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05.06.1992 - 

380 Millionen für Umweltschutz-Software?

Noch machen Ingenieurbüros und kleine SW-Häuser den Markt

In allen Umweltschutz-relevanten Branchen der Industrie ist ein erheblicher Investitionsstau zu verzeichnen. Die meisten Großunternehmen haben in den letzten Jahren Umweltschutz-Software

nur punktuell eingesetzt, nämlich dort, wo aus Sicht der DV Insellösungen keinen Schaden anrichten konnten. Die ganzheitlich integrierte Lösung fehlt bis heute. Der Handlungsdruck ist aber derart gestiegen, daß viele Unternehmen notgedrungen bereits mit Eigenentwicklungen beginnen.

Im Rahmen von Marktanalysen haben wir in den letzten Jahren den Markt für Umweltschutz-Software untersucht und kontinuierlich beobachtet. Die nachfolgenden Zahlen basieren auf diesen Analysen und auf Angaben des Statistischen Bundesamtes, die jährlich in der Reihe "Investitionen für Umweltschutz" veröffentlicht werden.

In der produzierenden Industrie stellt sich der Bedarf an Umweltschutz-Software derzeit wie folgt dar:

Geht man davon aus, daß die großen Unternehmen mit Bedarf an ganzheitlicher Software bereit sind, für Umweltschutz-Software bis zu 100000 Mark auszugeben, beträgt das bereitstehende investitionsvolumen, 96 Millionen Mark. Nimmt man an, daß für Teillösuügen, also für Standardsoftware zur Lösung dedizierter Aufgaben 50 000 Mark je Unternehmen investiert werden, beträgt das aufgestaute Investitionsvolumen 91 Millionen Mark. Der Bedarf anderer Industriezweige, Institute und Forschungseinrichtungen wird zirka 30 Millionen Mark betragen. In diesen Zahlen sind die neuen Länder @ noch nicht berücksichtigt.

Die Investitionen der öffentlichen Verwaltung

Die im Behördenbereich für Umweltschutz-Software geplanten Mittel dürften für 1992 in der Größenordnung von 160 Millionen Mark liegen.

Diese Angabe beruht auf folgenden Zahlen für die alten und, neuen Bundesländer: Die aufgeführten Gemeinden werden nur punktuell, beispielsweise für Fachlösungen wie Indirekteinleiter-Überwachung, in Umweltschutz-Software investieren. Es wird eine einmalige mittlere Investition von 10 000 Mark angenommen.

Städte ab 100 000 Einwohner dürften ein einmaliges Mittleres Investitionsvolumen von 750 000 Mark aufbringen.

Der Bedarf der Kreise und Regierungsbezirke ist schwer zu fassen. Aufgrund ihrer Aufgaben im Umweltschutz müßten sie mit ganzheitlicher Software ausgerüstet werden. Das dürfte aber auf absehbare Zeit nicht finanzierbar sein. Wir schätzen das einmalige Investitiotisvolumen auf 50 000 Mark pro Behörde.

Bei den Ländern können Investitionen in Umweltsoftware pro Jahr angegeben werden. Die 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland bilden zwei Gruppen, nämlich solche, die sich in der Studien- oder Konzeptionsphase befinden (13 Länder), und solche, die bereits in der Realisierungsphase sind (drei Länder) oder ihre Umwelt-Informationssysteme weitgehend fertiggestellt haben. Für erstere wurde ein mittleres Investitionsvolumen von 2,8 Millionen, für letztere ein Volumen von 15 Millionen Mark pro Jahr ermittelt.

Für die restlichen Umweltbehörden schätzen wir einen Gesamtbetrag von zirka drei Millionen Mark.

Die Investitionsvolumina von Industrie und öffentlicher Verwaltung zusammen ergeben damit einen Betrag von zirka 380 Millionen Mark. Aufgrund des existierenden Handlungsdrucks gehen wir davon aus, daß der größte Teil dieser Summe 1992 zur Verfügung steht.

Anbieter für ganzheitliche Software zu klein

Die im Jahr 1991 mit Umweltschutzsoftware (Standardsoftware und Auftragsentwicklungen) erzielten Umsätze der Anbieter haben zirka 180 Millionen Mark betragen. Anwendungen für den Arbeitsschutz und geografische Informatiotissysteme sind in dieser Zahl nicht enthalten. Neben den wenigen DV-Herstellern, die Umweltschutz-Software entwickeln, treten überwiegend Ingenieurbüros und kleine Softwarehäuser als Anbieter auf

Interessant ist die Größe der Software-Anbieter nach Beschäftigten.

Diese Zahlen erklären die Marktsituation. Die kleinere Softwarehäuser und Ingenieurbüros verfügen zwar meist über ausgezeichnete Sachkenntnisse, sie sind aber nicht in der Lage neben Entwicklung und Pflege ihrer Standardprodukte ganzheitliche Software anzubieten, die zudem oft noch in bestehende DV-Landschaften integriert werden soll. Die großen Softwarehäuser und DV-Hersteller konzentrieren sich auf kundenspezifische Entwicklungen und scheuen Investitionen in eigene Produkte, weil der Return on Investment schwer zu beurteilen ist.

Trotz dieser aus Sicht der Anwender sicher unbefriedigenden Situation gibt es derzeit mehr als 180 Umweltschutz-Softwarelösungen auf dem Markt.

In der Tabelle sind die wesentlichen derzeit käuflichen Softwareprodukte nach Anwendungsgebieten und Herstellern aufgeführt. Sie basiert auf Angaben des "Softwareführer Umweltschutz" (MES-Verlag, ISBN 3-928098-00-4) und auf eigenen Recherchen. Software-Entwicklungen von Instituten, Hochschulen und Behörden wurden in die Übersicht nicht aufgenommen, weil sie in der Regel individuellen oder Modellcharakter haben.

Anbieter technischer und kommerzieller Standardsoftware für große Industrieunternehmen werden nicht umhin können, Umweltaspekte in ihren Lösungen zu berücksichtigen. Das gilt besonders für Instandhaltung, Qualitätssicherung, PPS, Materialwirtschaft, Kostenrechnung und Finanz buchhaltung.

Prognose der Marktentwicklung

Die kleinen Softwarehäuser dürften ihre Standardprodukte überwiegend im Mittelstand und im kommunalen Bereich absetzen können.

Für alle Anbieter von Umweltschutz-Software gilt, daß sie von dem bestehenden Investitionsstau und darüber hinaus von einem sicher überproportional Zuwachsenden Markt profitieren können.

Die Kosmopoliten unter ihren werden außerdem den Vorsprung zu nutzen wissen, den die Bundesrepublik Deuschland in der Umweltschutz-Informatik hat.