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14.01.1994

Nomadic Computing im taeglichen Einsatz Mobilitaet bedeutet Information und situationsgerechtes Handeln

Weltweite mobile Kommunikation durch Nutzung bereits vorhandener terrestrischer, satellitengestuetzter und auf Funk basierender Dienste - Big Blue will es moeglich machen. Axel Hein* beschreibt anhand einer neuen IBM-Kommunikationsplattform zukuenftige Anwendungsszenarien, die vor allem eines deutlich machen sollen: Drahtlose Kommunikation ist nicht alles, aber ohne sie ist vieles nicht realisierbar.

"Nomadic Computing" - diese Bezeichnung ruft vielleicht bei manchem Anwender zunaechst die Assoziation eines Scheichs hervor, der auf einem Kamel reitend Daten in seinen Laptop eingibt, und diese Vorstellung ist durchaus nicht abwegig. Worum es hier naemlich geht, ist die Faehigkeit, globale Kommunikation mit jedem Partner und jedem systemintegrierten Rechner zu realisieren mit dem Ziel, ueberall und jederzeit aktuelle Informationen empfangen und senden zu koennen.

Eine typische Situation: Der Vertriebsbeauftragte ist dabei, ein wichtiges Geschaeft unter Dach und Fach zu bringen, benoetigt fuer den ausgehandelten Preisnachlass aber die Zustimmung des Geschaeftsfuehrers. Er tippt eine entsprechende Nachricht in ein Notebook und drueckt die Enter-Taste. Um an jedem Ort erreichbar zu sein, fuehrt auch der Geschaeftsfuehrer ein Notebook mit sich. Ueber ein Mobilfunk- beziehungsweise Telefonnetz erreicht die Nachricht einen Zentralrechner und wird von diesem auf den Bildschirm des anvisierten Geraetes uebertragen; die Antwort nimmt denselben Weg.

Zukunftsmusik? Keineswegs. In den USA ermoeglichen die von der IBM fuer die AS/400 entwickelten Ein- und Zweiweg-Kommunikationssysteme "Pagerpac/400" und "Radiopac/400" das beschriebene Szenario schon heute (vgl. Abbildung 1). Zur Zielgruppe solcher Loesungen gehoeren beispielsweise Aerzte, die Notrufen Folge leisten muessen, oder Aussendienstmitarbeiter, die Bestellungen durchgeben und die Lieferfaehigkeit eines Artikels vor Ort nachpruefen koennen wollen; aber auch Geschaeftsleute, die jederzeit und ueberall Informationen empfangen oder versenden moechten. Die Bandbreite an Geraeten, die mit der neuen Technik ausgeruestet werden koennen, reicht vom Handheld ueber das Notebook bis hin zum PC oder der Workstation.

In der Bundesrepublik existiert bereits ein System fuer die mobile Datenkommunikation, das die Projektphase laengst hinter sich gelassen hat: Das von der Telekom zum 1. Juni 1993 in Betrieb genommene Modacom. Zu den wesentlichen Leistungsmerkmalen des neuen Telekom-Services gehoeren ein Mailbox-Dienst, die Bestaetigung der fehlerfreien Datenuebertragung und das sogenannte Roaming - also die staendige Erreichbarkeit im Funkversorgungsbereich.

Denkbare Einsatzmoeglichkeiten des neuen Systems sind die Steuerung von Fahrzeugflotten bei Speditionen, Kurierdiensten und Unternehmen mit Servicetechnikern oder der Zugriff auf Datenbanken durch Aussendienstmitarbeiter bei Versicherungen und anderen Dienstleistungsbetrieben. Bei Firmen mit Fahrzeugflotten werden die Vorteile des Systems besonders deutlich. Wenn der Fahrer morgens sein Terminal einschaltet, stehen ihm sofort alle benoetigten Touren- und Auftragsdaten zur Verfuegung; ein entsprechendes Umdisponieren ist noch waehrend der Fahrt moeglich. Soll der Fahrer bespielsweise auf dem Rueckweg Gueter abholen, wird er ueber das Terminal schriftlich benachrichtigt.

Die neue Technik ermoeglicht also ganzheitliche Informationssysteme, zum Beispiel eine ununterbrochene Informationskette vom Verlader ueber den Spediteur und dessen Fahrzeugflotte bis hin zum Empfaenger. Durch vorauseilende Mengen-, Ladungs- und Ankunftsinformationen koennen insbesondere Transportlogistik und Umschlaglager effizienter gesteuert werden als bisher. Bei der Systemkonzeption wurde aber auch der wirtschaftliche Aspekt beruecksichtigt: Abgerechnet werden ausschliesslich die tatsaechlich uebertragenen Daten. Diese stehen wiederum nur einer genau definierten Benutzergruppe zur Verfuegung - zum Beispiel der Zentrale einer Spedition und ihren Fahrern (vgl. Abbildung 2).

Die Kommunikation entsprechender Anwendergruppen bleibt aber nicht auf den deutschen Raum beschraenkt. Ueber die France Telecom Transpac S.A., den Kooperationspartner der Telekom, und andere Netzanbieter bestehen Zugaenge zu weltweit verteilten X.25-Netzen. Noch einen Schritt weiter geht "Artour" (Advanced Radio Communication On Tour). Diese Kommunikationsplattform der IBM verbindet Datenfunksysteme wie Modacom, Satellitensysteme und digitale Mobilfunk-Netze mit leitungsgebundenen Netzen - etwa dem deutschen Datex-P, dem weltweiten X.25-Netz und Internet. Auf diese Weise ermoeglicht die Plattform die Kommunikation zwischen Mobilcomputern unterschiedlichster Art ueber verschiedene Radiokommunikationssysteme und stellt eine weltweite Verbindung zu stationaeren Rechnern her.

Ein Beispiel hierfuer ist die Verbindung zwischen Modacom, dem Satellitensystem Inmarsat und dem Global Positioning System (GPS): Dieses "Dreigestirn" ermoeglicht - zusaetzlich zu der Zweiweg- Kommunikation zwischen Zentrale und mobiler Gruppe - die aktuelle Positionsbestimmung von Fahrzeugen. Wenn ein Verlader also wissen will, wo sich seine Ladung zur Zeit befindet, kann ihm dies sofort mitgeteilt werden, ohne dass dazu mit dem Fahrer Kontakt aufgenommen werden muss.

Die Vorteile der neuen Technologie zeigt auch ein Vergleich mit bestehenden Anwendungen. Mit Laptops oder Notebooks ausgeruestete Aussendienstmitarbeiter koennen heute relevante Daten abrufen, die in bestimmten Abstaenden per Diskette oder per Datenuebertragung mit Modem beziehungsweise Akustikkoppler auf den neuesten Stand gebracht werden. Aktuelle Mitteilungen und direkter Informationsaustausch sind auf diesem Weg allerdings noch nicht zu realisieren. Anders bei den neuen Systemen: Unter der Voraussetzung, dass der Zentralrechner staendig mit den neuesten Informationen versorgt wird, kann sie der ueber Funk anfragende Teilnehmer aktuell auf seinen Bildschirm transferieren und zudem jederzeit an jedem Ort mit einem Partner im Netz kommunizieren. Nomadic Computing bedeutet also nichts anderes, als sich unabhaengig von aeusseren Gegegenheiten informieren zu lassen.