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13.04.1984 - 

Neuer DV-Konjunkturbericht der Diebold Deutschland GmbH:

Noch zähes Geschäft bei höherwertigen Mikros

HANNOVER (CW) - Der informationstechnischen Industrie könnte es noch besser gehen, wenn die Lieferfähigkeit der Hardware-Hersteller nicht durch zyklische Kapazitätsengpässe der Halbleiterproduzenten gebremst würde. Weder die Amerikaner noch die Japaner seien momentan in der Lage, den Weltbedarf an integrierten Schaltkreisen zu befriedigen. Auch die Weiter- und Neuentwicklung von Produkten werde häufig behindert, weil die erforderlichen Chips nicht geliefert werden könnten. Zu diesen Ergebnissen kommt die Diebold Deutschland GmbH, die jetzt in Hannover ihrer neuesten Konjunkturbericht vorlegte

Während im Halbleitergeschäft schwarzmarktähnliche Verhältnisse herrschten, gehe es der informationstechnischen Industrie nach Aussagen der Diebold-Beobachter dennoch nicht schlecht. Insbesondere Anbieter, die in puncto Chips eine vorausschauende Einkaufspolitik betrieben hätten, könnten die derzeitigen Marktchancen weitaus besser nutzen als der Wettbewerb.

Wie die Frankfurter Marktforscher sagen, halte der Trend an, Büroarbeitsplätze mit mehr Computerintelligenz und Kommunikationsfähigkeit auszustatten. Ebenso investieren die Anwender verstärkt in ihre Fertigungsbereiche - angefangen bei der Konstruktion und der Produktionsplanung, bis hin zum Fertigungsprozeß selbst. Was in Sachen CAD/CAM, Produktionsplanungs- und -Steuerungssysteme bereits ein "alter Hut" sei, werde jetzt zunehmend auch in mittleren Betrieben eingesetzt.

In der Gesamtheit, so Diebold, sei die Investitionsbereitschaft der Benutzer gestiegen. In den einzelnen Teilmärkten spiegele sich die Konjunktur indes unterschiedlich wider. So sei der klassische Mainframe-Markt nach wie vor durch zwei Einflußgrößen geprägt: durch das Ersatzgeschäft, bei dem alte Systeme gegen leistungsstärkere ausgetauscht würden, wobei sich häufig auch die Umstellung von Batch- auf Dialoganwendungen vollziehe, ferner durch die Erweiterung vorhandener Rechner- oder Speicherkapazität.

Wie die Frankfurter erklären, liege der jährlich wachsende Bedarf an Rechnerleistung beim Anwender bei etwa 50 bis 60 Prozent. Da IBM die Ankündigung der erwarteten Sierra-Jumbos offensichtlich zurückgestellt habe und sich mit Erweiterungen der 308X-Serie begnüge, fehle es im Mainframe-Markt an dramatischen Akzenten, die auch beim Anwender neue Entscheidungen auslösen könnten.

Zeit arbeitet für die Mikros

Ein lebhaftes Gerangel haben die Marktforscher indes im 4300-Bereich ausgemacht. In diesem Markt vollziehe sich einerseits die Installation von Satellitenrechnern bei Großanwendern, andererseits stelle sich für zahlreiche Benutzer das Problem des Aufstiegs in die nächsthöhere Rechnerklasse. Insgesamt hätten die Anbieter in diesem Marktsegment laut Diebold "recht gute Geschäfte" gemacht.

Eine verbesserte Auftragslage melden nach Angaben der Frankfurter auch die Minicomputer-Hersteller. Sie profitierten augenblicklich vom verstärkten DV-Einsatz in der Konstruktion und Fertigung sowie vom Einstieg in die kommerzielle Datenverarbeitung. Neue Wege suchen Diebold-Angaben zufolge die Anbieter von Bürocomputern, die sich allerdings mit ihren traditionellen Produkten noch recht gut behauptet hätten. Gegenüber den angebotenen Mikrocomputern hätten sie heute noch den Vorteil, über eine umfangreiche Palette bewährter Anwendungssoftware zu verfügen. Doch die Zeit arbeite für die Mikros, deren Software-Angebot sich ständig verbreitere und bei denen zudem inzwischen die ersten Mehrplatzsysteme verfügbar seien. Die Bürocomputerhersteller suchten das Problem zu lösen, indem sie ihrerseits in den Mikrocomputermarkt einsteigen und dabei die Kompatibilität zu ihren Office-Systemen herzustellen suchten.

Gemessen an den Zuwachsraten seien Diebold zufolge Mikrocomputer aller Schattierungen auch im letzten Jahr die absoluten Renner gewesen. Die Dynamik in diesem Markt verunsichere und beflügle Anbieter wie Anwender zugleich. Am intensivsten laufe das Geschäft nach wie vor mit 8-Bit-Rechnern, die in Schulen, bei Kleinunternehmen und auch im Heimsektor wachsenden Absatz fänden. Hingegen werde im höherwertigen Systemgeschäft noch Zurückhaltung geübt. Dies habe nach Aussagen der Frankfurter Marktforscher mehrere Gründe: Einer davon sei die Verunsicherung über den zukünftigen Status des Mikrocomputers in der Unternehmensorganisation. Nachdem die Erkenntnis an Boden gewinne, daß der Wildwuchs bei Mikro-Installationen keine wünschenswerte Erscheinung darstelle, bestehe bei vielen Anwendern Unklarheit über die organisatorische Einbindung. Die Ankündigungspolitik der IBM, so Diebold, lasse allerdings die Erkenntnis reifen, daß viele Mikros künftig als Terminals in einem Rechnerverbundnetz arbeiten würden. Somit gewinne die Kompatibilitätsfrage zunehmend an Bedeutung.

Ein weiterer Grund für die Mikro-Zurückhaltung liege, so Diebold, im derzeitigen Softwareangebot, das trotz zahlreicher Fortschritte immer noch nicht jenen Umfang erreicht habe, der etwa die Sparte Bürocomputer auszeichne. Das beginne bei dem Problem, daß nicht jedes Programm deutschsprachig zur Verfügung stehe und ende bei dem Punkt "fehlende Branchenpakete".

Das Bemühen der Anwender um effizientere Nutzung der Informationstechnik fand nach Ansicht der Marktforscher auch in erhöhten Aufträgen der Software-Häuser ihren Niederschlag, die sowohl Anwendungspakete als auch Tools und Datenbanksoftware absetzen. Bei zahlreichen Softwarehäusern sei ein Trend zu dem Systemhaus erkennbar, das dem Anwender unter Einbeziehung entsprechender Hardware schlüsselfertige Lösungen biete. Andererseits sehe sich die deutsche Softwarezunft inzwischen wachsender Konkurrenz durch große amerikanische Softwarehäuser ausgesetzt. Spürbar werde das insbesondere bei Anbietern, die bekannte Mikrocomputer-Software vertreiben. So stünden viele Softwarehäuser derzeit vor der grundlegenden Frage, wie und wo sie sich künftig im Mikro-Geschäft ansiedeln sollten.