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04.11.1994

Noch kein Konkurrenzverhaeltnis zu ISDN B-ISDN: Das Allzwecknetzwerk fuer multimediale Kommunikation

Von Stephan Eisenbeiss*

Obgleich ISDN sich noch nicht flaechendeckend etabliert hat, steht mit Breitband-ISDN die zweite Generation vor der Tuer. B-ISDN soll kuenftig die Datenvermittlung fuer praktisch alle Spielarten der Kommunikation besorgen: von Telefon, Bildtelefon ueber Datenuebertragung im LAN, MAN und WAN bis hin zur Echtzeit- Videouebertragung und Video on demand.

Kriterien fuer das ehrgeizige Ziel der Telekom sind einerseits die hohe, an die Anforderungen der Anwendung anpassbare Bandbreite sowie die Qualitaet der Datenuebermittlung, die den Erfordernissen sowohl von Multimedia als auch der High-speed-Vernetzung genuegt.

B-ISDN, das dienstintegrierende digitale Breitbandnetz, bietet die Technologie, um alle bisher eingesetzten Kommunikationsnetze Schritt fuer Schritt zu ersetzen und auf diese Weise eine echte Serviceintegration zu verwirklichen. Mit einer Bandbreite von 155 Mbit/s (netto um 100 Mbit/s) ist B-ISDN etwa 1500mal leistungsfaehiger als ISDN mit 64 Kbit/s. Zu dieser hohen Datenrate kommen allerdings noch andere Eigenschaften, die den besonderen Anforderungen moderner Anwendungen entsprechen.

Multimedia-Daten benoetigen eine zeittransparente Datenuebertragung. Das heisst, die Transferzeiten duerfen nur um ein ganz bestimmtes Mass verzoegert werden (Delay) beziehungsweise schwanken (Delay Jitter). Falls dies nicht gewaehrleistet ist, verschlechtert sich die Qualitaet des Tons und es kommt zu Bildstoerungen. Bei Anwendungen wie Video-Conferencing oder Video on demand sind solche Maengel dem Kunden gegenueber nicht zumutbar. B-ISDN hingegen gewaehrleistet diese Zeittransparenz.

Bei File-Transfer ist dieses Qualitaetsmerkmal zweitrangig. Es macht in der Regel wenig aus, ob ein remoter Dateizugriff schneller oder langsamer erfolgt. Wichtiger ist, dass keine Daten verlorengehen duerfen, jedes Bit zaehlt. Bei Bild- und Tondaten lassen sich verlorengegangene Daten hingegen in einem gewissen Rahmen interpolieren.

Die verschiedenen Anwendungen differieren sich ausserdem in der benoetigten Bandbreite: Bei Bilddaten werden mehr Daten pro Zeit uebertragen als bei Ton, der Verbindungskanal soll an diese verschiedenen Anforderungen anpassbar sein - Stichwort Skalierbarkeit. Wenn eine B-ISDN-Leitung aufgebaut wird, werden solche Qualitaetsanforderungen (Quality of Service) vereinbart und fuer die Dauer der Verbindung garantiert.

B-ISDN basiert auf dem Asynchronous Transfer Mode (ATM), der ein zellorientiertes Uebertragungsverfahren repraesentiert: Die zu uebermittelnden Daten werden in Zellen von nur 48 Byte aufgeteilt, hinzu kommen 5 Byte Verwaltungsinformationen, so dass die Zellgroesse 53 Byte betraegt. Die kleine, konstante Zellgroesse ermoeglicht eine extrem schnelle Bearbeitung der Zellen in der Hardware und bewirkt geringe sowie errechenbare Durchlaufzeiten.

In dem 5 Byte grossen Header ist festgelegt, welchem virtuellen Kanal die Zelle zugehoert, wodurch sich mehrere Kanaele eine physikalische Verbindung teilen koennen. ATM taugt sowohl fuer Single-Verbindungen als auch fuer Multi-cast-Connections. Generell ist bei ATM noch eine mangelnde Standardisierung zu bemerken, die in naechster Zeit weiterhin potentielle Anwender von einem Einsatz von ATM zurueckhalten wird.

Andreas von Bechtolsheim, Mitbegruender von Sun Microsystems, sieht die naechste Zukunft von ATM im Internet-Working-Bereich. Fuer den Einsatz im LAN ist ATM seiner Meinung nach gegenueber Fast-Ethernet noch nicht konkurrenzfaehig. Dessen Vorteil liegt darin, dass es vergleichbare Bandbreiten liefert, aber durch die Plazierung direkt auf dem Motherboard sowie durch die bekannte Technologie noch geraume Zeit billiger sein wird. Wer sein LAN nach aussen hin mit ATM vernetzt, intern aber weiter auf Fast Ethernet setzt, verzichtet allerdings auf die Zeittransparenz der ATM-Technologie.

Dennoch wird dies fuer die meisten Firmen der zu beschreitende Migrationspfad sein. Bei vermehrten Datenaufkommen in der elektronischen Kommunikation, sei es durch die steigende Teilnahme am Internet oder durch den Aufbau innerbetrieblicher Kommunikationsstrukturen weitverzweigter Unternehmen, ist der DV- Verantwortliche mit B-ISDN auf der zukunftssicheren Seite - auch wenn sich die Preise der Telekom momentan nicht motivierend auf den Einsatz von ATM im WAN-Bereich auswirken.

Im Mai dieses Jahres hat die Telekom erstmals die Gebuehren fuer B- ISDN benannt, die sich, wie beim herkoemmlichen Telefon, in Anschlussgebuehr von 1000 Mark, eine monatliche Grundgebuehr sowie die entstandenen Verbindungskosten nach Orts- und Weitzone gliedern - und ausserdem noch nach der bestellten Bandbreite (vgl. Tabelle 2).

Nach dieser Kostenstruktur wuerde die Nutzung einer 155-Mbit/s- Leitung fuer fuenf Stunden pro Woche mit einer B-ISDN-Rechnung von 234 000 Mark im Monat zu Buche schlagen - es bleibt abzuwarten, wie die Telekom die Gebuehrenstruktur gestalten will.

Anzumerken ist ferner, dass B-ISDN trotz des nahezu identischen Namens nicht in direkter Konkurrenz zu ISDN steht. Dazu sind die Leistungen und Preise zu unterschiedlich (vgl. Tabelle 1). Zudem haben sich im ISDN Standards etabliert und sind Anwendungen wie TCP/IP, SLIP oder PPP zur Internet-Anbindung fuer alle wichtigen Plattformen sowie brauchbare ISDN-Adapter verfuegbar. Niemand, der Anschluss ans Internet sucht, muss also auf B-ISDN warten.

* Stephan Eisenbeiss ist Mitarbeiter der Medienagentur Ariadne in Karlsruhe.