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Zahlt der Anwender bei teurerem LAN-Equipment für den Namen?

Noname kontra Markenware

15.03.2002
MÜNCHEN (hi) - In Zeiten knapper IT-Budgets stellt sich mehr denn je die Frage: Muss es immer Netzhardware von den bekannten Markenherstellern sein? Oder genügen professionellen Ansprüchen auch Noname-Produkte, die zumindest auf dem Papier die gleiche Leistung versprechen?

Netzkarten, Switches und Zweigstellen-Router, damit verbanden noch vor drei bis vier Jahren Unternehmenskunden eine strategische Einkaufsentscheidung. Mittlerweile haben sich die Geräte als Commodity-Produkte einen festen Platz in den Regalen der Consumer-Elektronikläden und bei den Boxenschiebern um die Ecke erobert. Vorbei sind die Zeiten, als Consultants noch über die Notwendigkeit von Vollduplex-fähigen Netzwerkkarten referierten und die Frage im Raum stand, ob ein Arbeitsgruppen-LAN geswitcht oder via Hub angeschlosen wird.

Diese früher heiß diskutierten Features gehören heute selbst in den Geräten der Elektronik-Supermärkte zum guten Ton. Sogar einstige Alleinstellungsmerkmale wie Status-LEDs auf der Switch-Frontseite oder das Feature "Stackable" zur Zusammenschaltung mehrerer Switches besitzt nun auch die Konkurrenz aus den Consumer-Märkten. Warum soll ein Anwender etwa 50 bis 60 Euro für eine Markennetzkarte zahlen, wenn das Noname-Pedant bereits für unter zehn Euro über den Ladentisch geht?

Vorteil Treibersupport?Dass die Unterschiede zwischen den Netzkarten nicht so groß sind, räumt denn auch Harald Thunig, Distributions-Manager für Zentraleuropa bei SMC Deutschland, ein: "Selbst Funktionen wie Boot-ROM oder Wake on LAN gehören heute bei den Noname-Produkten zum allgemeinen Stand der Technik." Ein Differenzierungsmerkmal sieht Thunig hauptsächlich in der Treiberqualität sowie der Zahl der unterstützten Betriebssysteme: "Microsoft- und Novell-Treiber findet der Anwender in allen Produkten, doch wer unterstützt noch OS/2 oder MACs sowie ältere Windows-Varianten. In das gleiche Horn stößt Markenkonkurrent Marco Peters, Retail-Manager Central Europe bei Netgear. Er weist zudem da-rauf hin, dass bei den bekannten Herstellern Treiber für neue Betriebssysteme schneller verfügbar seien als bei den Noname-Produkten aus dem asiatischen Raum.

Die Vorwürfe in Sachen Treiberentwicklung lässt Thomas Oubailis, System Engineer bei LG Electronics Deutschland in Willich, nicht auf sich sitzen. Nach seinen Worten entwickelt die koreanische Mutter des Unternehmens, das im Netzbereich noch zu den Noname-Herstellern zählt, genauso schnell wie die großen Marken. Zudem programmiere LG, wenn ein Anwender eine relevante Stückzahl bestelle, auf Kundenanfrage Treiber für ein spezifisches Betriebssystem.

Leistung versus PreisEin anderes Argument, mit dem die Markenhersteller gerne ihre hohen Preise verteidigen, ist die Performance der Netzkarten. So fällt gerade bei einfachen Netzadaptern auf, dass bei der Übertragung großer Datenmengen im Bereich mehrerer 100 MB die CPU-Auslastung des Rechners drastisch ansteigt und somit ein Weiterarbeiten am Arbeitsplatz de facto unmöglich ist. Das sei aber, wie es beim Germeringer Distributor Allnet Deutschland GmbH, heißt, kein spezifisches Problem der Noname-Produkte. Denn auch diese Hersteller, so das Unternehmen, das Netzequipment unter dem Label "Allnet" vermarktet, würden verschiedene Chipsätze auf ihren Karten verbauen und so zielgruppenspezifische Produkte offerieren.

Ebenso wenig hält man bei Allnet den Vorwurf, wie ihn etwa Peters von Netgear äußert, für gerechtfertigt, dass Nonames keine umfassende Lösung aus einer Hand anböten und deshalb den Kunden bei Problemen im Regen stehen ließen. Nach der Darstellung der Germeringer kann der Unternehmenskunde auch bei ihnen fast alles aus einer Hand beziehen. Wenn die eigene Produktpalette eine Lücke aufweise, arbeite man wie die Großen auch mit Partnern zusammen. Letztlich räumen auch die Markenproduzenten im Gespräch ein, dass die Unterschiede bei den Netzkarten nur noch marginal sind.

Gleichwohl weisen sie auf beträchtliche Unterschiede hin, die es bei den Workgroup-Switches gebe. "Unter den Herstellern der in den Switches verwendeten Chipsätze gibt es A- und B-Produzenten", versucht Netgear-Mann Peters die Unterschiede zu erklären, "und die Markenhersteller verwenden eine größere Sorgfalt auf die Auswahl der Lieferanten." Gegen diesen versteckten Vorwurf, für die Noname-Ware würden nur die günstigten Bauteile zusammengesucht, verwahrt sich Allnet heftigst. Man produziere genauso große Serien wie die Markenartikler und suche die Zulieferer mit der gleichen Sorgfalt aus, heißt es in Germering. Eine Darstellung die SMC-Manager Thunig so nicht gelten lassen will. Er rät potenziellen Kunden, doch einmal zu überprüfen, ob die asiatischen Produkte die gleiche Anzahl an MAC-Adressen unterstützen oder wie groß der Buffer der Switches ist, um im Falle einer Netzüberlastung Daten zwischenzupuffern. Eine Analyse, der Oubailis von LG Electronics gelassen entgegensieht: "Unsere Switches brauchen sich in Sachen Leistung auf der Backplane nicht vor den teueren Konkurenten wie 3Com oder Cisco zu verstecken."

Folgt man der Argumentation der Markenverfechter Peters und Thunig, so ist die Performance jedoch nur die halbe Miete in Sachen Switch-Kauf. Der Griff zur markenlosen Ware, so argumentieren beide, könne sich unter dem TCO-Aspekt langfristig als kostspielig erweisen, da fehlende Features wie VLAN-Unterstützung oder Quality of Services (für IP-Telefonie) sowie Port-Trunking das Management und Administration verteuern würden. "Merkmale, die bei LG als einem Noname-Hersteller ebenfalls zu den Standardfunktionen gehören", kontert Oubailis, "der Kunde bezahlt doch bei den bekannten Herstellern 20 Prozent des Preises nur für den Namen." Zudem sticht das Management-Argument nur bedingt, waren es doch Markenhersteller wie 3Com, die noch vor kurzem für ihre Workgroup-Switches mit dem Schlagwort Plug and Play warben - also bewusst auf Management-Features verzichteten.

Eine Frage der InnovationSo leicht gibt sich SMC-Manager Thunig jedoch nicht geschlagen und verweist ferner auf die Innovationsfreudigkeit der großen Hersteller, die in Entwicklungen wie etwa Auto-MDI münde. Eine Funktion, die es erlaubt, am Uplink-Port des Switches jedes Kabel zu unterstützen, so dass die Suche nach den passenden Patch-Kabeln mit der richtigen Steckerbelegung der Vergangenheit angehöre. Zudem garantiere die Forschung und Entwicklungsarbeit der Markenhersteller dem Anwender eine frühe Migration auf neue Technologien.

Ein Vorwuf, den man im Noname-Lager als glatte Unterstellung betrachtet. Schließlich, so die Hersteller, forschten sie ebenfalls an neuen Geräten, und auch jüngeren Technologien wie Voice over IP stehe man aufgeschlossen gegenüber. Allerdings räumt Allnet ein, es sei Unternehmenspolitik, nur in die Forschung an Technologien Geld zu stecken, die auf einem soliden Standard basieren und eine gesunde Marktentwicklung versprechen. Riskiofreudiger zeigt sich hier die koreanische LG Electronics. Der Konzern engagiert sich etwa in Sachen Metro-Ethernet, einer Technologie, deren Zukunft durchaus noch unsicher ist.

Service als TrumpfkarteKonnten die etablierten Hersteller gegenüber den Noname- und Label-Herausforderern bislang nur bedingt punkten, wittern sie bei der Frage nach Service und Support Morgenluft. So versprechen die namhaften Player ihren Kunden eine Ersatzteilversorgung selbst fünf bis sieben Jahre nach dem Produktionsende einer Serie. Zudem, so Peters von Netgears, ständen die namhaften Hersteller für eine Produktkontinuität. Dem Anwender bringe dies den Vorteil, sich nicht jedes halbe Jahr in ein neues Gerät mit geändertem Bedienungskonzept einarbeiten zu müssen, wie es bei Produzenten aus dem asiatischen Raum üblich sei. Eine Darstellung, der die Beschuldigten heftig widersprechen, schließlich mache man nichts anderes als die Großen der Branche und verwende im Zuge der Produktverbesserung eben die neuesten Revisionen der jeweiligen Chipsätze.

Einen klaren Punktsieg verbuchen die etablierten Unternehmen in Sachen Garantieleistung: Drei bis fünf Jahre sind hier je nach Produktkategorie Standard. Zudem offerieren etwa SMC und Netgear dem Kunden bei einem Defekt einen Vorabaustausch vor Ort. Der Anwender erhält also ein Austauschmodell, bevor er überhaupt sein defektes Gerät einschicken muss. Ein Serviceversprechen, mit dem unter den befragten Nonames lediglich LG Electronics mithalten kann. Bei Allnet dagegen muss der Kunde, der hier zwischen zwei und drei Jahren Garantie bekommt, auf die Kulanz des Herstellers hoffen. Generell gibt es keinen Vorabaustausch, bei besonderen Kunden drücken die Germeringer jedoch ein Auge zu. Noch unklarer ist die Situation bei der taiwanischen Billion Electronic Ltd. mit einer deutschen Niederlassung in Hamburg. Der Hersteller von Netz- und Kommunikationsequipment bietet diesen Service Privatkunden generell nicht an, erwägt jedoch, ihn für Unternehmenskunden einzuführen. Sollte sich das Unternehmen zu einem klaren Nein durchringen, stellt sich die Frage, ob ein professioneller Anwender wirklich bereit ist, auf diesen Service zu verzichten, wenn er beispielsweise im Vergleich zu einem Marken-DSL-Router lediglich 30 Euro spart. Letztlich lässt sich die Frage, ob in Büroumgebungen Markenware oder Noname-Produkte empfehlenswerter sind, auf die Frage nach dem Service im Schadensfall reduzieren: Wird der Vorabaustausch benötigt, oder hält der Anweder lieber zwei oder drei billige Noname-Ersatzgeräte auf Lager? Eine Antwort hierauf wird wohl nur individuell zu finden sein, zumal das Vertrauen in die Erreichbarkeit der Markenhersteller bei Problemen Glaubenssache ist.