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25.10.1996 - 

CW-Umfrage zum Thema multimediales Lernen

Noch reißen sich Anwender nicht um Lernprogramme

207 Trainingsunternehmen äußerten sich in einer CW-Umfrage zur Bedeutung multimedialer Lernprogramme. Obwohl sich alle an der Untersuchung beteiligten Schulungsanbieter mit den Potentialen und Zukunftsaussichten interaktiver Lernmedien auseinandersetzen, kommt die neue Unterrichtsform erst in jedem vierten Schulungsangebot vor und macht dabei rund 20 Prozent des angebotenen Trainings aus.

Interessant ist die Beurteilung des Kundeninteresses: Wie die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer erklärt, fragt nur jeder achte Kunde nach interaktiven Lernmöglichkeiten, wobei Programme der reinen Computer Based Training (CBT-)Anbieter und nicht von den Trainingsunternehmen entwickelte Systeme favorisiert würden. Im Vordergrund stehen dabei Programme zu Standardsoftware und DV-Grundlagen. Angebote aus den Bereichen Fremdsprache und Verhaltenstraining sind dagegen eher die Ausnahme. Die überwiegende Mehrheit der Kunden von Schulungsanbietern scheint sich für das Thema Multimedia also noch nicht zu erwärmen.

Bei der Frage, für welche Themen sich die neuen Lernprogramme am besten eignen, gehen die Antworten erwartungsgemäß weit auseinander. Mit deutlichem Abstand rangieren Programme für den Computeranfänger an erster Stelle, gefolgt von Inhalten mit fachlichem Schwerpunkt. Grundsätzlich sei jede Form von Basiswissen gut per Multimedia zu vermitteln, vor allem in der individuellen Vor- und Nachbereitung von Unterrichtsinhalten. Themen mit ausgeprägtem theoretischem Schwerpunkt kämen hier in Betracht. Auffallend wenig dagegen bieten sich interaktive Systeme für Kommunikationstrainings und organisatorische Themen an.

Optimistisch blicken die Trainingsanbieter in die Online-Zukunft. "Das könnte was werden", meinen über 80 Prozent der Befragten. Diese Zuversicht ist sicherlich auch kommerzieller Natur. IT-orientierte Schulungsunternehmen versprechen sich über Internet und Co. auch glänzende Absatzperspektiven, wozu auch der Trend zur PC-Aufrüstung der privaten Haushalte und Kleinunternehmen (small office/home office) beitragen könnte.

Nur zehn Prozent der Befragten schließen deshalb eine Geschäftserweiterung über die Netze definitiv aus.

Bei genauerem Hinsehen jedoch ist die geplante Online-Zukunft mit Einschränkungen verbunden: erstens nur als Ergänzung des traditionellen Lernens und zweitens nur unter der Voraussetzung behobener technischer Probleme. Vor allem die niedrige Geschwindigkeit in den Netzen erschwere den Zugriff auf Inhalte, ferner kritisieren einige Unternehmen die hohen Kosten der verfügbaren Infrastruktur.

Kosten und Technik sind nicht die Bremser

Als größte Schwierigkeiten beim Einsatz elektronischer Lernmedien werden technische Probleme und Kostenargumente zwar auch oft genannt. Überraschenderweise fallen aber hier Faktoren der zwischenmenschlichen Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler sowie didaktisch-methodische Probleme deutlich mehr ins Gewicht.

Das mit Abstand schwerwiegendste Hemmnis scheint das fehlende Feedback über den Lernfortschritt zu sein.

Bezüglich der methodischen Unzulänglichkeiten führen die Befragten weitere Schwierigkeiten an:

- ungestörtes Lernen ist am Arbeitsplatz nicht möglich,

- Gruppenunterricht ist ebenfalls nicht realisierbar,

- Anwender haben unterschiedlichen Wissensstand.

Als gravierend wird auch das Akzeptanzproblem eingeschätzt. Angst oder Vorbehalte gegenüber Neuem scheinen bei Schulungsteilnehmern stark ausgeprägt zu sein und jegliche Vorstöße in Richtung Multimedia und der damit verbundenen Individualisierung des Lernens zu blockieren. Daß oft auf Einschnitte in die Lehrer-Schüler-Kommunikation und den sozialen Kontext hingewiesen wird, mag ebenso wenig verwundern wie die verbreitete Kritik hinsichtlich fehlender Lernkontrolle und mangelnder Selbstdisziplin der Lernenden. In technischer Hinsicht werden die mangelnde Standardisierung der Hardware, Probleme bei der Computerausstattung, komplizierte Handhabung der Software sowie bereits erwähnte Netzbarrieren hervorgehoben.

Eher als Bestätigung der herrschenden Diskussion über die Vorteile des multimedialen Lernens lassen sich die Statements der Unternehmen zusammenfassen. Zeitliche und örtliche Verfügbarkeit, Ersparnis an Kosten und Zeit sowie die Flexibilität dienen als Argumente. Darüber hinaus erkennen die Schulungsanbieter auch Potentiale der individuellen Lernbegleitung, des selbstbestimmten Lerntempos sowie einer höheren Lernmotivation. Multimediales Lernen soll schließlich auch bislang unerschlossene Kreise zur Weiterbildung motivieren.

Welche Zukunftschancen haben Telelearning und Teletutoring für die Schulungsanbieter? Analog zur Einschätzung des Online-Lernens äußert sich nur eine verschwindend geringe Minderheit pessimistisch. Doch Bedingung für einen Marktdurchbruch der neuen Lernformen seien niedrigere Netzkosten und notwendige Korrekturen in den organisatorischen Strukturen der Unternehmen. Vor allem das Lernverhalten stehe auf dem Prüfstand. Fazit: Multimedia allein wird kaum den gewünschten Lernerfolg mit sich bringen. Ohne eine entsprechende Lernkultur, die den einzelnen zur Weiterbildung motiviert und seine Eigeninitiative fördert, bleiben gutgemeinte Ansätze wirkungslos.