Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

26.09.1997 - 

Internet für kleine und mittlere Unternehmen/Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Noch profitieren Telearbeiter nicht vom Netz der Netze

"Work where you want" heißt die Devise - oder Ubiquität statt Reichweite, wie es Bernd Schiphorst von Bertelsmann New Media formuliert. Jeder arbeitet dort und dann, wo und wann er will. Hauptsache, er ist via Modem mit seinem PC oder per Handy erreichbar.

Das traditionelle Verständnis der Telearbeit, die sich aus der in Verruf geratenen Heimarbeit entwickelt hat, gerät zunehmend ins Wanken. Zugriff auf Information und Erreichbarkeit entledigen sich ihrer Beschränkung auf das häusliche Arbeitszimmer oder den Schreibtisch im Büro. Denn die eigentliche Triebfeder ist das Netz.

Auf absehbare Zeit erwartet David Dean, Geschäftsführer der Boston Consulting Group in München, einen heftigen Wettbewerb um die Anwender. PC, NC, TV und Handy und mit Abstrichen auch der Personal Digital Assistant (PDA) werden sich das Rennen als Internet-Endgeräte liefern.

Für den Kunden brechen also rosige Zeiten an: Gemäß dem Mooreschen Gesetz, demzufolge teure Anwendungen in fünf Jahren zehnmal und in zehn Jahren hundertmal leistungsfähiger und billiger geworden sind, steht der Massenmarkt unmittelbar bevor. Dabei müssen Dean zufolge vor allem die TV-Hersteller ein Riesenproblem bewältigen: Wie die Beispiele HDTV- und 16:9-Format zeigen, lassen sich Innovationen in der Unterhaltungsindustrie nur mühsam auf den Weg bringen.

Der "Homo Connectus" ist auf dem Vormarsch. In der Arbeitswelt etablieren sich interaktive Systeme und Netze, die den schon lange geforderten Paradigmenwechsel einläuten: Beschäftigung statt Arbeitsplatz. Doch solange bei der überwiegenden Mehrheit der Entscheider das Bild des chaotischen und von Sex und Gewalt dominierten Internet vorherrscht, bleibt die zügige Umsetzung moderner Organisationskonzepte in die betriebliche Praxis ein frommer Wunsch.

"Telearbeit ist für die meisten Unternehmen eher ein Mittel, Teile des Betriebs auszulagern", gibt Empirica-Chef Klaus Korte zu bedenken. In Zukunft jedoch würden Freiberufler und Selbständige die vielfältigen Spielarten der Telekooperation prägen. Schon heute sei die Tendenz unter Hochschulabsolventen bemerkenswert gestiegen, den eigenen "virtuellen" Laden aufzumachen.

Wie Ursula Neugebauer von Burke Infratest in München erwartet, werden die neuen Medien in zehn Jahren jedem vierten Berufstätigen selbstverständliches Arbeitsmittel sein.

Ob bei der Vollzeit-Telearbeit zu Hause, im Pendelverkehr zwischen Wohnung und Büro, unterwegs zum Kunden oder bei der Beschäftigung in Telearbeitszentren - Selbständige sowie angestellte Telearbeiter sind auf stabile Systeme angewiesen, die ihnen den Zutritt in die Welt der virtuellen Kooperation ermöglichen. Von wenigen Recherchen einmal abgesehen, kommt zum Beispiel die Mathematikerin Anni Böhm-Huber aus Olching ohne Internet aus. Für die Kommunikation mit ihren Auftraggebern und Gesprächspartnern sind ihr Fax und E-Mail gut genug. Zusammen mit ihrem Ehemann prüft sie Programmentwicklungen auf ihre Qualität. Dafür stehen ihr eine Alpha- und eine Pentium-Workstation zur Verfügung, die unter Digital Unix und Windows NT laufen. Die Teleworkerin ist von der Auftragslage nicht gerade begeistert. "Die Ressentiments sind noch zu groß", wundert sich die Expertin. Wenn schon Telearbeit, meinten einige Firmenchefs, "dann gleich Indien".

Wer seinen Mitarbeitern aber die Chance gibt, die Telearbeit zu erproben, kann zwischen mehreren Alternativen wählen. Um die Datenquellen des Arbeitgebers anzuzapfen, bieten sich Modem, ISDN oder Standleitung an. Die Kommunikation über GSM oder ATM ist noch zu langsam beziehungsweise kaum verfügbar. Über die Vorteile des Modems muß man nicht diskutieren. Nimmt allerdings der Umfang der zu übertragenden Daten kontinuierlich zu, sollte man sich mit ISDN anfreunden. Ein um das Fünf- bis Zehnfache schnellerer Verbindungsaufbau sowie die nach oben offene Übertragungsrate machen diese Technik insbesondere für die Telekooperation zu einer lohnenden Investition.

Große Erwartungen sind mit Asymetric Digital Subscriber Line (ADSL) verknüpft: Sechs Millionen Bits pro Sekunde oder 11000 Schreibmaschinenseiten pro Minute rasen durch das Netz. Doch schon heute erweitern Router und Bridges das unternehmensweite Netzwerk bis in die Ecke des häuslichen Arbeitsplatzes. Lösungen wie "Office Connect" von 3Com, die Datenkompression, Spoofing und Kanalbündelung gleich mitliefern und kaum größer sind als eine Videocassette, docken die Daten des Telearbeiters in wenigen Minuten ans Unternehmensnetz oder beim Internet-Provider an.

ISDN und Internet sind auch für die Condat GmbH und die Telekooperation mit ihren Kunden und externen Softwarespezialisten nicht mehr wegzudenken. Thomas Popp, Gesellschafter des in Ottobrunn und Berlin ansässigen Software- und Beratungshauses, bringt die Vorteile auf den Punkt: "Das Internet ist eine Info-Drehscheibe, über ISDN läuft die Entwicklungsschiene." In SAP- und Baan-Projekten kommt das Customizing am externen Teleworker nicht vorbei. Für klar definierte und persönlich dargelegte Entwicklungsaufgaben arbeitet man mit einem kleinen Stamm von Spezialisten zu, die über "kostengünstige und absolut zuverlässige" ISDN-Leitungen an das Condat-Team andocken und aufs Zielsystem zugreifen. Via Internet tauscht man sich "exzessiv" aus und schiebt Dokumente und Projektunterlagen hin- und her. Was jedoch online in der jeweiligen Systemumgebung geschieht, hat mit dem Web nichts zu tun.

"Wir sind inzwischen ein virtueller Verbund, in dem Condat, seine Kunden und Entwickler als feste Telekooperationspartner an mehreren gemeinsamen Strängen ziehen", legt Popp die Marschrichtung fest. Doch der Vorstoß in virtuelle Welten darf die persönlichen Kontakte nicht verkümmern lassen. "Erfolg ist nicht auf technische Kompetenz zurückzuführen, sondern Ergebnis effizienter persönlicher Verständigung."

Auf Erfolg programmiert sind eigentlich auch Deutschlands technische Voraussetzungen. Mit dem engmaschigsten Glasfaserkabel- sowie dem größten digitalen Mobilfunknetz der Welt, dem Zugriff auf modernste Satelliten und Internet-Server wird mächtig Eindruck gemacht auf internationalem Parkett. Laut Telekom ist Deutschlands Infobahn dank ISDN die "bestausgebaute der Welt" - für Teleworking, Telelearning, Telebanking stehen die Zeichen günstig wie nie. Doch die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist tief: Sollte das Potential von zehn Prozent der rund 35 Millionen Arbeitsplätze nicht bald erschlossen werden, droht der Abstieg in die technische Regionalliga.

Man muß sich noch ein wenig gedulden

Daß es nicht soweit kommen muß, ist wahrscheinlich den Teleworkern selbst zu verdanken, die sich vor allem durch ihre professionelle Arbeit einen Namen schaffen und damit dem neuen Metier Auftrieb verleihen. Bereits seit 1983 macht Alexander Löw von sich reden, der zur Zeit in zwei Großprojekten der Deutschen Post AG seinen (Tele-) Mann steht.

In seinem Home-Office in Darmstadt und in Büros des "gelben Riesen" in Düsseldorf, Bonn, Nürnberg und München bastelt der Informatiker an der Optimierung der Routenplanung im Postverkehr und ist zudem verantwortlich für die IT-Projektleitung bei der Data-Warehouse-Einführung. Als High-end-Equipment steht ihm ein "Pentium-200"-Rechner mit aktiver ISDN-Karte zur Verfügung, über den er hauptsächlich administrative Aufgaben wahrnimmt.

Das Internet ist für den Teleworker Löw vor allem Kommunikationsplattform und Recherchemittel, mit der er wesentlich schneller als früher die berühmte Stecknadel im Heuhaufen finden kann.

Für andere Aufgaben sei es zu unsicher und verfüge nicht über verbindliche Standards, weshalb an der ISDN-Standleitung kein Weg vorbeiführe. Ein großes Manko ist die Geschwindigkeit: "Eine Verbindung nach Amerika läßt sich schneller aufbauen als von Bonn nach Hamburg." Internet und Telearbeit - man muß sich wohl noch ein wenig gedulden.

ANGEKLICKT

Internet und Telearbeit - für viele Teleworker hängen die Termini schon engstens zusammen, auch wenn die technischen Mängel der Internet-Verbindung es dem flexiblen und meist PC-bestückten (freien) Mitarbeiter nicht ganz leicht machen. Die Chancen stehen hierzulande dennoch schon jetzt für solche Arbeiten gut, bei denen weder der Sicherheits- noch der Geschwindigkeitsaspekt im Vordergrund steht. In erster Linie ist das Internet bisher eine Info-Drehscheibe. Die Entwicklungsschiene läuft (noch) über das ISDN.

*Max Leonberg ist freier Journalist in München.