Weiterhin benötigt ein DTP-System einen hohen Speicherausbau. Ein Megabyte Hauptspeicher ist die untere Grenze; erst ab zwei Megabyte Hauptspeicher wird das Arbeiten mit einem DTP-System interessant. Allein eine Grafik (DIN-A4-Seite), die mit einem Scanner eingelesen wird, benötigt einen Speicherbereich von einem Megabyte.

Desktop Publishing wird in fast allen Bereichen der Bürokommunikation eingesetzt. DTP-Systeme werden für die Erstellung von Rundschreiben, Prospekten, Bedienungsanleitungen, Preislisten, Formularen, Hauszeitschriften, Datenblättern und Magazinen benutzt, kurz gesagt, für die Erstellung von Druckschriften aller Art. Die Vorteile liegen hier in der Vereinfachung des Produktionsablaufs. Wie wurde die Erstellung von Druckmaterialien bisher ohne Desktop Publishing gehandhabt? Am Anfang stand die Idee. Mit Hilfe von Textverarbeitungs-, Grafik- und Kalkulationsprogrammen wurden die für die Dokumentation benötigten Inhalte zusammengestellt. Diese wurden dann dem hauseigenen oder einem externen Grafiker übergeben, der ein Layout entwarf und die verschiedenen Informationsteile zusammensetzte. Danach kann das Layout zur Korrektur zurück an den Auftraggeber. Der korrigierte, strich oder ergänzte und gab die Änderungen wieder an den Grafiker zur Weiterverarbeitung. Dieser zeit- und kostenintensive Vorgang wiederholte sich so lange, bis alles stimmte. Mit Hilfe eines Desktop-Publishing-Systems lassen sich viele Zwischenschritte einsparen. Ist ein Dokumentenlayout erst mal mit der DTP-Software definiert, lassen sich Text und Grafiken einbinden, Korrekturen direkt ins System eingeben.

Im Bereich des professionellen Desktop Publishing haben Laserprinter die Matrixdrucker und Plotter als Ausgabegeräte verdrängt. Die Möglichkeiten, die ein Laserdrucker bei der Gestaltung eines Dokumentes bietet, scheinen unbegrenzt zu sein. Die Kosten für einen Laserdrucker haben einen Stand erreicht, der es auch kleineren Unternehmen erlaubt, ein Gerät anzuschaffen. Durch seine Verfügbarkeit war es erst möglich, von Desktop Publishing, der Produktion von Dokumenten auf dem Tisch, zu sprechen. Voraussetzung für den universellen Einsatz dieser Drucker mit unterschiedlicher Desktop-Publishing-Software war die Konstruktion einer Standard-Softwareschnittstelle: Postscript.

Beim Ausdruck eines Dokuments, das viel Grafik enthält, entstehen längere Wartezeiten, die bis zu 20 Minuten dauern können. In dieser Zeit ist der DTP-Rechner für andere Arbeiten gesperrt. Um dies zu umgehen, werden Raster Image Prozessoren (RIP) angeboten. Diese werden zwischen dem PC-System und dem Laserdrucker installiert und übernehmen die Rechenarbeit für die Druckaufbereitung. Der DTP-PC wird dadurch entlastet. Der Anwender kann ohne Wartezeiten mit seinem DTP-System weiterarbeiten. Die Raster Image Prozessoren sind als eigenständiges Gerät oder als PC-Karte zum Einbau in einen PC erhältlich.

Bei der Erstellung und bei der Bearbeitung von Dokumentationen verbringen wir die meiste Zeit vor dem Monitor. Selbstverständlich kann man mit allen auf dem Markt befindlichen DTP-Softwareprodukten auch Standard-PC-Bildschirme benutzen, jedoch mit einer Einschränkung: Diese Standardbildschirme haben in der Regel eine Bildschirmdiagonale von 12 beziehungsweise 14 Zoll. Daraus folgt, daß bei Bearbeitung eines Dokuments nur ein kleiner Ausschnitt der Dokumentenseite auf dem Bildschirm einzusehen ist. Die höchste Auflösung, die die Standard-PC-Monitore zur Verfügung stellen, entspricht der EGA-Auflösung mit 640 mal 350 Bildpunkten. DTP-Software, die auch den neuen VGA-Modus unterstützt, ist zur Zeit noch nicht verfügbar.

WYSIWYG erfordert ein Bildschirm-Postscript

Leider gibt es für die Darstellung auf den Bildschirmen noch keine einheitliche Beschreibungssprache, wie zum Beispiel Postscript. Nur dann wäre es möglich, den Begriff WYSIWYG - What You See is What You Get - ernst zu nehmen. Viele Programme unterstützen zwar angeblich WYSIWYG, aber der Ausdruck unterscheidet sich noch immer von dem, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Allerdings entwickelt zur Zeit die Firma Adobe, die Postscript für die Laserdrucker entwickelt hat, zusammen mit der Firma Next, mit Steven Jobs an der Spitze, ein Display-Postscript. Hierdurch arbeiten Bildschirm und Drucker mit den gleichen Postscript-Treibern, so daß man ein echtes WYSIWYG erhält.

Folgende Bildschirme sind beispielsweise für das Arbeiten mit Desktop Publishing geeignet:

Bildschirm Auflösung Pixel Preis in Mark etwa

Genius Micro

Display 1008 x 736 5500

Megascreen 1024 x 1024 7000

Viking 1 1280 x 960 6500

AST Turbo 1025 x 1280 6000

Scanner werden dazu benutzt, bereits vorhandenes Bild- oder Textmaterial in ein Computersystem einzulesen. So kann zum Beispiel ein bereits bestehender Schaltplan mit einem Scanner gelesen und dann in eine technische Dokumentation eingearbeitet werden. Scanner, die auch Text einlesen können, arbeiten nach dem OCR-Verfahren (Optical Character Recognition), wobei hier der erforderliche Zeichensatz dem Scanner "antrainiert" werden muß.

Scanner Preis in Mark etwa

Hewlett Packard Scan Jet 5500

Siemens ST 400 9000

Agfa-Gevaert 5200 PC 9000

Abaton Scan 300 7950

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer - genausowenig macht ein Desktop-Publishing-System aus denn Anwender einen erfahrenen Grafiker oder Layouter. Diese Tatsache wird oft unterschätzt. Text und Grafik wollen richtig plaziert, Schriften dem Inhalt entsprechend nach grafischen Gesichtspunkten ausgewählt sein. Zu den Anschaffungskosten für ein DTP-System kommen, und dies wird ebenfalls nicht immer, bedacht, die Schulungskosten für den Bediener. Ist ein professionelles DTP-System ab etwa 26000 Mark zu haben, kommt für die Schulung der Anwender nochmals ein Betrag hinzu, der zwischen 1000 und 5000 Mark liegen kann. Ein Anwender, der im Bereich Layout und Grafik noch keine Erfahrung gesammelt hat, muß neben der Einweisung in seine Hard- und Softwarekomponenten auch im grafischen Bereich geschult werden, Fachleute verschiedener Abteilungen arbeiten an der Erstellung einer Dokumentation mit. Der Fachmann am Grafikarbeitsplatz erstellt die Grafiken, ein anderer schreibt den Text. Die so entstandenen Text- und Grafikdateien werden auf dem Fileserver abgelegt. Eine Fachkraft am Desktop-Publishing-Arbeitsplatz übernimmt die Dateien und fügt sie zu der endgültigen Dokumentation zusammen. Eine Verbindung des PC-Netzes mit dem hausinternen Großrechner erlaubt den Zugriff auf unternehmenseigene Datenbanken, deren Inhalte zur Erstellung einer Informationsschrift benötigt werden. Weiterhin ist denkbar, daß das fertige

Dokument als Datenfile in die hauseigene Werbe- oder Grafikabteilung geschickt wird, um die Dokumente auf einem Belichter auszugeben.

Wie alle Bereiche der Computertechnik wird auch der Bereich Desktop Publishing sehr häufig Änderungen unterliegen. Laserdrucker werden mit einer Auflösung von 600 x 600 Punkten und 1200 x 600 Punkten zu wirtschaftlichen Preisen zur Verfügung stehen. Drucker, die in der Lage sind, farbige Ausdrücke zu liefern, werden neue gestalterische Möglichkeiten eröffnen. Die DTP-Softwareprodukte, die ja fast ausschließlich aus den USA kommen, werden mit einer funktionellen deutschen Silbentrennung arbeiten. Last not least: Die Anwendung der Software wird leichter erlernbar sein.