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15.11.1991 - 

Vorbereitung auf den Binnenmarkt

Nordrhein-Westfalen stärkt die Software-Unternehmen

15.11.1991

Die Probleme kleiner und mittlerer Software-Unternehmen will das neu gegründete nordrhein-westfälische Software-Industrie Support Zentrum (SISZ) in den Griff bekommen. Harald Summa erläutert, warum diese "Einrichtung für die Software-Industrie" gegründet wurde und skizziert das künftige Aufgabenfeld des SISZ.

Einige Marktforscher prognostizieren deutschen Software-Unternehmen, deren Anteil am gesamten europäischen Softwaremarkt bei etwa 27 Prozent liegt, eine rosige Zukunft in Europa. Allerdings weist der deutsche Softwaremarkt mit etwa 6000 Anbietern einige Besonderheiten auf, die zu Schwachstellen werden könnten, sollte es nicht gelingen, sie rechtzeitig in Stärken zu verwandeln.

Anders als im Ausland - insbesondere in Großbritannien und Frankreich - haben sich in Deutschland bisher nur wenige Software-Unternehmen mit über 1000 Beschäftigten herausgebildet. Deutsche Anbieter sind überwiegend mittelständisch orientiert. Bei der Mehrzahl der Unternehmen hat der Eigentümer das Sagen.

Für die meisten Softwarehäuser ist Wachstum keine Unternehmensstrategie und Internationalisierung kein Thema. 34 Prozent der Unternehmen liegen nach Aussage des Marktforschungsinstituts Infratest mit einem sehr niedrigen Pro-Kopf-Umsatz von unter

100 000 Mark knapp an der Grenze des Rentabilität. Diese Unternehmen machen ihr Geschäft überwiegend im regionalen Markt. Nur drei Software-Unternehmen unter den 15 größten Anbietern erwirtschaften nennenswerte Auslandsumsätze.

Auffällig ist auch die dezentrale Struktur der deutschen Software-Industrie. Zwei Drittel der Software-Unternehmen haben sich an fünf verschiedenen Standorten angesiedelt. Im europäischen Ausland dagegen konzentriert sich die Software-Industrie zumeist auf ein oder zwei Standorte, was das Projektgeschäft und das Entstehen großer Häuser begünstigt.

Ein weiteres Problem liegt in der geringen Spezialisierung des Angebots. Die Mehrzahl der Software-Unternehmen versteht sich als Generalist. Neben den sehr kleinen Anbietern hält Infratest besonders die national operierenden Generalisten in der Größenordnung von 50 Beschäftigten für gefährdet. Diese Unternehmen bewegen sich im Spannungsfeld eines Mitbewerbs, der sich einerseits aus national tätigen Spezialisten und andererseits aus international aktiven Generalisten zusammensetzt.

Kleine Software-Unternehmen befinden sich wegen ihrer geringen Kapitalausstattung derzeit in keiner guten Position, wenn es darum geht, Aufträge auf internationaler Ebene zu erhalten. Auch beim Marketing sind Schwachstellen nicht zu übersehen. In der Regel betreiben diese Betriebe kaum Marketing, reagieren, statt zu agieren, und stellen so Oberhaupt keinen Faktor in der internationalen Szene dar. Großprojekte werden an Hardwarehersteller oder international operierende Softwarehäuser vergeben. Weitere Schwächen liegen in der Management-Qualifikation, hier vor allem in der strategischen Unternehmensführung.

Die Notwendigkeit, rechnergestützte Software-Entwicklungsumgebungen einzusetzen, um Produktivitäts- und Qualitätsvorteile zu erzielen, und der daraus erwachsende Kapitalbedarf stellen gerade die kleinen Unternehmen vor kaum lösbare Probleme. Zu hoch sind die Investitionskosten für Werkzeuge und für die Schulung der Software-Entwickler - die Finanzkraft der Unternehmen ist deutlich überfordert.

Auch der Personalmarkt macht den kleinen Softwarehäusern zu schaffen. Will ein Betrieb aufgrund guter Markterfolge expandieren, so muß damit gerechnet werden, daß eine mögliche Expansion durch knappe Personalkapazitäten beeinträchtigt wird.

Um diese Probleme besser in den Griff zu bekommen, hat sich das Bundesland Nordrhein-Westfalen entschlossen, initiativ zu werden. Mehr als 450 000 Unternehmen, davon etwa 60 000 mittelständische Industriebetriebe, werden in Zukunft in Nordrhein-Westfalen eine verstärkte Nachfrage nach Softwareprodukten und Dienstleistungen auslösen, um ihre. Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern.

In Nordrhein-Westfalen gibt es etwa 1300 Software- und Systemhäuser, wovon etwa die Hälfte als Ein-Mann-Betriebe einzuordnen sind. Typisches Merkmal ist auch hier eine stark mittelständische Struktur der Unternehmen. Die Mehrzahl der Softwarehäuser beschäftigt weniger als fünf Mitarbeiter. Nur die Hälfte erzielt einen Jahresumsatz von über 100 000 Mark. Mehr als 50 Prozent macht Umsatz mit Unternehmen in anderen Bundesländern, aber nur fünf Prozent außerhalb der Bundesrepublik. Der Auslandsumsatz trägt in diesen Fällen mit zehn Prozent nur wenig zum Gesamtumsatz bei.

Es ist damit zu rechnen, daß 1993 die Öffnung des europäischen Binnenmarktes vermehrt französische und britische Anbieter auf den deutschen Markt locken wird. Schon jetzt sind Zusammenschlüsse, Übernahmen, Neugründungen und Konkurse an der Tagesordnung. Der Binnenmarkt wird jedoch zu einer zusätzlichen Dynamik am Softwaremarkt führen.

Um hier eine mittel- und langfristige Wettbewerbsfähigkeit insbesondere kleiner und mittlerer Software-Unternehmen des Landes zu gewährleisten, hat Nordrhein-Westfalen strukturpolitische Maßnahmen für die Software-Industrie ergriffen. Die Konzepte reihen sich ein in eine Technologiepolitik, die neben der Modernisierung traditioneller Branchen wie Kohle und Stahl vor allem die Förderung neuer Technologien zum Ziel hat.

Um Fakten über das Anbieterpotential, den Markt und den Handlungsbedarf zu bekommen, beauftragte das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie 1989 die Diebold Deutschland GmbH mit der Untersuchung von 80 Software-Unternehmen, die einen repräsentativen Querschnitt darstellen sollten. Als Problemfelder identifizierte die Unternehmensberatung die Finanzierung des Unternehmenswachstums, eine geringe Marketing- und Vertriebsstärke, Personalrekrutierung und -qualifizierung, Investitionen für neue Software-Entwicklungen und die geringe Nutzung moderner Tools zur Software-Entwicklung.

Die Ergebnisse wurden in verschiedenen Workshops mit Softwarehäusern diskutiert, analysiert und modifiziert. Auf diese Weise entstand die "Gesellschaft zur Förderung der mittelständischen Software-Industrie in Nordrhein-Westfalen e.V.", in der bisher über 40 Software-Unternehmen organisiert sind. Daß die Fördergesellschaft bereits kurz nach ihrer Gründung über so viele Mitgliedsunternehmen verfügt, zeigt, wie groß der Bedarf ist, und erlaubt zudem Rückschlüsse auf die zu erwartende Entwicklung.

Eine der ersten Aktivitäten der Gesellschaft war die Gründung der Software-Industrie Support Zentrum GmbH (SISZ) in Dortmund, die sich derzeit im Aufbau befindet. Das Aufgabengebiet ist abgesteckt: Um dazu beizutragen, die erwähnten Defizite der Software-Industrie auszugleichen, soll das Support-Zentrum - orientiert an den Bedürfnissen mittelständischer Softwarehäuser - Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Zu diesem Zweck wird derzeit im SISZ ein Beratungs- und Dienstleistungsangebot ausgefeilt, das folgende Bereiche umfassen wird:

-Marketing, Vertrieb, Öffentlichkeitsarbeit,

-Nutzung moderner Werkzeuge zur Software-Entwicklung,

-betriebswirtschaftliche Unternehmensführung,

-Personalqualifizierung sowie

-Kapitalbeschaffung für Unternehmenswachstum und Kooperationen.

Vertrieb und Marketing sollen durch besondere Service-Angebote, etwa gemeinsame Messen, PR-Aktionen etc., gefördert werden. Die Betriebe können sich über Förderprogramme und Finanzierungshilfen informieren und bei der Beantragung unterstützen lassen. Das SISZ wird Kooperationsbörsen aufbauen, Partnerschaften zwischen Unternehmen in die Wege leiten und die kooperative Durchführung von Projekten organisieren.

Die Vielfalt und Vielzahl der geäußerten Wünsche zeigt den Handlungsbedarf. Die vielzitierte "eierlegende Wollmichsau" kann das SISZ sicher nicht werden, wohl aber im Idealfall eine unentbehrliche Schnittstelle zwischen Herstellern, Anwendern, Beratern und Forschern. Möglicherweise lassen sich über das Support-Zentrum Partnerschaften zwischen Softwarehäusern und Kontakte zu großen Auftraggebern realisieren. Vielleicht wird auch der Austausch zwischen Forschung und Industrie verbessert.

Die SISZ GmbH erhält während einer Aufbauphase von zwei Jahren projektgebundene Teilfinanzierungen durch das Land Nordrhein-Westfalen. Den Mitgliedsunternehmen der Gesellschaft zur Förderung der mittelständischen Software-Industrie in NRW e.V. wird das SISZ Beratung und Dienstleistungen zu Vorzugskonditionen anbieten.