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13.04.2001 - 

Netzbetreiber sind an Ressourcenteilung interessiert

Nokia sichert sich Aufträge durch Finanzhilfe

13.04.2001
MÜNCHEN (CW) - Unter den Anbietern von Vermittlungstechnik für Mobilfunknetze tobt ein harter Positionskampf. Alle wollen am Aufbau der UMTS-Netze verdienen, müssen sich Aufträge aber durch immense Kredite an die Netzbetreiber erkaufen. Nokia schießt jetzt besonders viel Geld vor, um der Nummer eins, Ericsson, den Rang abzulaufen.

Es ist erst drei Monate her, dass Ericsson mit der Auslagerung seiner Handy-Produktion an Flextronics wegen zu hoher Fertigungskosten Schlagzeilen machte. Mit den Endgeräten würden nur knapp zehn Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet, beschwichtigten die Schweden und wiesen auf ihre weltweite Spitzenposition in der Systemtechnik hin. Tatsächlich hatte Ericsson im Jahr 2000 die Nase vorn, doch der Vorsprung droht zu schmelzen.

Prestigeerfolg in DeutschlandAusgerechnet der skandinavische Nachbar Nokia, Weltmarktführer im Absatz von Mobiltelefonen, unternimmt jetzt enorme Anstrengungen, Ericsson auszubooten. Für die Finnen dürfte der Entschluss, stärker auf das Geschäft mit Systemtechnik zu setzen, zwei wesentliche Gründe haben. Erstens erwarten Experten ein Ende des Handy-Booms. Nicht nur Ericsson, sondern auch die Konkurrenten Alcatel, Philips und Sagem sind mit der Herstellung von Mobiltelefonen in die Krise geraten, und auch bei Nokia stockt die Nachfrage. Der finnische Konzern, der bislang 70 Prozent seines Umsatzes mit Mobiles generierte, muss also dringend andere Geschäftsfelder forcieren, um weiter zu wachsen. Der zweite Grund ist, dass mit Systemtechnik in großen Stückzahlen ein höherer Umsatz zu erzielen ist als mit der Sparte Endgeräte. 35 Prozent der weltweit zu vergebenden UMTS-Aufträge will sich Nokia sichern. Dieses Ziel gab Konzernchef Jorma Ollila kürzlich aus.

Wie entschlossen das Management von Nokia den neuen Kurs mit mehr Gewicht auf die Systemtechnik steuert, wurde jetzt sichtbar. Das Unternehmen konnte drei Aufträge für die Errichtung von UMTS-Netzen an Land ziehen, die mehr als einen Achtungserfolg darstellen. Nokia wird für Orange und Itineris, beides Mobilfunktöchter der France Télécom, die UMTS-Infrastruktur aufbauen. Während die Finnen für Orange das Netz in Großbritannien allein installieren, teilen sie sich den Auftrag für das Itineris-Netz in Frankreich mit Alcatel.

Ein besonderer Prestigeerfolg dürfte aber der dritte Zuschlag sein, den Nokia vom deutschen Provider Mobilcom erhielt. Schon lange gab es Gerüchte, dass Mobilcom-Chef Gerhard Schmid neben Ericsson noch einen weiteren Ausrüster ins Boot holen wolle, obwohl die Schweden vergangenes Jahr noch als alleiniger Equipment-Lieferant für das UMTS-Netz angekündigt worden waren.

Dass jetzt auch Nokia Basisstationen und Vermittlungsrechner für das deutsche Netz liefert, hat mehrere Gründe: Mit Sicherheit dürfte France Télécom, das mit 28,5 Prozent an Mobilcom beteiligt ist und den Deutschen gerade ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von zwei Milliarden Euro gewährt hat, seinen Einfluss geltend gemacht haben. Durch die Vergabe von Aufträgen an Nokia in Großbritannien, Frankreich und Deutschland konnten Mengenrabatte erzielt werden. Laut Mobilcom reduzierte sich dadurch die Auftragssumme von 1,6 auf 1,4 Milliarden Euro. Außerdem ist es bei den Netzbetreibern beliebte Taktik, aus Verhandlungs- und Sicherheitsgründen mindestens zwei Hersteller mit dem Netzaufbau zu betrauen.

Willkommener LieferantenkreditDas ausschlaggebende Kriterium für die Beteiligung von Nokia an den drei Netzen dürfte jedoch die Bereitschaft der Finnen gewesen sein, einen Lieferantenkredit in Höhe von zwei Milliarden Euro einzuräumen. Um ihre hohen Anfangsinvestitionen in die UMTS-Netze zu mildern, versuchen die Netzbetreiber derzeit, nicht nur die Finanzierung der Infrastruktur, sondern auch die Kosten für die Anlauffinanzierung auf die Gerätehersteller abzuwälzen. Wer von den Produzenten also bereit ist, stärker in Vorlage zu gehen, hat bessere Aussichten auf Aufträge. Den durch die UMTS-Auktionen und Börsen gebeutelten Lizenznehmern tut die Verteilung der Last auf mehrere Schultern gut.

Wandel zum NetzbetreiberUnter den Netzbetreibern mehren sich jetzt auch die Stimmen, die eine gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen anregen. Für Mobilcom-Chef Schmid ist die Teilung von Ressourcen jedenfalls kein Tabuthema. Er bestätigte konkrete Verhandlungen mit einem Wettbewerber. Die Wahrscheinlichkeit, dass Schmid mit E-Plus oder Viag Interkom Gespräche führt, ist relativ hoch. Beide Carrier verfügen im Gegensatz zur Group 3G bereits über GSM-Netze und haben Interesse an Ressourcen-Sharing bekundet. Bedeckt halten sich bisher indes T-Mobil und D2-Vodafone.

Doch nicht nur aufgrund von Einsparungen durch gemeinsam genutzte Infrastruktur, sondern auch der geringeren Subventionen für Mobiltelefone rechnet Mobilcom im Geschäftsjahr 2001 mit deutlich niedrigeren Belastungen. Wegen der hohen Kosten für Handy-Zuschüsse hatte das Bündelsdorfer Unternehmen vor Steuern im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Minus von 22 Millionen Mark ausgewiesen. 2001 soll das Ergebnis positiv ausfallen, kündigte Schmid auf der Hauptversammlung an. Er rechtfertigte dabei den teuren Erwerb einer UMTS-Lizenz mit der Notwendigkeit des Unternehmens, sich von einem Reseller zu einem Netzbetreiber zu wandeln.

Weltweiter Umsatz der TK-Equipment-AnbieterHersteller / 2000* Umsatz / 2000 Rang / 1999* Umsatz / 1999 Rang / 1999/00** Umsatzwachstum

Ericsson / 31,3 / 1 / 25,7 / 2 / 21,5

Nortel / 30,3 / 2 / 21,3 / 3 / 42,2

Nokia / 27,2 / 3 / 20,1 / 4 / 35,4

Lucent 1 / 25,8 / 4 / 33,8 / 1 / -23,5

Cisco / 23,9 / 5 / 15,0 / 8 / 59,3

Siemens / 22,8 / 6 / 20,0 / 5 / 14,5

Motorola / 22,8 / 6 / 19,7 / 6 / 15,3

Alcatel / 21,6 / 8 / 17,1 / 7 / 26,6

Top 8 insgesamt / 205,7 / - / 172,7 / - / 19,1

*Angaben in Milliarden Dollar/** in Prozent / Quelle: Gartner Dataquest

1 Lucent 2000 ohne Avaya, die kombinierten Werte würden 33,23 Milliarden Dollar ergeben.