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12.03.1999 - 

Noch sind Gewinne Zukunftsmusik

Noch sind Gewinne Zukunftsmusik I:FAO will mit Software für Internet-Buchung abheben

Von Andrea Goder FRANKFURT/M. - Mit der I:FAO AG feierte vor kurzem ein weiterer Internet-Wert auf dem Börsenparkett des Neuen Marktes Premiere. Der Frankfurter Anbieter von Software für das Buchen von Geschäftsreisen im Internet hat jedoch bislang mit seinem Hauptprodukt, das zum Kassenschlager avancieren soll, kaum nennenswerte Umsätze erzielt. Demzufolge sind derzeit auch die Gewinnaussichten eher spekulativ.

Als I:FAO-Chef Louis Arnitz vor fünf Jahren damit begann, Reisen online zu verkaufen, war das Internet in Deutschland noch weitgehend unbekannt. "Das einzige, was es 1994 schon gab, war Compuserve - ein rein proprietärer Online-Service", erinnert sich der Vorstandsvorsitzende. I:FAO ist allerdings keine Gründung aus den 90er Jahren. Die Ursprünge des Unternehmens, das zunächst als klassisches Reisebüro agierte, reichen bis ins Jahr 1977 zurück - damals war es bekannt unter dem Namen "Flugbüro am Opernplatz", kurz: FAO.

Online-Buchungen erst seit 1994 Kerngeschäftsfeld

Doch seit ihrer Wandlung zu einem mehr oder weniger reinrassigen Technologieunternehmen im Jahr 1994 sind die Frankfurter vorwiegend auf die Entwicklung und Vermarktung von Online-Software für Geschäftsreisen fokussiert. Zum Kern-Business gehört das Produkt "Hotel Service", ein multimedialer Reservierungsdienst sowohl für Geschäftsreisende als auch private Kunden mit weltweit mehr als 47000 Vertragshotels, die telefonisch, per Fax oder online gebucht werden können.

Große Erwartungen setzen die Hessen jedoch vor allem auf ihre zweite Entwicklung, die Business-to-Business-Lösung "IBE:TMS" (Internet Booking Engine: Travel Management System). Mit diesem Produkt können Manager via Internet Reisen selbst buchen. Nach Angaben von I:FAO wählt die Software automatisch den günstigsten Anbieter. Und was im Zweifel mindestens ebenso bedeutsam ist: Sie hält sich mittels entsprechender Vorkonfiguration an vereinbarte Firmentarife und Reiserichtlinen des jeweiligen Unternehmens. Für Anwender bedeute das "enorme Kosteneinsparungen", behauptet Arnitz.

Keine Kosten und Mühen haben die Frankfurter indes eigenen Angaben zufolge für die Entwicklung des Produkts gescheut. Eine Investition, die sich jetzt auszahlen soll. Arnitz sieht sich derzeit als "Marktführer bei neutraler Standardsoftware für Geschäftsreisen". Doch die Konkurrenz schläft nicht. Vielmehr formieren sich die Anbieter derzeit (auch) im deutschen Markt gerade zum vielleicht entscheidenden Kampf um den Kunden. So entwickelte SAP unlängst ein Reiseplanungs-Tool; ein von Lufthansa Air Plus stammendes System steht ebenfalls kurz vor der Auslieferung.

Was sich jetzt in Deutschland so langsam als Markt etabliert, haben aber einschlägige Anbieter in den USA längst unter sich aufgeteilt und halten nun nach internationalen Kunden Ausschau. Für die Frankfurter dürfte das heißen, daß sie sich warm anziehen müssen. Denn kapitalkräftige Player wie Preview Travel, ITN, AXI, Sabre BTS, American Express oder Uniglobe Travel Online UTO (an dem sich erst vor kurzem Galileo International beteiligte) buhlen zunehmend auch im europäischen Markt um die Gunst der umsatzträchtigen Business-Klientel. Was für den I:FAO-Chef allerdings aus Sicht der Kundschaft einen Pferdefuß hat: "Diese Anbieter sind nicht neutral. Sie haben entweder eine Airline oder ein Kreditkartenunternehmen und damit entsprechende Interessen im Rücken", kennzeichnet er den vermeintlichen Schwachpunkt der Wettbewerber. Für Firmen, die in erster Linie an Kosteneinsparungen interessiert sind, dürfte diese Argumentation allerdings irrelevant sein - solange der Preis stimmt.

Um dennoch international ihr Business auf Touren zu bringen, arbeiten die Frankfurter jetzt mit Nachdruck am Ausbau des Vertriebs. Allein 50 Prozent des Emissionserlöses sollen in diesen Bereich fließen. Wichtigster Vertriebspartner ist bislang Siemens Business Services (SBS), das wiederum mit verschiedenen Reisebüroketten wie American Express International, Deutsches Reisebüro oder First Management arbeitet. Neben bereits bestehenden Aktivitäten in Österreich, der Schweiz und Großbritannien soll noch in diesem Jahr der westeuropäische und skandinavische Markt in Angriff genommen werden. Im Visier hat I:FAO aber auch Geschäftskunden in Japan, Australien und Südamerika. Den Sprung über den Atlantik in den heiß umkämpften US-Markt wagt Arnitz jedoch nicht vor dem Jahr 2000.

Ob die Expansionsspläne der Frankfurter aufgehen, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie schnell der vielzitierte E-Commerce auf eine breite Resonanz stößt. Eine Unsicherheitskomponente also, die noch für fast jedes Internet-Geschäftsmodell gilt. Auf jeden Fall steht auch der Markt für die Online-Buchung von Geschäftsreisen erst am Anfang. "Im Vergleich mit den Verkäufen per Telefon oder vor Ort in den Reisebüros ist der Internet- Reisemarkt in Deutschland immer noch mikroskopisch klein. Auf Web- Buchungen entfallen bislang weniger als ein Prozent des Gesamtmarktes", schätzt Arnitz das eigene Business realistisch ein. Doch der Kuchen, den es zu verteilen gilt, ist gewaltig. Nach Angaben von Lufhansa Air Plus dürfte 1999 das Volumen für Geschäftsreisen in Deutschland rund 77 Milliarden Mark betragen.

Die Kassen im deutschen Online-Reisemarkt zum Klingen zu bringen, schaffte jedenfalls bislang auch I:FAO mit seinen 45 Mitarbeitern nicht. Ganze 2,7 Prozent oder knapp eine Million Mark steuerte die Internet-Software IBE:TMS im zurückliegenden Geschäftsjahr zu den Einnahmen bei (siehe Abbildung). Insgesamt lag der Umsatz bei 33,5 Millionen Mark und konnte gegenüber dem Vorjahr (29,7 Millionen Mark) um 13 Prozent gesteigert werden. Im laufenden Geschäftsjahr sind 39 Millionen Mark anvisiert, was ein Wachstum von 18 Prozent bedeuten würde.

Mit diesen Zahlen kann der Börsenneuling am Neuen Markt - verglichen mit den Zuwachsraten anderer Internet-Firmen - jedoch nicht unbedingt glänzen. Hinzu kommt, daß sich I:FAO mit der Lizenzierung von Online-Software in einem niedrigpreisigen IT- Segment bewegt. "Unser Geschäft rechnet sich erst, wenn es volumenbasiert ist", gibt sich Arnitz auch in diesem Punkt keinen Illusionen hin. Zur Verdeutlichung: Die monatlichen Lizenzgebühren für IBE:TMS liegen pro Firmenmitarbeiter zwischen 1,50 und acht Mark, abhängig von der Zahl der angeschlossenen Nutzer des jeweiligen Unternehmens.

Vorsicht mit voreiligen Gewinnversprechungen

Wie viele andere Web-Companies surft auch I:FAO Gewinnen noch hinterher. Und das schon seit einigen Jahren. 1998 belief sich der Nettoverlust auf zwei Millionen Mark. Der I:FAO-Frontmann rechnet nicht vor 2001 mit schwarzen Zahlen. "Wir sind mit solchen Versprechungen sehr vorsichtig", versucht er übertriebene Erwartungen der Anleger am Neuen Markt im Zaum zu halten. Optimistische Signale kommen indes von den am Unternehmen beteiligten Investoren. Auch nach dem Börsengang verfolgen die drei Venture-Capital-Geber 3i, CEA und Fair Invest, die rund 40 Prozent an der Company halten, angeblich keine vorschnelle "Exit"- Strategie - will heißen: einen schnellen Verkauf der Anteile, vorausgesetzt, der Kurs der Aktie entwickelt sich entsprechend. Vorstandschef Arnitz ist übrigens nach dem Going Public noch mit 33,7 Prozent der Anteile mit von der Partie.

Andrea Goder ist freie Journalistin in München.